Kantonsspital Baselland
Kantonsspital wehrt sich gegen Regierungen: Es will kein Pandemiespital beider Basel aufbauen

Am Rande der Präsentation des Jahresergebnisses 2019 erteilt die KSBL-Führung den Überlegungen der Kantone eine Absage, dass das Bruderholzspital bei einer nächsten Pandemie für beide Basel da sein könnte. Der Standort wird wie geplant verkleinert.

Michael Nittnaus
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Obwohl das Bruderholz als Coronaspital viel Lob bekam, möchte das KSBL es bei einer nächsten Pandemie nicht mit Basel teilen.

Obwohl das Bruderholz als Coronaspital viel Lob bekam, möchte das KSBL es bei einer nächsten Pandemie nicht mit Basel teilen.

bz

Madeleine Stöckli zögerte: «Ich weiss nicht, ob ich das jetzt sagen soll», so die Verwaltungsratspräsidentin des Kantonsspitals Baselland (KSBL) bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2019, «aber in Basel-Stadt hat die Bevölkerung nicht erkannt, dass das Universitätsspital das KSBL auch braucht und nicht bloss umgekehrt.» Stöckli setzte also eine Spitze Richtung Stadt, wo immer klarer wird, dass das Unispital das Fusions-Nein vom Februar 2019 wohl schlechter verkraftet hat als das KSBL.

Auch die nackten Zahlen zeigen: Das Kantonsspital hat sich nach einem schlechten Start ins Jahr während der Fusionswirren ab Mai gefangen. Auf den ersten Blick schockiert das Unternehmensergebnis mit einem Verlust von 70 Millionen Franken. Allein 65,7 Millionen davon sind aber vorgezogene Abschreibungen auf Sachanlagen, die im Zuge der Standortstrategie «Fokus» redimensioniert oder abgerissen werden – etwa der Bettenturm des Bruderholzspitals. Ohne diese Sonderfaktoren bleibt ein Verlust von 2,7 Millionen Franken, budgetiert waren 8 Millionen. Die Ebitda-Marge, die zeigt, wie gut ein Unternehmen Investitionen selbst stemmen kann, hat sich im Vergleich zu 2018 auf 5,1 Prozent verdoppelt. Das Eigenkapital stieg von 64 auf 147 Millionen Franken - trotz der 65,7 Millionen an Abschreibungen, die hier verbucht wurden (alle Fakten zum Jahresbericht finden Sie hier). Möglich war dies freilich nur, weil der Landrat bekanntlich ein Darlehen des Kantons von 150 Millionen Franken in Dotationskapital umgewandelt hatte. Aber dennoch: «Das Ergebnis ist ein superstarkes Fundament», sagte Verwaltungsrat Philipp Hammel.

Verkleinertes Bruderholz genüge für Baselland

Und dieses Fundament braucht das KSBL. Denn es will «Fokus» ohne Veränderungen durchziehen, wie Stöckli betonte. Investitionen von rund 400 Millionen Franken fallen in den nächsten Jahren an. Das bedeutet auch, dass die guten Erfahrungen vom Standort Bruderholz als Coronaspital dessen Verkleinerung zu einem Zentrum für Orthopädie, Reha und Altersmedizin mit Notfallstation und deutlich weniger Betten nicht beeinflussen.

Wir planen auch in Zukunft nicht mit einem Pandemiespital für mehrere Kantone.

(Quelle: Madeleine Stöckli, Verwaltungsratspräsidentin Kantonsspital Baselland)

Und das, obwohl der Leiter des Baselbieter Amts für Gesundheit, Jürg Sommer, erst am Montag in der bz sagte, dass man mit Basel-Stadt daran sei, für allfällige nächste Pandemien eine regionale Lösung zu erarbeiten. Der Gedanke liegt nahe, dass das Bruderholzspital die Funktion eines Pandemiespitals beider Basel übernehmen könnte. «Das Problem bei einem Pandemiezentrum sind nicht Beton und Stahl, sondern der Mangel an Fachpersonal», sagte gestern Michael Rolaz dazu. Der Leiter Strategie und Projekte gibt sich zuversichtlich, auch bei einem verkleinerten Standort im Falle einer Pandemie die nötigen Kapazitäten zu schaffen. Eine gewichtige Einschränkung nennt allerdings Stöckli: «Wir planen auch in Zukunft nicht mit einem Pandemiespital für mehrere Kantone.» Der Kanton als Eigner dürfe sich natürlich derartige Überlegungen machen, doch das KSBL verfolge andere Ziele.

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