Sterbehilfe
Im Baselbiet gibts ein neues Sterbehilfe-Angebot

Die Biel-Benkemer Ärztin Erika Preisig lanciert ein Modell, das Palliativmedizin und Sterbehilfe kombinieren will. Ihr Angebot soll keine Konkurrenz zu "Exit" oder "Dignitas" sein. Trotzdem ist die Idee umstritten.

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In Biel-Benken können sich Sterbewillige bald helfen lassen.

In Biel-Benken können sich Sterbewillige bald helfen lassen.

Keystone

Im Baselbiet hat eine neue Sterbehilfeorganisation mit umstrittenen Methoden ihre Arbeit aufgenommen: Die Hausärztin Erika Preisig, die in Biel-Benken die Praxis «bym Brunne» führt, ist Gründerin der Stiftung Eternal Spirit. Und diese steht seit Anfang Juli bereit, Sterbewillige beim Suizid zu begleiten. Darüber berichtet die «NZZ am Sonntag».

Erika Preisigs Stiftung ist erst die fünfte Organisation in der Schweiz, die Suizidbegleitungen durchführt. Als Konkurrenz zu bekannten Organisationen wie Dignitas oder Exit will Preisig ihr neues Angebot nicht verstanden wissen – sondern als Ergänzung: «Unsere Idee ist eine andere. Wir bieten sowohl Palliative Care als auch Freitodbegleitung an», sagt die Biel-Benkemerin der «NZZ am Sonntag». Unter Palliative Care versteht man die Behandlung von Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Krankheit und einer begrenzten Lebenserwartung mit dem Ziel, die Lebensqualität bis zum Tod möglichst hoch zu halten.

Fachleute sind skeptisch

Dass Preisig die Palliativmedizin – die Hilfe beim Sterben bietet – mit der Suizidhilfe kombinieren will, halten Fachleute für schwierig: Es sei fraglich, ob sich die beiden Ansätze kombinieren lassen, sagt Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Instituts Dialog Ethik. Sie verweist auf Todkranke, die oft schwankten zwischen dem Wunsch zu sterben und dem Wunsch zu leben und unter eingeschränkter Urteilsfähigkeit leiden. Preisig ist anderer Meinung: Sie betont, dass Lebensqualität und Lebenserhaltung im Vordergrund stünden. «Wir haben kein Bedürfnis, Menschen in den Tod zu begleiten.»

Allerdings könne jemand bei einer schweren Erkrankung an den Punkt kommen, wo er oder sie nicht mehr weiterleben wolle. In dieser Situation will Preisig ihren Patienten beim Freitod zur Seite stehen. Brisant ist zudem, dass Preisig für eine Änderung der Schweizer Ärztegesellschaft FMH plädiert: Heute würde sie gegen die Regeln verstossen, wenn sie einem Tetraplegiker den Freitod ermöglichen würde. Dies hält Preisig für falsch: Ärzte sollen nicht nur terminal Erkrankten Freitodbegleitung anbieten dürfen. (bz)

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