Bildungspolitik
Keine Fricktaler Schüler mehr im Baselbiet: Dem Gymnasium Muttenz droht die grosse Leere

Fast die Hälfte der Schülerschaft des Gymnasiums Muttenz sind Aargauer. Ihr Wegfall könne aber kompensiert werden, sagt Baselland.

Benjamin Wieland
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Gymnasium Muttenz

Gymnasium Muttenz

Kenneth Nars

Die Nordwestschweizer Kantone wollen ihre Schülerströme entflechten. Grundsätzlich sollen Mittelschülerinnen und Mittelschüler in ihrem Wohnkanton unterrichtet werden – die Aufnahme in einem anderen Kanton wäre künftig die Ausnahme. Am Gymnasium Muttenz droht die grosse Leere: Fast die Hälfte der Schülerschaft stammt aus dem Fricktal. Sie fallen also weg, wenn der Aargau im Fricktal eine neue Mittelschule baut. Ist das fünfte Gymnasium im Baselbiet in Gefahr?

Die Bildungsdirektion des Kantons Baselland zeigt sich zuversichtlich, die Lücke füllen zu können. Sprecherin Fabienne Romanens schreibt auf Anfrage der bz, man begrüsse es sehr, dass der Kanton Aargau einen eigenen Standort für Mittelschülerinnen und -schüler plane. «Denn aufgrund des demografischen Wandels reichen langfristig die Kapazitäten in Basel-Landschaft auch dann nicht aus, wenn die Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal wegbleiben.» Als Bestandteil des Polyfeld-Areals seien am Gymnasium Muttenz bereits bauliche Anpassungen geplant, ergänzt Romanens. «Auch an den Standorten Oberwil und Liestal werden bauliche Massnahmen unumgänglich.»

Zentralisierungspläne wurden aufgegeben

Noch vor drei Jahren tönte es ganz anders. Damals setzte die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) eine Arbeitsgruppe ein, die sich damit auseinandersetzte, wie die fünf Gymnasien neu organisiert werden können. Ein Szenario lautete: Das Gymnasium Muttenz wird bis 2028 geschlossen, stattdessen würden in Muttenz alle vier kantonalen Fachmaturitätsschulen (FMS) zusammengezogen.

Im Fricktal sorgten die Schliessungsideen für Unruhe. Damals stammten 257 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Muttenz aus dem Aargau. Das entsprach 40 Prozent der Schülerschaft. An der FMS Muttenz wurden 46 Fricktalerinnen und Fricktaler unterrichtet. Alternativ hätten die Betroffenen andere Mittelschulen im Baselbiet besuchen müssen – oder aber Schulen in der Stadt. Das wäre laut regionalem Schulabkommen ebenfalls eine Option gewesen.

«Heimkehrer» könnten die entstehende Lücke füllen

Der Anteil der ausserkantonalen Schülerinnen und Schüler hat in den vergangenen Jahren in Muttenz nochmals stark zugenommen. «Gegenwärtig besuchen gegen 400 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 30 Orten des Kantons Aargau das Gymnasium Muttenz», heisst es auf dessen Website.

Ihr Platz in Muttenz wird wohl teilweise auch von Baselbieterinnen und Baselbietern eingenommen, die bislang in Basel untergekommen waren. Das würde wohl auch bedeuten, dass die Gebietszuteilung der fünf Gymnasien im Landkanton neu gedacht werden müsste. Gerade Allschwiler dürften sich aber wahrscheinlich dagegen wehren, nach Muttenz pendeln zu müssen. Teil der Vereinbarung der Erziehungsdirektionen des Bildungsraums Nordwestschweiz: Zuerst werden die Mittelschulen in Basel nicht mehr von Personen aus dem Aargau besucht, die wechseln ins Baselbiet. Später gibt es dann auch für Baselbieter keinen Platz mehr an den Basler Mittelschulen. Bis dann sollte jedoch die neue Schule im Fricktal parat stehen.

Im Baselbiet ist man anhand des starken Schülerwachstums froh, die Zentralisierungspläne für die FMS von 2018 nicht umgesetzt zu haben: «Wie die erreichte Kapazitätsgrenze des einzigen FMS-Standorts in Basel-Stadt nun eindrücklich zeigt», schreibt Fabienne Romanens, «hat sich die Entscheidung für die Weiterentwicklung der bestehenden fünf Mittelschulstandorte, vier davon mit FMS, für den Kanton Baselland bewährt. Eine zentralisierte FMS ermöglicht keine Planungssicherheit bei Über- oder Unterkapazität.»