Sissach
Hier tummeln sich Promis in den Schaufenstern

Die Künstlerin Heinke Torpus präsentiert in der Sissacher Begegnungszone Porträts von Bekanntheiten. Sie hat 82 Porträts von lokalen, aber auch internationalen Persönlichkeiten mit Bleistift angefertigt.

Andrea Schäfer
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Porträt vor Porträts: Die Künstlerin Heinke Torpus posiert vor zwei ihrer Werke. Sie zeigen Anita Fetz und Peter Hürlimann. Nicole Nars

Porträt vor Porträts: Die Künstlerin Heinke Torpus posiert vor zwei ihrer Werke. Sie zeigen Anita Fetz und Peter Hürlimann. Nicole Nars

Nicole Nars-Zimmer niz

Die amerikanische First Lady Michelle Obama hat es ausgerechnet ins Reisebüro verschlagen. Der Sissacher Gemeindepräsident Peter Buser kommt neben der Oberbaselbieter Schlagersängerin Sarah-Jane zu hängen, was ihn amüsiert haben soll. Der ehemalige Baselbieter Nationalrat Caspar Baader schaut hinter einem Gestell mit Grusskarten hervor. Auch das gibt wohl zu reden im Dorf.

Bei den Genannten handelt es sich natürlich nicht um die echten Personen – es geht um Bleistift-Porträts der Sissacher Künstlerin Heinke Torpus. Sie sind Teil der Ausstellung «Köpfe aus Sissach und Umgebung», die noch bis Ende Februar im Zentrum von Sissach zu sehen ist. Insgesamt sind 82 Porträts von lokalen, nationalen und internationalen Persönlichkeiten ausgestellt. Verteilt sind sie auf 25 Schaufenster in der Begegnungszone. Zentrum der Ausstellung ist das Café Bistro Cheesmeyer, wo ringsherum an den Wänden ein schmaler Streifen mit sämtlichen Bildern im Kleinformat angebracht ist.

Karikaturen sind «heikle Sache»

Der Stil der Zeichnungen variiert, je nach Person. Einige Zeichnungen sind realistisch – andere sind Karikaturen. «Ich war mutiger bei Leuten, bei denen ich sicher war, dass ich sie nie sehen werde», sagt Torpus mit einem Grinsen. Sie habe auf keinen Fall Leute blossstellen wollen. Das Echo der Porträtierten sei auch überwiegend positiv ausgefallen. Torpus hat nämlich bei den Modellen, die in der Region wohnen, Erlaubnis zum Ausstellen eingeholt, was bei ihr für einigen Nervenkitzel gesorgt habe. «Es ist eine heikle Sache, jemanden zu zeichnen», sagt sie.

Die Frau mit dem ungewohnten Namen wurde in Liestal geboren und wuchs in Ramlinsburg auf, als Tochter von norddeutschen Einwanderern. Seit zwölf Jahren lebt die Fünfzigjährige bereits in Sissach, zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. «Ich fühle mich zu Hause hier», sagt Torpus. «Es hat viele lässige Leute.»

Die Kreativität liegt in der Familie: Ihr Vater ist Architekt, einer der beiden Brüder Videokünstler, der andere Schauspieler. Torpus hatte schon immer Interesse an Kunst, weshalb sie in Bonn Malerei studierte. Dass sie und ihre Geschwister alle im Kunstbereich tätig sind, kann sich Torpus nicht genau erklären. «Ich habe mich schon gefragt, ob es daran liegt, dass wir Secondos sind. Wir gehen gerne auf Leute zu und bringen dabei eine andere Welt mit», sagt sie.

Von Menschen fasziniert

Diese besondere Perspektive und ihr Gespür, einen Menschen über sein Gesicht zu ergründen, sind die Spezialität von Torpus. Sie ist fasziniert vom Motiv Mensch. «Ich habe schon immer gerne porträtiert. Menschen sind einfach am spannendsten für mich», erzählt sie. «Besonders Porträts, weil man im Gesicht einer Person einfach so viel sieht. Da tun sich Welten auf.»

Torpus war schon immer künstlerisch aktiv. Davon leben könne sie aber nicht. So habe sie neben der Kunst immer noch andere Jobs ausgeübt, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie war zum Beispiel als Schwesternhelferin in Spitälern tätig, arbeitete im Frauenhaus in Basel oder gab Zeichnungskurse. Gemeinsam mit ihrem künstlerischen Schaffen haben diese Arbeiten – das ist wenig überraschend – den Kontakt mit Menschen.

Diesen Kontakt sucht sie auch im Rahmen ihrer Ausstellungen. «Ich bringe meine Kunst immer gerne dorthin, wo die Leute sind. Nicht jeder geht gerne in eine Galerie», sagt sie. Von den Geschäften in der Begegnungszone Sissach, die ihre Arbeiten ausstellen, ist Torpus begeistert. Innerhalb von zwei Stunden hätten sie und Jeannette Stadler, die bei der Organisation mithalf, genügend Zusagen beisammen gehabt. «Das spricht natürlich für Sissach», sagt sie. «Die Leute sind sehr offen hier.»

Die Zuordnung der Zeichnungen auf die Geschäfte sei via Losentscheid gefallen. Dabei hätten sich interessante und teils lustige Kombinationen ergeben, zu denen sie selber nie den Mut gehabt hätte, gesteht die Künstlerin selbst. Wie im Fall der Schlagersängerin neben dem Gemeindepräsidenten.

Köpfe aus Sissach und Umgebung. Zeichnungen von Heinke Torpus. Noch bis 28. Februar 2015, Begegnungszone Sissach.