Liestal
«Gopfertelli, jetzt gibts auch in Liestal ein Puff»

Der neue Erotik-Klub stört Anwohner und Gewerbe gleichermassen, doch rein rechtlich liess er sich laut kantonalem Bauinspektorat in der Gewerbezone nicht verhindern.

Fabian Muster
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Keystone

Gestern am 11.11. um 11.11 Uhr war es so weit: Nein, es geht diesmal nicht um den offiziellen Fasnachtsbeginn. Die Rede ist vom «History», dem grössten Klub in der Nordwestschweiz mit leicht bekleideten Damen, die an der Hammerstrasse im Liestaler Gewerbegebiet NiederSchönthal erstmals die Männer empfangen haben.

Für Anwohner Martin Lerch ist das eine «Sauerei». «In meinen Augen betreiben sie Frauenhandel, denn die Frauen haben am wenigsten davon.» Auch Anwohnerin Silvia Nussbaum hält den Klub für «grossen Mist», auch wenn sie gewisse Vorteile darin sieht: «Es ist besser, wenn die Männer ins Bordell statt auf den Strassenstrich gehen.»

Passantin Yvonne Stalder, die im benachbarten Frenkendorf wohnt, hat die Neugierde zum neuen Erotik-Klub getrieben. «Gopfertelli», habe sie zu ihrem Mann gesagt, «jetzt gibts auch in Liestal ein Puff.»

Es gab zwei Einsprachen

Weil wohl bald nicht nur der knallrote Ferrari des Klubbetreibers mit Schwyzer Kennzeichen oder der Hummer mit Aargauer Kontrollschildern vorfahren wird, hat Tibor Somlo bei der Bauausschreibung Einsprache erhoben. Der Leiter der benachbarten Praxis-Klinik Ergolz AG hatte Bedenken wegen der möglichen Verkehrs- und Lärmbelastung durch die Zu- und Wegfahrten. Nachdem der Betreiber aber ein Lärmgutachten vorgelegt hatte, hielt Somlo seine Einsprache nicht aufrecht. «Wir kamen zum Schluss, dass der Autoverkehr auf den stationären Spitalbetrieb keinen Einfluss haben wird.»

Für Somlo ist ein solcher Klub sogar «wesentlich angenehmer als ein grosses Restaurant oder eine Disco. Die Männer kommen ja meistens nicht betrunken raus und machen Lärm, sondern möchten möglichst unbemerkt verschwinden.»

Wenig Freude am neuen Betrieb in der Gewerbezone hat jedoch Roland Buser, Inhaber der gegenüberliegenden Garage Auto Schönthal Buser AG. «Er wird das ganze Quartier entwerten», vermutet er. Sorgenfalten bereiten Buser die Klubbesucher, die seine Parkplätze benützen könnten. «Doch wir warten jetzt einmal ab, wie sich die Sache entwickelt.» Einsprache hat er hingegen damals keine gemacht: «Wir wussten gar nicht, was da hinkommt.»

Neben der Klinik Ergolz hat auch die Gemeinde Liestal bei der Bauausschreibung eine Einsprache deponiert. «Der Gemeinde ging es um die Vereinbarkeit des Betriebes mit dem neuen Zonenplan», weiss der stellvertretende kantonale Bauinspektor Roger Becht. Die Gemeinde sah indes keine Schwierigkeiten mit den neuen Vorschriften, und daher hat der Kanton das Baugesuch bewilligt.

Überhaupt: «Zu einer Gewerbezone passt ein Erotik-Betrieb», erklärt Becht, «man hätte ihn baurechtlich gesehen nicht verhindern können.» Auch bei den Parkplätzen ist alles rechtens: «Gemäss den Berechnungen müsste der Betreiber 24 Parkplätze anbieten, insgesamt stehen jedoch 27 Plätze zur Verfügung.»

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