Rücktritt
Grünen-Landrat Schoch tritt zurück: «Ich stehe der Partei für eine Regierungs-Kandidatur zur Verfügung»

Der Baselbieter alt Landratspräsident Philipp Schoch beendet seine Parlamentarierkarriere. Der Rücktritt bedeutet zweifellos das Ende einer Ära. Doch markiert er nicht das Ende seiner politischen Karriere.

Leif Simonsen
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Philipp Schoch beim Landratspreesi-Fest 2016. Das Präsidialjahr sei ein Highlight gewesen, sagt er rückblickend.

Philipp Schoch beim Landratspreesi-Fest 2016. Das Präsidialjahr sei ein Highlight gewesen, sagt er rückblickend.

Nicole Nars-Zimmer

Es ist eine Ära, die sich dem Ende neigt. Morgen Donnerstag verliest Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger (EVP) das Rücktrittsschreiben von Philipp Schoch. Der Grünen-Landrat wird ein Jahr vor den Wahlen Stephan Ackermann, dem ehemaligen Einwohnerratspräsidenten von Pratteln, Platz machen. Ende März ist Schluss. Natürlich könne man diesen Rücktritt als Taktik kritisieren, sagt Schoch – schliesslich wird der 44-Jährige wegen der Amtszeitguillotine nächstes Jahr nicht mehr antreten können. «Aber ich denke, mein Leistungsausweis im Landrat war gut genug, dass ich mir das erlauben kann.»

Was unbescheiden klingt, grenzt in Tat und Wahrheit an Understatement. Kaum ein anderer Baselbieter Parlamentarier war in den vergangenen knapp 15 Jahren so einflussreich wie Schoch, der schon früh in der Politik Fuss fasste. 1992 kandidierte er als 19-Jähriger erstmals bei den Prattler Einwohneratswahlen – noch nicht für die Grünen, sondern für den Landesring der Unabhängigen. Vier Jahre später schaffte er es für die Mittepartei ins Ortsparlament. Vor den Landratswahlen 1999 lockte eine gewisse Maya Graf den Jungpolitiker zu den Grünen. Als 29-Jähriger übernahm dieser 2002 das Präsidium der Kantonalpartei.

Unter seiner Leitung legte die Partei im folgenden Jahrzehnt stark zu: von fünf Landratssitzen bei den Wahlen 2003 auf zwölf im Jahr 2011. Seine Zeit als Parteichef wurde gekrönt durch die Wahl des ersten grünen Baselbieter Regierungsrats – Isaac Reber. Auch in seiner parlamentarischen Tätigkeit verfügt der Prattler über einen beachtlichen Leistungsausweis. In der Rolle als Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission drückte der begeisterte Velofahrer mehreren wichtigen Geschäften den Stempel auf. Sein Engagement galt vor allem der Energiepolitik. Schoch selbst, der 2016/17 den Landrat präsidieren durfte, sagt, sein grösster Erfolg sei der 50-Millionen-Kredit für Gebäudesanierungen im Landkanton gewesen.

Bereit für den Regierungsrat

Der Rücktritt bedeutet zweifellos das Ende einer Ära. Doch markiert er nicht das Ende der politischen Karriere. Schoch bleibt weiterhin im Vorstand der Grünen sowie im Wahlkampfteam. Zudem wird er Präsident von Wald beider Basel bleiben. Viele trauen ihm zudem eine Rückkehr auf die grosse Bühne zu. Schoch selbst sagt, auf die bereits geäusserten Regierungsambitionen angesprochen: «Ich stehe der Partei für eine Kandidatur weiter zur Verfügung.» Die Entscheidung liege aber beim derzeitigen Sicherheitsdirektor Isaac Reber.

Wenn der Parteikollege eine Legislatur anhängt, wovon Schoch heute ausgeht, hat es für ihn wohl keinen Platz in der Exekutive. Gleichzeitig sagt er: «Man weiss ja nicht, was passiert, sollte FDP-Regierungsrätin Sabine Pegoraro doch noch vorzeitig zurücktreten.»

Lob der Landratskollegen

Bei den Baselbieter Grünen jedenfalls traut man Schoch vieles zu. «Er kann alles vom nationalen Parlamentarier bis zum Regierungsrat», ist Fraktionschef Klaus Kirchmayr überzeugt. Er attestiert dem Leiter der Notfallabteilung am Kantonsspital Baselland grosses zwischenmenschliches Talent, das gerade in der Milizpolitik von grossem Nutzen sei. «Er ist eine ausgleichende, motivierende und überzeugende Führungspersönlichkeit. In der Politik, wo die Leute freiwillig mitmachen, ist das von entscheidender Bedeutung.» Selbst Landratskollege Jürg Wiedemann bringt Schoch grossen Respekt entgegen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, stellte dieser doch 2015 den Antrag, Wiedemann bei den Grünen rauszuwerfen. Knapp drei Jahre später sind keine Ressentiments auszumachen. Wiedemann, der nach seinem Ausschluss die Splitterpartei der Grünen-Unabhängigen gründete, sieht in Schoch einen engagierten, sehr angenehmen Politiker, der sich nicht allzu schnell ereifere. Darin sieht Wiedemann Parallelen zu sich selber. «Wenn sich jemand aufregt, reagiert er auch meistens mit einem Lächeln.»

Mitarbeit: Daniel Ballmer, Hans-Martin Jermann

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