Hemmiken
Kanton hält gegen die Berichterstattung zum Hof Maiberg – grosse Fragezeichen bleiben bestehen

Das kantonale Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (VGD) kritisierte die Tierhaltung auf dem Hof von Bauer Suter. Ein bz-Artikel, der dieses Thema behandelte, sorgte darauf für Wirbel. Das VGD hält nun mit einer Stellungnahme dagegen.

Andreas Hirsbrunner
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3. Version Fall Hof Maiberg in Hemmiken
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Der Bauer Alfred Suter kämpfte an vielen Fronten.

3. Version Fall Hof Maiberg in Hemmiken

Kenneth Nars

Die bz-Berichterstattung sorgte für Wirbel: Vor einer Woche schrieb die bz unter dem Titel «Mit Task Force gegen Landwirt» über die Gründung einer Task Force durch die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD). Damit will diese den «Tierschutzfall Hof Maiberg» in Hemmiken lösen, wie sie mitteilte. Die VGD stört sich an diversen Punkten im Artikel und hält mit einer Stellungnahme dagegen. Wir drucken diese nachstehend ab. Da in der Angelegenheit alles andere als Einigkeit besteht, gehen wir nochmals auf die wichtigsten Konfliktpunkte ein.

Die VGD hält grundsätzlich fest, dass die Task Force nicht gegen den Landwirt eingesetzt worden sei, sondern für das Tierwohl und um die Existenz des Landwirts, respektive seines Betriebs, zu sichern. Dies unter der Gewährleistung des Tierschutzes, entsprechend den gesetzlichen Vorschriften.

«Rind war schon vorher verletzt»

Zum Ablauf der Kontrolle durch das kantonale Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) im letzten November auf dem Hof Maiberg schreibt die VGD: «Die Nachkontrolle fand aufgrund festgestellter Mängel im Frühjahr 2017 statt. Von einer ‹tumultuösen› Inspektion kann keine Rede sein, die Kontrolle hat in üblicher ruhiger Art und Weise stattgefunden. Das fragliche Rind hatte bereits am Bein geblutet, bevor die Kontrollpersonen den Stall betraten. Der genaue Zeitpunkt und die Ursache der Verletzung entziehen sich der Kenntnis des ALV. Der Landwirt wurde angewiesen, das Rind zu behandeln und gegebenenfalls durch seinen Tierarzt versorgen zu lassen.»

Zu den Vorkommnissen rund um die Obduktion des Rinds meint die VGD: «Es trifft nicht zu, dass der Tierkadaver im Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich ‹auf Wunsch des Kantonstierarztes entsorgt worden ist›. Der Kantonstierarzt wollte Zusatzuntersuchungen an dem Tier vornehmen lassen. Zu diesem Zeitpunkt war das Tier aber schon seziert, die inneren Organe bereits entsorgt und das Zellmaterial so stark zersetzt, dass weitere Untersuchungen nicht mehr möglich waren. Deshalb stimmte der Kantonstierarzt der Entsorgung zu. Die Initiative zur Entsorgung ging vom Institut aus.
Diese Sachverhalte werden gegenwärtig vom Kantonsgericht und von der Staatsanwaltschaft abgeklärt und beurteilt. Dies wird von der Task Force ausdrücklich begrüsst.»

«Rind verletzte sich bei Kontrolle»

Bei allen Kontroversen gibt es in der Causa Tierschutz auf dem Hof Maiberg von Alfred Suter auch Unbestrittenes. Das betrifft den Auftakt zur laufenden Auseinandersetzung: Im vergangenen März kontrollierte das ALV Suters Hof und bemängelte mehrere Punkte in Sachen Tierhaltung und Hygiene; zwei Kühe mussten eingeschläfert werden. Suter bestritt das nicht und erklärte die Mängel vor allem mit einer schweren Grippe, die ihn so geschwächt hatte, dass er mit der Hofbewirtschaftung vorübergehend überfordert war. Suter stellte auf Vermittlung des Bauernverbands einen Mitarbeiter ein und beantragte beim ALV drei Nachkontrollen.

Insgesamt kontrollierte das ALV den Hof zwischen März und November schliesslich 14 Mal, wobei die letzte Kontrolle von Mitte November die umstrittenste war. In der Strafanzeige von Suters Anwalt Caspar Zellweger gegen den Kantonstierarzt und zwei seiner Mitarbeiter wird sie so beschrieben: «Die beiden kontrollierenden Tierärzte sind so rüde mit der sich im Laufstall befindlichen Herde umgegangen (lautes Rufen, hektische Bewegungen, Fotografieren mit Blitzlicht, Aufscheuchen liegender Kühe), dass es wiederholt zu einer Panik gekommen ist, in deren Verlauf mehrere Rinder und Kühe gestürzt sind. Ein Rind hat sich dabei eine sehr starke Blutung am Bein zugezogen, um die sich die beiden Tierärzte nicht gekümmert haben.» VGD und Bauer widersprechen sich also diametral.

Schlechter oder guter Zustand?

Dieses Rind ist wenige Stunden danach gestorben, und Suter liess es via seine Tierärztin zur Obduktion an das Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich schicken. Das Tier wurde noch am gleichen Tag seziert. Am Tag darauf gelangte Kantonstierarzt Thomas Bürge an die Uni mit der Bitte um «Zusatzabklärungen zum Pathologiebericht». In den nächsten Tagen verlangten Bürge und eine Mitarbeiterin zweimal Zusatzinformationen respektive einen Zusatztest. Die Institutsleitung, die fälschlicherweise davon ausging, dass ALV und Suters Tierärztin zusammenarbeiteten, fragte sechs Tage nach der Einlieferung des Kadavers beim Kantonstierarzt an, ob der tote Tierkörper entsorgt werden könne. Bürge gab grünes Licht, obwohl er nicht Auftraggeber war. Als der Irrtum klar wurde, entschuldigte sich die Uni bei Suters Tierärztin.

Verwirrend ist auch, dass die beiden Tierärzte des Kantons bei der Stallkontrolle eine lange Mängelliste erstellten, was welchem Tier fehle. Als Suters Tierärztin drei Tage darauf die betreffenden Tiere untersuchte, kam sie zu viel harmloseren Befunden. So wurde beispielsweise aus einem Tier mit «einem offenen Abszess am Nacken und stark reduziertem Allgemeinzustand» ein Tier, dessen Abszess «problemlos behandelt werden konnte» und dessen «Allgemeinzustand ohne weitere Auffälligkeiten» war. Auffallend ist auch, dass das laut ALV schon vor der Kontrolle blutende Rind nicht auf der Mängelliste aufgeführt wurde. Unter dem Strich ist es so, wie die VGD schreibt: Eine Beurteilung durch Staatsanwaltschaft und Gericht ist begrüssenswert.

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