Kloster Schönthal
Gericht macht aus dem Kuhstall eine Kunsthalle

Die Stiftung des Klosters Schönthal will den brach liegenden Melkstall umnutzen. Künftig sollen hier junge Künstler ihre Werke ausstellen. Anwohnern und Naturschützern wehrten sich gegen das Projekt. Das Kantonsgericht schmettert die Beschwerden ab.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
Der Melkstall beim Kloster Schönthal soll künftig für junge Künstler jeweils im Sommer als Ausstellungsraum dienen.

Der Melkstall beim Kloster Schönthal soll künftig für junge Künstler jeweils im Sommer als Ausstellungsraum dienen.

Simon Tschopp

Der Raum war dunkel, muffig und roch eindeutig nach Kuh: Der rund 30 Meter lange und 10 Meter breite Melkstall oberhalb des ehemaligen Klosters Schönthal in Langenbruck ist schon äusserlich keine Schönheit. Innen jedoch ist der Zerfall deutlich sichtbar. Doch der Augenschein des Baselbieter Kantonsgerichtes am Mittwochmorgen galt eher der Umgebung: Ein geteerter Wanderweg mit Fahrverbot führt vom Kloster nach rund 200 Metern bergauf zum Melkstall; einzig landwirtschaftlicher Verkehr zu den umliegenden Höfen ist hier zugelassen.

Streitpunkt war ein neues Projekt der Klosterstiftung: Der Melkstall soll künftig für junge Künstler jeweils im Sommer als Ausstellungsraum dienen. Strom, Wasser und Parkplätze gibt es nicht, einzig zu Fuss sollen die Besucher zu den Werken gelangen können. Seit über acht Jahren dient er auch nicht mehr als Melkstall, sondern nur noch als Unterstand für Maschinen der Landwirtschaft. Den heutigen Tierschutzvorschriften entspricht er sowieso nicht mehr. Ein Fenster auf der Nordseite soll ein wenig Licht in den Raum bringen.

«Der Stall ist ein wunderschönes Baudenkmal», schwärmte Stiftungsratspräsident John Schmid später in Liestal im Gerichtssaal. Auf Fragen der Richter zum geplanten Umbau betonte er, es werde bloss geputzt, gestrichen und ein Holzboden verlegt. «Es soll ein Stall bleiben, und es darf auch so riechen. Es hat sowieso ein Güllenloch in der Nähe, damit müssen die Künstler auskommen», so Schmid.

Doch das Projekt hat Gegner: Besitzer einer nahegelegenen Parzelle fürchten die permanente Ausweitung des Skulpturenpfads, und auch die Kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK) erhob Beschwerde gegen die Zweckänderung. Mit der Umnutzung werde eine Ausweitung des Skulpturenparks angestrebt. Man müsse nun endlich andere Lösungen finden, als dauernd für die Klosterstiftung Ausnahmegenehmigungen in der Landwirtschaftszone auszustellen, monierte Susanne Brêchet von der NLK.

Fussgänger kein Mehrverkehr

Das Gericht hatte dafür kein Gehör. So meinte Kantonsrichter Niklaus Ruckstuhl, die Parzelle der Nachbarn liege rund 280 Meter entfernt: Von räumlicher Nähe könne man nicht mehr sprechen, und deshalb seien sie gar nicht zur Beschwerde legitimiert. Die anderen Richter schlossen sich dieser Meinung an. Die NLK hingegen war zur Beschwerde legitimiert, doch überzeugten die inhaltlichen Argumente die fünf Richter nicht: Es gäbe keine neuen Parkplätze, auf dem Wanderweg herrsche sowieso Fahrverbot und mehr Fussgänger würden im Umweltrecht nicht als Mehrverkehr gelten. «Sonst müsste man sämtliche Naturpärke für Wanderer schliessen», stellte Kantonsrichter Christian Haidlauf fest.

Auch Kantonsrichter Claude Jeanneret rechnete vor, die bisherigen 7000 Besucher pro Jahr der Stiftung entsprächen rund 20 Besuchern pro Tag. «Würde man das Gebäude als Melkstall benutzen, wären mehr Einwirkungen auf die Umwelt vorhanden». Das Kantonsgericht wies die Beschwerde einstimmig ab, allerdings ist noch ein Weiterzug ans Bundesgericht möglich.

Klosterstiftung hat viele Feinde

Am Rande der Verhandlung wurde offensichtlich, dass die Stiftung Kloster Schönthal bereits einigen Goodwill verspielt hat: Laut dem Anwalt der Nachbarn befinden sich derzeit bereits fünf Skulpturen ausserhalb des ursprünglich bewilligten Ausnahmegebiets und sind damit illegal erstellt worden. Wenn Auflagen nicht eingehalten werden, müsse man eben Anzeige erstatten, entgegneten die Richter lapidar.

Aktuelle Nachrichten