Leimentaler Open Air
Klein aber fein: Das Festival, an dem es an nichts fehlt

Das Programm gefällt, die Baselbieter Soulsängerin Ira May wird gefeiert – doch letztlich sind die meisten hier, um mit Bekannten zu festen

Alan Heckel
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«I’m alright, I’m okay»: Die Folk-Punker des Saint City Orchestra bringen die Stimmung am Leimentaler Open Air auf den Punkt.

«I’m alright, I’m okay»: Die Folk-Punker des Saint City Orchestra bringen die Stimmung am Leimentaler Open Air auf den Punkt.

Der Weg zum Bruderholzhof ist bestens ausgeschildert, auch mehrere Streckenposten sorgen dafür, dass niemand die falsche Abzweigung nimmt. Ob das noch notwendig ist, ist fraglich, denn das Leimentaler Open Air, das am Wochenende bereits zum 16. Mal stattgefunden hat, ist längst kein Geheimtipp mehr. Das Musikfestival hat mittlerweile einen festen Platz im Oberwiler Jahreskalender – ja gar in jenem des ganzen Leimentals.

Alles eine Spur kleiner

«Ich komme jedes Jahr an beiden Tagen ans LOA», sagt Kim und benutzt wie alle das Akronym («Niemand sagt Leimentaler Open Air!»). Die junge Therwilerin hockt mit ihrer Freundin Lara aus Oberwil 25 Meter vor der Hauptbühne im Gras und wartet auf den Auftritt von Ira May. Die Soulsängerin aus dem Oberbaselbiet ist der bekannteste Name im Line-up am Freitagabend, doch alleine wegen des Musikprogramms sind die wenigsten hier. «Man kommt her, weil man sich kennt und bekannte Leute trifft», erklärt Lara, die an diesem Tag 21 Jahre alt wird. Und Kim gesteht: «Ich habe gar nicht geschaut, wer auftritt, als ich mein Ticket gekauft habe!»

«Beste Stimme der Schweiz»: Ira May.

«Beste Stimme der Schweiz»: Ira May.

Damit ist sie keineswegs die Einzige, denn viele Leute sind vor allem wegen der angenehmen Atmosphäre hier. Natürlich ist am LOA alles eine Spur kleiner als bei einem grossen Festival, «doch es fehlt an nichts», hält Patrick fest. Der 38-jährige Oberwiler lauscht bei einem Bier den Indie-Klängen der Basler Quintetts YAYA und verrät, dass er zum ersten Mal hier sei: «In den vergangenen Jahren kam immer etwas dazwischen. Ich bin froh, dass ich es endlich hierher geschafft habe!»

Dann rückt der Fokus auf Sebbi und Näni: Die beiden, die eine lange LOA-Vergangenheit haben (als Organisatoren und Besucher), sind heuer erstmals als Ansager-Duo im Einsatz. Sie danken YAYA für den «geilen Sound» und bitten die Leute, näher an die Mainstage zu rücken und die «beste Stimme der Schweiz» mit grossem Applaus zu empfangen. Dann betreten Ira May und ihre elf Mitmusiker die Bühne. Ihr Retrosoul mit Funk-, Reggae- und sogar Surf-Anleihen kommt gut an. Die Kinder in den ersten Reihen hüpfen ausgelassen, während die Bewegungen der Erwachsenen etwas sparsamer ausfallen.

Elf Songs, von älteren Stücken wie «Milk & Honey» bis zur neuen Single «Cold», gibt May während des einstündigen Sets zum Besten. Wie das Publikum entspannt sich auch die 32-Jährige im Verlauf des Konzerts immer mehr. Sie lässt sich auf Zwischenrufe ein, macht Sprüche («Den Song ‹Blue Elephants› haben wir schon lange nicht mehr gespielt – er ist trotzdem gut!») und klettert am Ende noch über den Bühnenrand, um einem jungen Fan das Shirt zu signieren.

Mami war früher ein Punk

Die ohnehin schon gute Stimmung ist jetzt noch besser. YAYA bespielen wieder die Sidestage, während sich die Leute den nächsten Drink gönnen. Die meisten kleineren Kinder haben sich mittlerweile mit ihren Eltern auf den Heimweg gemacht, doch der elfjährige Simon und sein vier Jahre jüngerer Bruder Fabrice warten in der ersten Reihe darauf, bis das Saint City Orchestra auf der Hauptbühne loslegt. «Ist schon okay, wir sind Nachtmenschen», beruhigt Fabrice. Ob dieser Aussage muss Mutter Nathalie schmunzeln: «Die zwei haben einfach Glück, dass ihr Mami früher ein ganz wilder Punk war ...»

Das Trio aus Oberwil ist zum dritten Mal am Leimentaler Open Air. Simon betrachtet es als Training: «Ich will unbedingt einmal an ein Tote-Hosen-Konzert!». Da ist der Folk-Punk des Saint City Orchestra bestes Übungsmaterial, die Ostschweizer bringen das Festivalgelände nämlich zum Kochen. «I’m alright, I’m okay», singen sie im Refrain des Openers «I’m Alright». Den Besuchern des Festivals geht es genauso.

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