Buckten
Jörg Schneider: «Buckten ist einer meiner liebsten Orte für Abstecher»

Volksschauspieler Jörg Schneider tritt während seiner Abschiedstournee im Oberbaselbiet auf. Buckten sei für ihn «ein irrsinnig guter Ort». Die Aufführung fände dort in einem einfachen Saal mit einer simplen Bühne statt.

Simon Tschopp
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«Ich habe noch gar keine sentimentalen Abschiedsgefühle», verrät der populäre Zürcher Volksschauspieler Jörg Schneider.zvg

«Ich habe noch gar keine sentimentalen Abschiedsgefühle», verrät der populäre Zürcher Volksschauspieler Jörg Schneider.zvg

Zur Verfügung gestellt

Jörg Schneider, nach Jahrzehnten als Volksschauspieler befinden Sie sich auf Abschiedstournee. Wie ist Ihnen zumute?

Jörg Schneider: Die Tournee ist ein schöner Erfolg. Die Leute sind begeistert von diesem Stück. Ich kann mehr als zufrieden sein. Meine Abschiedstournee erstreckt sich über zwei Spielzeiten. Aber ich habe nie gesagt, ich spiele nie mehr Theater. Ich habe bloss gesagt, dass ich keine grosse Tournee mehr machen und nicht mehr selber produzieren werde. Es kann sein, dass ich auch nach meiner Abschiedstournee hin und wieder auf der Bühne stehe, wenn mich ein Regisseur oder ein Produzent anfragt. Deshalb habe ich noch gar keine sentimentalen Abschiedsgefühle.

Ihr Ensemble spielt die Komödie «Häppi Änd», eine Dialektbearbeitung von Ihnen. Ist angesichts dieser Abschiedstournee der Titel gewollt oder zufällig?

Das Stück heisst im Original «Blickwechsel». Dies ist aber kein sehr guter Titel. Wir suchten nach einem besseren. Weil diese Komödie gut endet und auch im Filmmilieu spielt, meinen wir, dass «Häppi Änd» gut passt. Dass der Titel nun zusammen mit meiner Abschiedstournee auch noch aktuell ist, hat sich dann ergeben.

Ihre ganze Karriere war doch ausschliesslich «häppi», oder?

Mehr oder weniger schon. Ich muss mehr als zufrieden sein.

Am kommenden Samstag treten Sie mit einem Gastspiel in Buckten auf. Spielen Sie gerne im Baselbiet?

Buckten ist ein irrsinnig guter Ort – ein ganz tolles Publikum. Ich habe immer das Gefühl, es kämen mehr Leute in die Halle, als es Einwohner hat in diesem kleinen Dorf. Buckten ist einer meiner liebsten Orte für Abstecher, obwohl es dort ein ziemlich einfacher Saal ist mit einer simplen Bühne. Aber wir spielen sehr gerne dort. Auch die Stadtbasler sind ein sehr gutes Publikum.

Gastierten Sie schon oft in Buckten?

Etwa zwanzigmal im Lauf der vielen Jahre.

Darf man angesichts Ihrer Abschiedstournee einen besonderen Jörg Schneider erwarten?

Nein. Insofern ein wenig anders, weil es kein Schwank, sondern eine Komödie ist, die Tiefgang hat. Es gibt auch ernstere Szenen. Ich habe eine Rolle, mit der ich alle meine Begabungen ausspielen kann. Ich gebe mir stets Mühe, aus einer Rolle das Beste zu machen. Einen besonderen Jörg Schneider kann man also nicht erwarten, aber einen Jörg Schneider, der für einmal seine ernstere Seite zeigt.

Mit Ihrem Gastspiel gehen Sie in Dörfer hinaus zu den Leuten. Erreichen Sie damit ein anderes Publikum als auf bekannten Bühnen in Städten?

Das habe ich noch nie genau untersucht. Es gibt aber schon gewisse Unterschiede zwischen dem Landpublikum und dem Stadtpublikum, das sich Theater ein bisschen gewohnter ist. Bezogen auf die Reaktionen und den Erfolg, den wir haben, besteht kein grosser Unterschied. In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, Leute ins Theater zu locken, weil das Fernsehangebot so gross und so vielseitig ist. Hoch erfreulich ist hingegen, dass es in Gemeinden wieder vermehrt Theatergesellschaften oder Dramatische Vereine gibt, die selber Theater spielen und so Leute zu sich holen. Dies verstehe ich nicht als Konkurrenz zu uns. Ganz im Gegenteil: Ich finde es gut, wenn die Leute etwas anschauen gehen und nicht zu Hause sitzen, was natürlich bequemer und letztlich auch noch billiger ist.

Sind Baselbieter spezielle Zuschauerinnen und Zuschauer?

Das kann man so nicht sagen.

Anders als die Emmentalerinnen oder die Entlebucher?

Man kann die Schweizer nicht prinzipiell werten. Die Basler sind vielleicht schneller in ihren Reaktionen als die Berner.

Wie schaffen Sie mit Ihren bald 79 Jahren eine derartig lange Tournee mit Dutzenden von Aufführungen?

Das kostet sehr viel Substanz. Es ist sehr, sehr anstrengend. Ich lebe relativ solid, gesund darf ich nicht sagen (lacht). Sonst müsste ich mich anders ernähren. Aber ich trinke sehr wenig, rauche nicht, treibe keinen Sport. Ich habe natürlich Kollegen, die mir sehr viel helfen. Das ist ganz wichtig, wie auch das persönliche Umfeld. Ein Ensemble muss eine Einheit sein. Man kann auch mal Auseinandersetzungen haben. Letztlich müssen jedoch alle am gleichen Strick ziehen. Man muss sich mögen, sonst ist es eher eine Qual als eine Freude.

Ihre Karriere als Dialektschauspieler ist beispiellos. Man kennt Sie überall, für die Kinder sind Sie der «Kasperli». Wenn Sie Ihre Karriere in einem Satz beschreiben müssten, wie würde dieser lauten?

(überlegt) Ich hatte das grosse Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ich habe eine gewisse Begabung und eine gewisse Erfahrung in diesem Beruf; und das Publikum mag mich, Gott sei Dank!

«Häppi Änd» Samstag, 11. Januar, in Buckten (20 Uhr, Mehrzweckhalle).