Hemmiken
Hangrutsch am Wischberg: Aussitzen verkam für Kanton zu teurem Flop

Sondierbohrungen am Wischberg wären schon vor 15 Jahren möglich gewesen – wieso willigen Kanton und Gemeinde also gerade jetzt in die Ursachenforschung ein?

Andreas Hirsbrunner
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Der Hof von Alfred Suter am Hemmiker Wischberg ist durch die überfüllte Deponie oben im Wald gefährdet. Davon zeugen die Risse an den Gebäuden. (Archiv)

Der Hof von Alfred Suter am Hemmiker Wischberg ist durch die überfüllte Deponie oben im Wald gefährdet. Davon zeugen die Risse an den Gebäuden. (Archiv)

Kenneth Nars

Nach eineinhalb Jahrzehnten der Blockade konnte die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) vor ein paar Tagen so etwas wie einen Durchbruch beim Hemmiker Wischberg vermelden: Die beteiligten Parteien, das heisst der Kanton, die Gemeinde Hemmiken und der am Rutschhang lebende Bauer Alfred Suter, haben sich auf Sondierbohrungen in der überfüllten Deponie und dem darunter liegenden Rutschgebiet geeinigt. Die Bohrungen sollen Aufschluss über den Deponieinhalt und die Bodenveränderungen geben. Möglich machte diesen Durchbruch, dass Hemmiken inzwischen eine Risikoversicherung abgeschlossen hat, die allfällige Schäden als Folge der Bohrungen deckt (bz berichtete).

Keine Lust zur Auskunft

Damit ist die Jahre alte Forderung des Bauern Alfred Suter erfüllt, dass er nicht für die Schäden haften muss. Ein naheliegendes Anliegen, dem sich aber bis jetzt Kanton und Gemeinde stets widersetzt haben. Die grosse Frage ist nun: Wieso ist jetzt möglich, was zuvor 15 Jahre lang nicht möglich war und damit teure Rechtsverfahren auslöste, die praktisch alle zugunsten des wehrhaften Bauern ausgingen, und Kanton und Gemeinde eine grosse Portion Glaubwürdigkeit kosteten?

Die Antwort hat leider spekulativen Charakter, weil die, die sie exakt kennen, weiterhin jegliche Information verweigern. So verweist BUD-Sprecher Dieter Leutwyler auf den Runden Tisch zum Wischberg, der Stillschweigen beschlossen habe. Ein Versteck-Spiel, das der Kanton respektive die federführende BUD-Chefin Sabine Pegoraro nun schon seit über vier Jahren betreibt und damit die Öffentlichkeit, die letztlich die Folgekosten der überfüllten Deponie, all die geleisteten Aufwendungen in der Verwaltung und die verlorenen Rechtshändel berappen muss, ausschliesst vom Geschehen.

Und der Hemmiker Gemeindepräsident Alfred Sutter, den beim Namen nur ein zusätzliches «t», ansonsten aber Welten vom Bauern Alfred Suter trennen, meint zur Frage: «Ich habe keine Lust, mich darüber auszulassen. Wir verhandeln mit den andern Parteien, nicht mit den Medien.» Das ist zwar für Sutters Verhältnisse eine ausführliche Antwort, denn normalerweise sagt er «Kein Kommentar» oder hängt sogar das Telefon vorzeitig auf, aber erhellend ist sie auch nicht.

Die andere Seite ist auskunftsfreundlicher. Caspar Zellweger, Suters Anwalt seit der ersten Stunde im Wischberg-Streit, sagt: «Obwohl ich am Runden Tisch immer dabei bin, habe ich keine Ahnung, wieso die Gegenseite gerade jetzt einlenkt.» Er könne sich aber vorstellen, dass sie erkannt habe, dass man diesen Fall nicht mit Aussitzen lösen könne. Das wäre bei einem andern Gegenüber vielleicht gelungen, nicht aber bei Alfred Suter. Und Zellweger ergänzt: «Er ist eine sehr starke Person, die Druck aushalten kann und nicht aufhört zu kämpfen.»

Entspannung nach Chef-Wechsel

Alfred Suter selbst vermutet, dass der Zeitpunkt des Einlenkens auch damit zusammenhängt, dass es an der Spitze der Bürgergemeinde Hemmiken, der die Wischberg-Deponie gehört, zu einem Wechsel gekommen ist und die Gemeinde jetzt nach einem Lösungsweg gesucht habe. Und hörbar erleichtert fügt er an: «Bis jetzt haben sie immer auf meine Person geschossen und gesagt, ich sei schuld für den Rutschhang, weil mein Hof oder die Drainage nicht richtig gebaut sei. Die Sondierbohrungen sind nun eine Entspannung in Richtung Ursachenforschung.»

Selten hat man so gespannt auf die wissenschaftliche Auswertung von Bohrkernen gewartet wie jetzt am Wischberg.

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