Graue Wölfe
Keinen Saal gefunden: Erst wurde der Basler Türken-Anlass verboten – jetzt muss er verschoben werden

Am 18. März würde der türkische Kulturverein Basel wieder seine alljährliche Gedenkfeier durchführen – jene, die vor einem Jahr von der Baselbieter Kantonspolizei wegen Angst vor Ausschreitungen verboten worden war. Nicht dieses Mal.

Michael Nittnaus
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2. Version Keine Grauen Wölfe
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Die Polizei markiert sichtbar Präsenz in Reinach - so ist über Stunden ein Polizeiauto mitten auf dem Kreisel zwischen Haupt- und Bruggstrasse postiert. Etliche weitere Fahrzeuge patrouillieren. (Archivbild)
Vor dem Hazal-Saal ist ganztags ein Polizeifahrzeug stationiert. Türkischstämmige Männer aus dem Umfeld der Organisatoren (links) orientieren Festbesucher über die Absage des Anlasses. (Archivbild)
In diesem Saal hätte das Fest der Grauen Wölfe stattfinden sollen. Nachdem die bz den Anlass publik gemacht hatte, verboten die Baselbieter Behörden diesen - auch wegen möglicher Gegendemonstrationen. (Archivbild)

2. Version Keine Grauen Wölfe

Roland Schmid

Dutzende Polizisten standen sich vor einem Jahr in Reinach die Füsse lahm. Sie wurden am 18. März 2017 aufgeboten für den Fall, dass es kracht. Linksautonome Radikale hatten tags zuvor dazu aufgerufen, die Veranstaltung einer «offen faschistischen Gruppierung» zu verhindern. Gemeint war der türkische Kulturverein Basel.

Dieser hatte zusammen mit seinem Dachverband, der Schweizerisch-türkischen Föderation, geplant, eine Feier zum Gedenken an die während des Ersten Weltkriegs bei der Schlacht von Gallipoli gefallenen Soldaten zu veranstalten – so wie jedes Jahr am 18. März. Das Problem: Der Verein lud auch Cemal Cetin, den Präsidenten der Europäisch-türkischen Föderation ein. Die Föderation gehört zu den Grauen Wölfen, den ultranationalistischen Anhängern des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan. Cetin tourte quer durch Europa, um für die umstrittene Verfassungsreform Erdogans zu werben.

Vereinslokale als Anschlags-Ziele

Es krachte nicht an jenem Samstag in Reinach. Die Kantonspolizei Baselland hatte die Gedenkfeier kurzerhand verboten. Cetin und die erwarteten 500 nationalistisch gesinnten Türken kamen nicht zum extra gemieteten Hazal-Saal im Gewerbegebiet Kägen. Und deshalb auch keine Linksautonomen oder radikale Kurden. Gegen das Verbot klagte der Kulturverein. Anfang Februar entschied das Kantonsgericht, dass die Baselbieter Regierung, die sich zuerst geweigert hatte, den Fall inhaltlich beurteilen müsse. Deren Entscheid steht noch aus.

Am Sonntag ist wieder der 18. März. Wieder stünde die Gedenkfeier zur Schlacht von Gallipoli an. Wieder ist die Stimmung zwischen Türken und Kurden aufgeheizt. Wieder wegen Erdogan. Dieser führt unter dem euphemistischen Namen «Operation Olivenzweig» seit Wochen eine militärische Offensive gegen die militante kurdische PKK durch. Doch übermorgen wird es in Reinach kein Polizeiaufgebot brauchen. Und das, obwohl der Nachrichtendienst des Bundes in seinem aktuellen Sicherheitsbericht vor gewaltsamen Zusammenstössen zwischen PKK-Anhängern und Personen aus türkisch-islamistischen Kreisen warnt. Unter anderem stellten explizit türkische Vereinslokale potenzielle Ziele dar. In Deutschland gab es vergangene Woche bereits Anschläge auf türkische Moscheen.

Lauter Absagen von Saal-Vermietern

Was ist anders als 2017? Die bz weiss: Der türkische Kulturverein versuchte wieder, ein grosses Fest zu organisieren, fand aber keinen Saal. Dies bestätigt Anwalt Yetkin Geçer, der den Kulturverein respektive die Schweizerisch-türkische Föderation vertritt. «Der Verein erhielt lauter Absagen», sagt er. Die Gründe dafür kennt Geçer nicht und vom Verein direkt wollte sich gestern niemand äussern. Damit bleibt offen, ob bloss terminliche Probleme bestanden oder ob niemand den in die Schlagzeilen geratenen Verein bei sich haben wollte.

So entschied sich der Verein, auf eine grosse Feier zu verzichten und sich dafür eine knappe Woche später am 24. März im eigenen Vereinslokal der Mevlana Moschee an der Reinacherstrasse in Basel zu treffen. «Die Feier findet jetzt in ganz kleinem Rahmen ohne auswärtige Gäste statt», sagt Geçer. Es sei nun ein reiner Mitgliederanlass. Das bedeutet auch, dass Cemal Cetin seinen Besuch nicht nachholt, was für Entspannung sorgen dürfte.

Interessant: An einem Ort fragte der Kulturverein gar nicht erst an: beim Hazal-Saal in Reinach. Dies sagt Vermieter Sebahattin Yilmaz. Er hätte aber auch abgesagt. Nicht aus Wut, dass sein für jedermann mietbarer Saal damals gleichgesetzt wurde mit dem Kulturverein, Linksautonome die Eingangstüre beschädigten und verschmierten und viele seiner Klienten in der Folge abgewandert seien. Nein, morgen finde eine grosse Hochzeit mit mehreren Hundert Gästen statt, deren Spuren noch bis weit in den Sonntag hinein beseitigt werden müssten. «Ich kümmere mich nicht um Nationalität, Kultur oder Religion meiner Mieter», sagt Yilmaz, «solange alles legal ist und sie pünktlich zahlen.» Kommende Woche feiere übrigens eine kurdische Familie im Hazal-Saal.

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