Spardiktat
Kantonsbibliothek Baselland: Innovation mit Sparzwang im Nacken

Ab 2018 soll die Kantonsbibliothek Baselland 150'000 Franken mehr einnehmen: Das kantonale Spardiktat erfordert Lösungen, die über Gebührenerhöhungen hinaus gehen.

Daniel Haller
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Die Kantonsbibliothek in Liestal kann ihre Gebühren nicht weiter erhöhen, ohne an Kunden zu verlieren. (Symbolbild)

Die Kantonsbibliothek in Liestal kann ihre Gebühren nicht weiter erhöhen, ohne an Kunden zu verlieren. (Symbolbild)

Keystone

Das Versuchskaninchen heisst «Bibliotheksnutzer», das Labor nennt sich «Kantonsbibliothek Baselland» (KBL) und das Experiment dreht sich um die Frage: Wie hoch darf oder muss die Nutzungsgebühr sein, damit möglichst viele Nutzer kommen und doch möglichst viel Geld reinkommt? Ursprünglich hatte die Baselbieter Regierung im laufenden Sparpaket von der Kantonsbibliothek verlangt, sie solle ihre Einnahmen von 400'000 auf 800'000 Franken verdoppeln. Dies hätte allerdings eine Verdoppelung der Nutzungsgebühren nötig gemacht. Dies wollte die Regierung dann doch nicht. «Der Auftrag lautet nun, dass wir ab 2018 zusätzlich 150'000 Franken einnehmen sollen», sagt Kantonsbibliothekar Gerhard Matter.

Spielraum ist ausgereizt

Bisher tragen die Einnahmen der Kantonsbibliothek jährlich 400'000 Franken zum Gesamtbudget von 3 Millionen Franken bei. Wer jünger als 20 Jahre ist, benutzt die KBL gratis, unter 25 Jahren bezahlt man 35 Franken, Erwachsene bezahlen 50 Franken. Dies bringt bei 25'000 Nutzern jährlich knapp 350'000 Franken. Den Rest nimmt die KBL mit anderen Gebühren – etwa für Mahnungen – und den Beiträgen einzelner Gemeinden ein, die keine eigene Bibliothek unterhalten.

«Es gibt praktisch keinen Spielraum für Gebührenerhöhungen», erklärt Matter. 2011 habe die Gebühr für Erwachsene von 35 auf 45 Franken aufgeschlagen, was mit einem besseren Online-Angebot verbunden war. Anderthalb Jahre später sei man aus finanziellen Gründen auf 50 Franken gegangen. «Seither ist die Zahl der Bibliotheksnutzer rückgängig.» Mit anderen Worten: «Die Schmerzgrenze ist erreicht.»

Daraus folgert Matter: «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht durch Gebührenerhöhungen einerseits das Finanzziel verfehlen, weil wir Benutzer verlieren, und andererseits unseren kulturellen Auftrag nicht mehr erfüllen, für die ganze Bevölkerung da zu sein.» Im Klartext: «Gebühren könnte man nur äusserst moderat erhöhen.»

«Fantasie aktivieren»

Wo man die Gebühren nicht mehr substanziell erhöhen kann, müsse man die «Fantasie aktivieren». Derzeit arbeite die KBL-Leitung an anderen Lösungen. Sich in die Karten blicken lassen will Matter nicht, da man am Verhandeln und Entwickeln sei und schliesslich das Konzept von der Regierung genehmigt werden muss. Im Gespräch erwähnt er aber «Fremdmittel». Damit sei nicht Sponsoring gemeint, präzisiert der KBL-Chef: «Sponsoren wollen kulturelle Aktivitäten ermöglichen, nicht Sparbemühungen kompensieren.»

Ebenfalls im Gespräch ist offenbar ein Bibliothekspass, der die Nutzung der Gemeinde- über die Kantons- bis hin zur Uni-Bibliothek ermöglichen würde. Die Nutzung mehrerer Bibliotheken würde für den Kunden sowohl administrativ einfacher als auch kostengünstiger, als wenn Nutzungsgebühren der einzelnen Bibliotheken berappen müsste. «Der Bibliothekspass müsste so attraktiv sein, dass er zahlreiche Käufer findet und neue Bibliotheksnutzer generiert», erklärt Matter. Fazit: Die Überlegungen in der KBL gehen dahin, durch mehr Attraktivität die geforderten zusätzlichen Einnahmen zu erzielen, und nicht durch Drehen an der Gebührenschraube.

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