Reformierte Kirche
Herkulesaufgabe für die neue Kirchenpflege: Biel-Benken muss noch zwei Jahre mit Pfarrer Rubeli auskommen

Die neue Kirchenpflege soll Biel-Benkemer Reformierte mit ihrem unbeliebten Pfarrer versöhnen.

Michel Ecklin
Merken
Drucken
Teilen
Viele Kirchenmitglieder werfen ihrem Pfarrer vor, verletzend mit Menschen umzugehen und dominant aufzutreten. Eine Reihe von Angestellten und freiwilligen Mitarbeitern hat deswegen das Handtuch geworfen, unter anderem vor einem Jahr fast die gesamte Kirchenpflege.

Viele Kirchenmitglieder werfen ihrem Pfarrer vor, verletzend mit Menschen umzugehen und dominant aufzutreten. Eine Reihe von Angestellten und freiwilligen Mitarbeitern hat deswegen das Handtuch geworfen, unter anderem vor einem Jahr fast die gesamte Kirchenpflege.

Nicole Nars-Zimmer

Formal ist in der Evangelisch- Reformierten Kirchgemeinde in Biel-Benken ab Anfang 2021 alles in Ordnung: Es gibt nach einem Jahr Unterbruch wieder eine funktionsfähige Kirchenpflege und Pfarrer Nico Rubeli bleibt im Amt. Doch der Streit zwischen den Gläubigen und ihrem Pfarrer schwelt weiter. Ihn zu schlichten, wäre Aufgabe von Markus Fricker gewesen, dem Kurator, den die Kantonalkirche Anfang Jahr als interimistischen Gemeindeleiter eingesetzt hatte. Dieser muss jetzt aber einräumen: «Es ist mir nicht gelungen, mit Rubeli einen konstruktiven Prozess anzuwerfen, um die Probleme gemeinsam zu lösen.» Gegenüber ihm habe sich der Pfarrer immer nur angegriffen gefühlt und eine abwehrende Haltung eingenommen.

Viele Kirchenmitglieder werfen ihrem Pfarrer vor, verletzend mit Menschen umzugehen und dominant aufzutreten. Eine Reihe von Angestellten und freiwilligen Mitarbeitern hat deswegen das Handtuch geworfen, unter anderem vor einem Jahr fast die gesamte Kirchenpflege. Laut Fricker ist das Gemeindeleben derzeit «sehr zurückgefahren». An der Kirchgemeindeversammlung im August sprach eine grosse Mehrheit der über 100 Anwesenden in einer Konsultativabstimmung Rubeli das Vertrauen ab. Dieser ging nur ausweichend und abstrakt auf die Vorwürfe ein.

Gemeinde muss Pfarrer zwei Jahre aushalten

Ende Jahr legt Kurator Fricker die Gemeindeleitung Ende Jahr in die Hände der neu gewählten Kirchenpflege. Die Kirchgemeinde hat keine andere Wahl, als mit ihrem Pfarrer auszukommen – zumindest für die kommenden zwei Jahre. So lange ist Rubeli noch unkündbar angestellt. Keine leichte Aufgabe für den zukünftigen Präsidenten der Kirchenpflege Daniel Jäggi. «Viele Mitglieder sind in Konflikte mit dem Pfarrer geraten und vergrämt worden», sagt er. Die Personen, welche sich ihm vertieft anvertraut hätten, hätten ihn schon einigermassen betroffen gemacht. «Wir wollen nicht zulassen, dass eine Person so viel Einfluss auf die ganze Gemeinde hat, auch wenn der Pfarrer natürlich eine wichtige Rolle spielt und gewisse Rollen nur er spielen kann.»

«Die Kirchgemeinde Biel-Benken ist im Prinzip gut aufgestellt»

Mit Rubeli will Jäggi einen Kompromiss anstreben. Wie dieser aussehen solle, werde die Mehrheit der Kirchenpflege entscheiden. Er macht aber bereits deutlich, dass er von Rubeli Entgegenkommen erwartet: «Ein Pfarrer sollte engagierte Mitglieder der Kirchgemeinde und der Kirchgemeinde nahe stehende Personen fördern und unterstützen, und nicht in quasi ‹trumpscher› Manier fertigmachen.»

Zudem hofft er, dass Rubeli «die Klagen gegen Personen und Institutionen der Gemeinde sofort zurückzieht». Gleichzeitig ist Jäggi optimistisch, denn: «Die Kirchgemeinde Biel-Benken ist im Prinzip gut aufgestellt.» Fricker sieht nach seinem Abgang «eine Chance, einen Neustart zu schaffen». Die neue Kirchenpflege können jetzt klare Erwartungen formulieren und Vereinbarungen festhalten. «Ich hoffe, Pfarrer Rubeli lässt sich darauf ein.»

Beschwerde weitergezogen

Danach sieht es derzeit nicht unbedingt aus. Rubeli hat seine Beschwerde gegen die Kirchgemeindeversammlung vom August weitergezogen, nachdem der Kirchenrat sie abgewiesen hat. Er kritisiert darin eine manipulative und kommentierende Versammlungsführung durch Fricker. Noch Ende November begründete eine Biel-Benkemer Synodenvertreterin ihren Rücktritt unter anderem damit, sie habe «Mühe damit, wie Pfarrer Rubeli sein Amt ausführt».