Versteigerung
In Münchenstein gabs den Ferrari Testarossa für läppische 37'000 Franken

Unscheinbare Männer trafen sich in einer unscheinbaren Münchensteiner Garage, um bei den Ferraris und Maseratis um die Wette zu bieten. Die Superautos eines bankrotten Autoliebhabers wurden zum Teil zu Schnäppchenpreisen verscherbelt.

Leif Simonsen
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Ein Schnäppchen erster Güte:

Ein Schnäppchen erster Güte:

bz Basellandschaftliche Zeitung

Ein Hauch von Mafia-Romantik legt sich am Freitag um halb zwei über die Dammstrasse 34 in Münchenstein. Eine halbe Stunde vor der Versteigerung sammeln sich Händler ein, Autofreaks und Schaulustige.

Mit dabei: Hunderttausende Franken – in bar. So ist das bei betreibungsamtlichen Steigerungen. Hier muss sofort bezahlt werden. Normalerweise ist es auch Kleinkram, der bei solchen Versteigerungen unter den Hammer kommt. Der Leiter des Betreibungsamts, Peter Brodbeck, sagt, dass man solche Edelkarossen noch nie gehabt habe: «Hoffen wir auf tolle Angebote.»

Applaus für den Schnäppchenjäger

Um halb drei ist die Auktion vorbei, Brodbeck ist ernüchtert. Die Steigerung war zur Schnäppchenjagd verkommen. Der Ferrari Testarossa war trotz seiner über 300 Kilometer pro Stunde nicht aus den Startlöchern gekommen. Schon beim Mindestgebot von 20'000 Franken machte sich Stille breit, «einundzwanzig» rief dann einer, «siebenundzwanzig» der Nächste und «siebenunddreissig» der Letzte. «Zum Ersten, zum Zweiten, zum ... Dritten», zögerte Brodbeck noch vor dem Zuschlag, doch er konnte es nicht mehr abwenden, dass der italienische Klassiker für läppische 37'000 seinen Besitzer wechselte.

Applaus gabs derweil für den Schnäppchenjäger, der gleich im Nebenraum zur Kasse gebeten wurde. Ihm schien der Testarossa indes nicht zu reichen. Kaum war der Mittvierziger schuldenfrei, mischte er sich wieder unter die Mitbietenden.

66'000 Franken für einen Maserati Spyder

«Es ist der Gleiche wie vorhin», tuschelte man, als Brodbeck das Zwischengebot für den Ferrari Berlinetta entgegennahm. «Fünfzig» hatte der Testarossa-Besitzer gerufen, «siebenundfünfzig» ein anderer. Doch in Sachen Ferrari war an ihm offenbar kein Vorbeikommen: Nach seinem letzten Gebot kramte er weitere 62000 aus seinem Geldbeutel – bei einem Schätzwert von 100000 Franken vermochte auch diese Runde den Auktionator nicht zu erwärmen.

Nun hatte sich das Feld der ernsthaft Mitbietenden nochmals verkleinert: Der Herr mit dem Testarossa und dem Berlinetta beobachtete nur noch genüsslich und überliess den blauen Maserati Spyder der Konkurrenz: Brodbeck musste auch hier schon früher als erhofft «zum Dritten» rufen: bei 66'000 – auch das bei einem Schätzwert von 100'000 Franken.

In Würde von Autos verabschiedet

«Ja, es tut schon weh», sagte Brodbeck, zumal er den Betriebenen am Morgen noch gesehen habe. «Er hatte Tränen in den Augen und hat sich in Würde von seinen Autos verabschiedet.» Ein Bekannter des bankrotten Geschäftsmanns verrät: «Mein Kollege stand mit 900'000 Franken in der Kreide. Dass er sich von seinen geliebten Autos trennt, zeigt, dass es wirklich keine andere Möglichkeit gab.»

Sein Nachfolger, so vermuteten die Besucher der Auto-Auktion, werde mit seinen neuen Sportschlitten ein ganz und gar unpersönliches Verhältnis eingehen. «Es war nur ein Zwischenhändler», will einer der Besucher in Erfahrung gebracht haben. Der neue Ferrari-Besitzer selbst war schon über alle Berge, ehe er dazu befragt werden konnte.

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