Integration
«Grüezi, Welcome» leisten kirchlichen Einsatz für Flüchtlinge

In Laufen schlossen sich christliche Institutionen zusammen und gründeten ein Patenprojekt für Flüchtlinge. Freiwillige Betreuer unterstützen als Gotte oder Götti die Ausländer in ihrem neuen Alltag in der Schweiz

Dimitri Hofer
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Sabine Kokontis von der evangelisch-reformierten und Christof Klingenbeck von der römisch-katholischen Kirche spannen für das Flüchtlingsprojekt zusammen.

Sabine Kokontis von der evangelisch-reformierten und Christof Klingenbeck von der römisch-katholischen Kirche spannen für das Flüchtlingsprojekt zusammen.

Martin Toengi

Bei der Nächstenliebe handelt es sich um eine der wichtigsten Grundhaltungen des Christentums. Nicht nur die eigenen Schäfchen sollen Unterstützung erhalten, sondern jeder Hilfsbedürftige. Egal, woher die Person kommt, wie begütert sie ist und woran sie glaubt.

In Laufen besannen sich vier christliche Institutionen auf diesen Leitgedanken. Gemeinsam riefen sie in den vergangenen Monaten ein Patenprojekt für Flüchtlinge ins Leben. Zu den Trägern gehört neben der römisch-katholischen, der evangelisch-reformierten und der christkatholischen Kirchgemeinde auch die evangelische Freikirche Bewegung Plus. Und auch die Gemeinde unterstützt «Grüezi, Welcome» – wie das Projekt völkerübergreifend genannt wurde.

Hilfe für Flüchtlinge

Bereits über 50 Angebote

Am 22. August hat die bz gemeinsam mit der kirchlichen Fachstelle Katholisch bl.bs das Projekt «interaktive Flüchtlingskarte» lanciert. Ziel der Aktion ist es, für Betroffene sowie hilfswillige Private, Vereine oder Organisationen einen Überblick über alle regelmässig stattfindenden Betreuungsangebote für Flüchtlinge in der Region Basel zu schaffen. Diese Woche stellen wir an dieser Stelle ausgewählte Projekte vor. (bos)

Zeigen sich gegenseitig Bräuche

Wie viele andere Ortschaften nahm das Städtchen Laufen zuletzt zahlreiche Flüchtlinge aus Eritrea auf. Aus dem autoritären Staat in Nordostafrika stammen die meisten Asylbewerber in der Schweiz. «Bei Flüchtlingen besteht die Gefahr, dass sie niemals richtig in ihrer neuen Heimat ankommen. Dem möchten wir entgegenwirken», sagt Christof Klingenbeck. Der Diakon und Leiter der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Laufen ist einer der Initianten des Projektes.

Als Freiwilliger betreut er zusammen mit seiner Frau seit rund einem Jahr in Laufen selber eine eritreische Familie. «In der Regel treffen wir uns jede Woche einmal.» Ab und zu komme es auch vor, dass man miteinander telefoniere. «Wir bieten ihnen in den unterschiedlichsten Belangen unsere Hilfe an.» Wichtig ist für ihn die Unterstützung bei sprachlichen Schwierigkeiten. «Die Sprachbarriere hindert viele daran, sich integrieren zu können», erklärt Klingenbeck. Man habe der Familie auch schon gezeigt, wo es in der Region Kleiderbörsen gibt, wieso man eine Krankenkasse braucht und wie die Schweizer Weihnachten feiern. Im Gegenzug lud das junge Ehepaar die Klingenbecks in ihre Wohnung ein und zelebrierte gemeinsam mit ihnen eine traditionelle eritreische Kaffeezeremonie. «Sehr eindrücklich», entfährt es dem Diakon.

Bereits zehn freiwillige Betreuer

Ähnliche Erlebnisse wünscht Klingenbeck den derzeit zehn Freiwilligen, die sich bereit erklärt haben, beim Laufner Projekt mitzumachen. Als Gotte oder Götti übernehmen sie eine Art Patenschaft für Flüchtlinge und treffen sich regelmässig mit ihnen. «Wir achten darauf, dass die Betreuer und die Betreuten zusammenpassen», sagt Regine Kokontis. Die evangelisch-reformierte Pfarrerin freut sich, dass kürzlich die ersten Treffen stattfanden. In knapp zwei Monaten werde man ein erstes Zwischenfazit ziehen. Mitte nächsten Jahres sollen die beiden Partner entscheiden, ob sie den Austausch weiterführen möchten. Zugewiesen werden die Flüchtlinge der Projektgruppe von der Sozialberatung Laufental.

Im Idealfall könne das Patenprojekt in der kommenden Zeit konstant ausgebaut werden und immer neue Begleitungen nach sich ziehen. «In Laufen gibt es verschiedene Integrationsangebote. Dieses Projekt legt den Schwerpunkt auf konkrete Hilfestellungen bei alltäglichen Lebenssituationen», so Kokontis. Die Treffen würden das gegenseitige Verständnis fördern, Ängste abbauen und soziale Beziehungen schaffen. Von den Erfahrungen können beide Seiten profitieren, erklärt die Pfarrerin.

Die Betreuungspersonen in Laufen sind altersmässig durchmischt. Von der Studentin über die Hausfrau bis hin zum Pensionär ist alles dabei. Die Flüchtlinge sind hingegen deutlich homogener: Es sind allesamt junge Menschen aus Eritrea, die ihre Heimat verlassen haben, um hier ein besseres Leben zu finden.

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