Titterten
Im diskutierfreudigen Titterten hagelt es Rücktritte von Behördenmitgliedern

Titterten galt immer zu den Mustergemeinden mit hoher Diskussionskultur, wo auch die Besetzung öffentlicher Ämter in der Regel keine Mühe bereitete. Doch jetzt sorgen die neusten Gemeindeblätter für Gesprächsstoff.

Andreas Hirsbrunner
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Landschaftlich ist Titterten ein kleines Paradies, politisch geht es derzeit weniger paradiesisch zu und her.

Landschaftlich ist Titterten ein kleines Paradies, politisch geht es derzeit weniger paradiesisch zu und her.

Juri Junkov

Es gab in jüngerer Vergangenheit immer wieder Mais in diversen Baselbieter Dörfern, so etwa in Hersberg, Zunzgen oder Thürnen. Titterten aber zählte immer zu den Mustergemeinden mit hoher Diskussionskultur, wo auch die Besetzung öffentlicher Ämter in der Regel keine Mühe bereitete. Und jetzt das: In den beiden neusten Gemeindeblättern namens «Schnitz Post» hagelt es Rücktritte und Vorwürfe.

Im Dezemberblatt bedauerte der Titterter Gemeinderat den sofortigen Rücktritt seines Kollegen Thomas Moor per 4. Dezember. Ein paar Seiten weiter hinten rechtfertigte Moor seinen abrupten Schritt nur etwas mehr als ein Jahr nach Amtsantritt mit «wachsendem Misstrauen aus der Bevölkerung gegenüber dem Gemeinderat» und dem «immer schärfer werdenden Ton gewisser Menschen in Titterten».

In der aktuellen «Schnitz Post», die in die Haushalte verteilt worden ist, begründet die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) ihren bereits Mitte Monat durchgesickerten, kollektiven Rücktritt. Dabei zeigt sie auf den Gemeinderat, dessen «Informationsvermittlung nicht ausreichend transparent und sehr selektiv war». Die Kommunikationskultur sei «wenig förderlich», die Kritikfähigkeit «sehr gering» und die jüngsten Gespräche mit Gemeinderat und Gemeindeverwalterin seien «sehr emotional geprägt» gewesen.

RGPK-Präsident Beat Schweizer ergänzt auf Nachfrage, dass vor allem die Budget-Sitzungen im Spätherbst einen nach dem andern in der vierköpfigen RGPK zum Rücktritt veranlasst hätten. «Wir können unsere Kontrollfunktion als RGPK und somit die Verantwortung gegenüber den Einwohnern nicht mehr wahrnehmen, wenn wir vom Gemeinderat auf unsere Fragen keine sachlich umfassenden Antworten erhalten.» Es sei bei den Kontroversen nicht um die grossen Budgetposten gegangen, sondern um solche in der Höhe von 10'000 bis 20'000 Franken, die nicht von der Versammlung abgesegnet werden müssen. Konkrete Beispiele will er wegen des Amtsgeheimnisses keine machen.

«Gemeinderat sagt, wos lang geht»

Auch kritisiert Beat Schweizer den Ablauf der letzten Gemeindeversammlung vom 11. Dezember, als er dem gemeinderätlichen Trinkwasser-Ausbauprojekt als Einwohner ein eigenes gegenüberstellte. Dass er sein Projekt als erster habe vorstellen müssen, sei rechtlich nicht korrekt gewesen. Und selbstkritisch fügt er bei, dass er sich nicht darauf hätte einlassen dürfen. Das Ganze zeige aber die allgemeine Grundhaltung des Gemeinderats: «Er sagt, was geht. Die andern sollen sich danach richten.»

Auch der angeschossene Gemeindepräsident Heinrich Schweizer rechtfertigt sich im neusten Gemeindeblatt. Er zeigt ein gewisses Verständnis für die RGPK-Kritik, schiebt aber etwas nebulös nach, dass der Gemeinderat nicht jeder Kritik und Anregung Folge leisten, sondern Prioritäten setzen und Interessen abwägen müsse. Im Gespräch mit der bz fügt er bei: «Die Kommunikation ist nicht optimal. Aber es gibt nicht eigentlich böses Blut, sondern es sind kleine Sachen, an denen wir uns kratzen.»

Auf Wunsch macht er ein Beispiel: «Die RGPK stellte beim Budget Fragen zu einzelnen Posten, so etwa zu einem nicht im Detail aufgeführten Betrag zur Renovation des Gemeindeverwaltungsbüros. Die Kommissionsmitglieder wollten in einem vorwurfsvollen Ton wissen, ob die neuen Schreibtische wirklich nötig seien. Wir mussten uns rechtfertigen und die Stimmung wurde immer emotionaler.»

Elefantenhaut

Heinrich Schweizer meint zur eigenen Reizschwelle, dass er sich in seinen über acht Jahren Gemeindepolitik eine Elefantenhaut zugelegt habe. Und weiter: «Je nach Situation kann aber auch ein Elefant gereizt reagieren.» Die Stimmung im Dorf sieht er dadurch jedoch nicht getrübt. Natürlich habe es an der letzten Gemeindeversammlung heisse Diskussionen ums Wasser und auch einige Unstimmigkeiten gegeben, aber keine Gehässigkeiten. Das Ablaufprozedere habe der Gemeinderat tatsächlich ein bisschen ausgereizt.

Die Frage, ob die Gereiztheiten hüben und drüben verantwortlich sind, dass sich bis jetzt kein Kandidat für die Moor-Ersatzwahl vom 10. Februar gemeldet hat, kann der Gemeindepräsident nicht beantworten. Zum Zustand von Titterten als Ganzem sagt er aber: «Wir haben einen guten Dorfgeist, meinungsbildende Gruppen, viele Diskussionen und aktive Vereine. Von einer Krisensituation kann nicht die Rede sein.»

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