Wenslingen/Rothenfluh
Hier wird Naturschutz mit Begeisterung betrieben

Pro Natura und weitere Naturschutzorganisationen aus der Region führten am Sonntag im Tafeljura zu einigen erfolgreichen Projekten.

Andreas Hirsbrunner
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Regula Waldner zeigt vor dem Erzmatt-Weiher, wie wuchernde Pflanzen im Zaum gehalten werden – per Schiff.

Regula Waldner zeigt vor dem Erzmatt-Weiher, wie wuchernde Pflanzen im Zaum gehalten werden – per Schiff.

Roland Schmid

Die einen arbeiteten, die andern zahlten. Das war grosso modo in den letzten Jahren die Rollenverteilung von Pro Natura Baselland, Verein Erlebnisraum Tafeljura und den lokalen Naturschutzorganisationen von Wenslingen und Rothenfluh einerseits und vom Fonds Landschaft Schweiz (FLS) andererseits. Was aus dieser Zusammenarbeit in der nordöstlichen Ecke des Baselbiets entstanden ist, zeigten am Sonntag die Protagonisten der beteiligten Organisationen drei Dutzend Interessierten auf einer Wanderung durchs Gebiet.

Da ist zum Beispiel das Hintereggbächli in Wenslingen, das für Pro Natura Baselland eine spezielle Rolle spielt: Es war das erste Fliessgewässer, das die Organisation im Rahmen ihres Langzeitprojekts «Gummistiefelland» im Jahr 2007 ausdolte. Es ging dabei zwar nur um 180 Meter, aber der gestrige Augenschein zeigte, dass sich das munter plätschernde Bächlein mit den Pflanzengürteln links und rechts zu einer erstklassigen ökologischen Vernetzungsachse für allerlei Getier entwickelt hat. Pro Natura-Geschäftsführer Urs Chrétien meinte sogar: «Wir haben inzwischen das Gefühl, dass wir zu viel gepflanzt haben.»

Als die Tränen flossen

Andreas Lack vom FLS hingegen wurde am Hintereggbächli schon fast grundsätzlich: «Bachausdolungen sind ökologisch und landschaftlich sehr wertvoll. Landschaften ohne Bäche sind tot.» Aber Bachausdolungen, das spüre er in der ganzen Schweiz, seien nicht einfach, weil es als Partner immer Landwirte brauche, die Land zur Verfügung stellten. Diesbezüglich hatte Pro Natura in Wenslingen ausgesprochenes Glück, denn die jeweiligen Landeigentümer stimmten auch der Ausdolung des Dellenbachs und der Schaffung des Erzmatt-Weihers zu.

Wobei, so erzählte Regula Waldner, Präsidentin des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereins, den Exkursionsteilnehmern schmunzelnd, der Landeigentümer beim Dellenbach die Ausdolungsgelüste zunächst mit einem «kommt nicht infrage» abgeschmettert habe. Als darauf eine der Bittstellerinnen in Tränen ausgebrochen sei, habe er sich erweichen lassen. So viel Wasser wie bei den Tränen floss allerdings kaum je im ausgedolten Dellenbach, denn dieser versiegt, sobald es etwas trockener ist. Deshalb verspottet man ihn im Dorf als «Staubbach». Als Kontrast dazu tauften die Wenslinger den prächtigen Erzmatt-Weiher auf «Bodensee». Dass dieser immer Wasser habe, sei spannend, sagte Chrétien. Denn er befinde sich an einer erhöhten Stelle im eigentlich wasserarmen Tafeljura.

Der FLS hat die mittlerweile 16 Bachausdolungen von Pro Natura im Oberbaselbiet mit 250'000 Franken unterstützt. Insgesamt liess die Organisation seit ihrer Gründung im eidgenössischen Jubeljahr 1991 3,4 Millionen Franken an Baselbieter Natur- und Landschaftsschutzprojekte fliessen. Was nach viel tönt, ist aber nicht so viel im Vergleich zu den 125 Millionen Franken, die der FLS bisher im Ganzen ausgeschüttet hat. Das meiste Geld sei an Projekte in den Alpenkantonen Tessin, Graubünden und Wallis gegangen, sagte Lack.

Hauszwetschgen wieder gefragt

Auch der Verein Erlebnisraum Tafeljura gehört zu den Nutzniessern des FLS-Geldtopfs. Nebst etlichen anderen Projekten hat er damit 700 Hochstammbäume gepflanzt. Für den Absatz eines wesentlichen Teils der Früchte sorgt seit Jahren Dora Meier aus Wenslingen unter dem Label Posamenterprodukte. Ihre Zwetschgenspezialitäten haben inzwischen eine so grosse Fan-Gemeinde und auch Konkurrenten auf den Plan gerufen, dass es fast zuwenig Hauszwetschgen gibt, wie sie am Rande der Führung sagte. Und dies wohlgemerkt, nachdem die Bauern vor zehn Jahren kaum noch Abnehmer für diese traditionelle Baselbieter Frucht fanden.

Ein ganz spezielles Wenslinger Hochstammprojekt stellte Regula Waldner vor: Seit fünf Jahren pflanzen die Lehrer mit den Erstklass-Schülern auf Gemeindeland Apfel- und Birnenbäume. Dabei würden die Lehrer die Pflanzungen auch gleich in den Unterricht einbauen, indem die Schüler etwa die Abstände zwischen den Bäumen vermessen müssten. Die Früchte würden dann zusammen geerntet und in der ortseigenen Mosterei verarbeitet. Und die Namen der offenbar begeistert mitarbeitenden Kinder stehen alle schön auf einer Tafel aufgelistet.

Überhaupt hinterliess die Führung der beiden jubilierenden Organisationen – Pro Natura Baselland ist 50, der FLS 25 Jahre alt – den Eindruck, dass Naturschutz in Wenslingen und Rothenfluh mit einer speziellen Begeisterung betrieben wird.

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