Angedrohte Zwangsräumung
Hilfe in höchster Not: Beinwiler Tierhalter erhält Unterstützung

Dem von Zwangsräumung bedrohten Daniel Quenet aus Beinwil schwappt Solidarität entgegen. Er hätte die Tierhaltung seit Jahren reduzieren müssen.

Dimitri Hofer
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Daniel Quenet mit Eseln auf dem Schemelhof. Für zwei davon hat er einen neuen Halter gefunden.

Daniel Quenet mit Eseln auf dem Schemelhof. Für zwei davon hat er einen neuen Halter gefunden.

Nicole Nars-Zimmer

Die Tiere können nichts dafür, dass ihr Halter bis zum letzten Moment gewartet hat, bis er etwas unternahm. Auf dem Schemelhof oberhalb von Beinwil hält der Pöstler Daniel Quenet rund 30 Kaninchen, 60 Hühner, fünf Esel, ein Pfauenpaar sowie einige Katzen und Hunde. Er züchtet alte Tierrassen und gibt Tieren, um die sich sonst niemand kümmert, ein Obdach.

Der Hof, auf dem sie leben, befindet sich in einer Grundwasserschutzzone. Seit Jahren ringt der Tierliebhaber mit den Behörden, da er die Anzahl Tiere stark senken müsste. Im Frühling erhielt er deshalb vom Eigentümer die Kündigung.

Die Tiere erhalten ein neues Zuhause

Geschehen ist seither nichts, weshalb die Zwangsräumung bevorsteht. Kürzlich nahm Daniel Quenet die Beine in die Hand. Vor einigen Wochen schickte er eine Mail an die regionalen Redaktionen. Mehrere Medien, darunter diese Zeitung, berichteten über das Schicksal des Schwarzbuben, der seit 19 Jahren auf dem Hof lebt.

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten: «Mehrere Personen meldeten sich bei mir, die bereit sind, einige Tiere bei sich aufzunehmen», freut sich Quenet. Aus Zunzgen, aus dem solothurnischen Matzendorf und sogar aus dem Luzernischen habe er Anfragen erhalten.

«Noch habe ich alle Tiere bei mir. Ich werde die Tiere, für die ich ein neues Zuhause gefunden habe, zwischen Weihnachten und Neujahr zu den neuen Haltern fahren.» In einer schwachen Minute habe er einige Kaninchen notgeschlachtet, was er bereue. Er habe vor, den Hof zu verlassen, versichert Quenet. Zu einer Zwangsräumung ist es bisher nicht gekommen.

Regierung forderte eine Reduktion des Tierbestands

Die Behörden forderten den Tierfreund schon viel früher auf, an der Situation etwas zu ändern. Der Schemelhof liegt in einer Grundwasserschutzzone für drei Quellen der Lüsseltaler Wasserversorgung. Die Quellen liegen in der Umgebung des Hofes und versorgen Erschwil, Grindel, Breitenbach, Büsserach und Brislach mit Trinkwasser.

Das Gebiet, auf dem Daniel Quenet seine Tiere hält, befindet sich in einer Schutzzone der Kategorie S2. «Hier gilt ein Bauverbot sowie ein Gülleverbot», sagt Claude Müller, der beim Solothurner Amt für Umwelt für Grundwassernutzungen zuständig ist. «Es ist möglich, dass die Tiere mit den Hufen die Grasnarbe zerstören und so mit Fäkalien belastetes Sickerwasser ins Grundwasser gelangt», erklärt er. Eine Verschmutzung des Grundwassers sei jedoch nicht festgestellt worden.

Selbst die Solothurner Regierung beschäftigte sich mit dem Schemelhof. In einem Regierungsratsbeschluss vom Dezember 2016 heisst es zu den Tieren von Daniel Quenet: «Eine Hobbytierhaltung ist nur mit wenigen Einzeltieren und nur in dem Mass zulässig, als kein flüssiger Hofdünger anfällt und keine Bestandteile der stillzulegenden Hofdüngeranlage beansprucht werden.»

Fall liegt beim Richteramt Dorneck-Thierstein

Stellt sich die Frage, weshalb Quenet die Tierhaltung mit einer grossen Anzahl Tiere aufrechterhielt, obwohl ihm dies Solothurn untersagt hatte. «Das Ganze macht in meinen Augen keinen Sinn. Der Eigentümer darf bedüngen, ich aber nicht», rechtfertigt sich Daniel Quenet. Eigentümer des Schemelhofes ist der in Kleinlützel wohnhafte Daniel Wüthrich. «Es handelt sich um ein Missverständnis», entgegnet dieser. Das Gebiet, in dem er Kühe grasen lasse, liege in der Schutzzone der Kategorie S3. Dort gelte kein Gülleverbot.

Für einige Tiere hat Quenet noch keinen neuen Ort gefunden. Noch sind keine Beamten aufgetaucht, die ihm die Tiere wegnahmen. Eine vom Anwalt des Eigentümers verlangte Räumung bis Mitte November liess er verstreichen. «Wir haben das Richteramt Dorneck-Thierstein eingeschaltet und die gerichtliche Ausweisung beantragt», sagt Anwalt Michael Ritter. Quenet habe nach wie vor Zeit, um zu räumen, bevor das Oberamt die Zwangsräumung zu vollstrecken hätte.

Die Chancen stehen gut, dass es für die Tiere doch noch ein erfreuliches Ende nimmt. Selbst wenn ihr Halter bis zum letzten Moment gewartet hat.