Aesch
Hoffen auf die Kraft der Sonne: Aesch Nord heisst ab sofort Aesch Soleil

Die Verantwortlichen wollen das Gewerbegebiet zu dem Wirtschafts-Hotspot der Region machen. Weiteren Schub soll der neue Name verleihen: Aus Aesch Nord wird deshalb Aesch Soleil. Damit spiele man auch auf das frankophone Flair der Gemeinde an.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Neuer Name, neuer Drive? Aesch Nord wird ab sofort als Aesch Soleil vermarktet. Bei der Wiese ist ein See vorgesehen.
10 Bilder
Die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger und Arealentwickler Hans-Jörg Fankhauser stellen das neue Logo vor.
Aesch will das Gewerbegebiet entwickeln und auch für Wohnnutzungen öffnen. In der Mitte sind Hochhäuser vorgesehen.
Der Zubringer zur A18 ist bereits seit Februar geöffnet.
Das neue Logo wird mit einem roten «A» dargestellt, die untere Linie ist gebogen. Das soll eine Sonne darstellen.
Am Pfingswochenende wurde in Aesch in zahlreichen Briefkästen dieses Flugblatt verteilt. Es betitelt Aesch Nord als Fehlplanung. Marianne Hollinger wird als Dorfkönigin karikiert, die sich ein Denkmal setzen wolle.
Den Planern schwebt vor, dass die Wohn-Hochhäuser begrünt werden.
Am südöstlichen Rand ist ein See vorgesehen.
Hier nochmals die aktuelle Gesamtübersicht.

Neuer Name, neuer Drive? Aesch Nord wird ab sofort als Aesch Soleil vermarktet. Bei der Wiese ist ein See vorgesehen.

aeschnord.ch

Es gäbe wohl bessere Voraussetzungen für die Bekanntgabe eines neuen Namens. Aber die Verantwortlichen ziehen ihren Fahrplan durch, wollen damit zeigen: Die Kritik ist unbegründet. Wir machen weiter.

Am Samstag vor einer Woche wurde in Aesch ein Flugblatt verteilt, in dem die Planungen für Aesch Nord als Fehlkonstrukt bezeichnet werden. Das Vorhaben, das Gewerbegebiet aufzuwerten, sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt, hiess es auf dem Flyer, und es herrschten Filz und Vetternwirtschaft. Die Angesprochenen, die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) und Architekt Hans-Jörg Fankhauser, zeigen sich vom späten Störmanöver unbeeindruckt. Gestern Dienstag machten sie den neuen Namen für Aesch Nord publik, unter dem das Gebiet vermarktet wird: Aesch Soleil.

Ich bin überzeugt, dass der neue Name Aesch Soleil gut zu uns passt.

(Quelle: Marianne Hollinger, Gemeindepräsidentin)

«Ich bin überzeugt, dass Aesch Soleil gut zu uns passt», sagt Hollinger zur bz: «Wir sind Weinbaugemeinde, haben viele Sonnenstunden. Dann weist die französische Bezeichnung darauf hin, dass die Romandie nah ist. Unsere Partnergemeinde ist Porrentruy, auch das Elsass ist gleich um die Ecke.» Aesch Soleil wird zur neuen Dachmarke für die Entwicklungsplanung Aesch Nord, samt Logo: ein rotes «A», bei dem der Querstrich nach unten gebogen ist – das stilisiert eine aufgehende Sonne.

Sechs Fussballfelder als Experimentierfeld

Entworfen hat den neuen Brand Farner Consult im Auftrag von Fankhauser Arealentwicklung und der Gemeinde. Für die Namensfindung veranstalteten die Farner-Werber mit dem Gemeinderat und Vertretern von Vereinen, Verbänden und Parteien mehrere Workshops.

Die Gemeinde hat mit ihrem unternutzten Gewerbegebiet einiges vor. Auf dem Areal, das rund 40 000 Quadratmeter umfasst, sollen bald auch Wohnungen gebaut werden. Zudem sind ein künstlicher See sowie eine Sport- und Eventhalle vorgesehen, der Holzdom. In der Mitte des Geländes erlaubt das städtebauliche Konzept Hochhäuser.

Fankhauser Arealentwicklung, die Firma von Hans-Jörg Fankhauser, sieht Aesch Soleil im Baselbiet auf einem der vordersten Plätze, was die Standortgunst für Unternehmen aus Medizin, Pharma, Technologie und Industrie 4.0 betrifft. «Vier Jahre ist es her, als Marianne Hollinger mich anrief und anfragte, ob wir die Positionierung von Aesch Nord in die Hand nehmen können», sagt Fankhauser. «Seither haben wir erfolgreich eine Zukunftsstrategie erarbeitet, zusammen mit allen Beteiligten.»

Die grossen Landbesitzer werden ihre Areale wohl so entwickeln, dass Quartierpläne vonnöten sind. Das ist für Hollinger ein entscheidender Punkt: «Über die Quartierpläne muss die Gemeindeversammlung entscheiden. Auch hier ist die demokratische Kontrolle gegeben. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger können bei Aesch Soleil mitreden.»

Jetzt geben wir den Grundeigentümern die Chance, die Marke Aesch Soleil zu nutzen.

(Quelle: Hans-Jörg Fankhauser, Arealentwickler)

Das Flugblatt, hinter dem die Gruppe «PlanBasel» steht, hatte der Gemeinde und Fankhauser Arealentwicklung vorgeworfen, sie forcierten mit Aesch Nord die Schaffung von riesigen Büro-Überkapazitäten. Ausserdem würden sich die Nutzungen Arbeiten und Wohnen gegenseitig behindern.

Schon mehrere Interessenten an der Angel

Die Grundsatzentscheide zu Aesch Soleil sind jedoch längst gefällt worden: Die Baselbieter Regierung hat das Gesamtkonzept Ende 2019 genehmigt. Zwei Jahre zuvor hatte die Gemeindeversammlung die Anpassung des kommunalen Richtplans gutgeheissen. Bislang gab die Gemeinde laut Hollinger rund 200000 Franken für die Planungsarbeiten und das Marketing aus.

Hans-Jörg Fankhauser sagt zur bz, es hätten bereits drei Unternehmen aus innovativen Branchen ihr Interesse an einer Ansiedelung angemeldet. Alleine auf dem Areal neben dem vorgesehenen See wolle der Eigentümer 100 Millionen Franken investieren. «Von Fehlplanung kann also keine Rede sein.»