Interview
Geograf Nikolaus Kuhn: «Warum sollte es kein Leben auf dem Mars gegeben haben?»

Nikolaus Kuhn ist Professor für physische Geografie an der Universität Basel. Er hat bereits mehrere Projekte über den Mars und dessen Gesteine abgeschlossen. Sein Team unterstützt nun andere europäische Forschungsgruppen, die an der ExoMars-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA und deren russischem Pendant Roskosmos beteiligt sind.

Jocelyn Daloz
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Der Geograf Nikolaus Kuhn von der Universität Basel ist Teil des Wissenschaftsteams, das das Rover-Kamerasystem «Clupi» betreut. Kuhn präsentierte im März 2018 ein Rover-Modell mit dem Kamerasystem im Rahmen von Tests am Technologie-Zentrum in Witterswil. (Archivbild)

Der Geograf Nikolaus Kuhn von der Universität Basel ist Teil des Wissenschaftsteams, das das Rover-Kamerasystem «Clupi» betreut. Kuhn präsentierte im März 2018 ein Rover-Modell mit dem Kamerasystem im Rahmen von Tests am Technologie-Zentrum in Witterswil. (Archivbild)

KEYSTONE/PATRICK STRAUB

Nikolaus Kuhn, weshalb soll es mal Leben auf dem Mars gegeben haben?

Nikolaus Kuhn: Die Frage sollte eigentlich heissen: Warum sollte es kein Leben auf dem Mars gegeben haben? Denn in der Tat herrschten dort über mehrere hundert Millionen Jahre hinweg erdähnliche Zustände, die es hätten ermöglichen können.

Was für Verhältnisse sind denn nötig?

Es muss über lange Zeit flüssiges Wasser vorhanden sein. Frühere Mars-Missionen wie Marsrover Curiosity der NASA haben nachgewiesen, dass es über eine genügende Zeitspanne Ozeane und Flüsse gegeben hat, die das Entstehen von Leben hätten ermöglichen können. Das allein genügt aber nicht: Es ist auch vom Rest der Umwelt abhängig: Gibt es eine Atmosphäre? Ist der Säuregehalt des Wassers günstig? Diese Fragen konnten wir alle klären. Nun müssen wir konkrete Zeichen finden, dass sich Leben entwickelt hat.

Was hofft man denn zu finden?

Im Gestein erhaltene Substanzen, die nur von Mikro-Organismen hätten produziert werden können.

Basler Forschende testen in einer nachgestellten Marslandschaft eine hochauflösende Kamera.
25 Bilder
Marsrover Universität basel November 2019
Roter und grauer Kies und eine Panoramalandschaft sowie spezielle Beleuchtungen sollen wahrheitsgetreu die Verhältnisse auf dem roten Planeten nachahmen.
Nikolaus Kuhn vor einer Testversion des Marsrovers «Rosalind Franklin».
Die Fläche im Marslabor in Witterswil ist etwa 30 Quadratmeter gross.
Der Marsrover wird um einiges grösser sein als dieses Übungsmodell.
Diese Spuren zeugen von versteinerten Molekülen, die einen biologischen Ursprung haben.
Dieses Gestein enthält fossilisierte Kleinstlebewesen. Die Lebewesen, die womöglich einst auf dem Mars gelebt haben, dürften allerdings viel weniger komplex aufgebaut sein.
Rosalind Franklin und alle seine Bestandteile.
CLUPI Close-Up-Imager - Diese Kamera soll Nahaufnahmen vom Marsboden und Felsen machen. Anhand dieser Aufnahmen wird nach Leben gesucht.
Weitere Bilder.
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Der Mars-Rover "Rosalind Franklin" soll den Marsboden nach Spuren von Leben durchforsten. Damit seine Landung gelingt, müssen jedoch noch Probleme mit dem Fallschirmsystem gelöst werden.
Professor Nikolaus Kuhn gibt Auskunft und zeigt den echten Mars-Rover im Einsatz.
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover
Mars-Rover

Basler Forschende testen in einer nachgestellten Marslandschaft eine hochauflösende Kamera.

Juri Junkov

Was, wenn Sie nichts finden?

Dann wird es ebenfalls ein interessanter Befund sein. Das würde nämlich heissen, dass auf der Erde gewisse Verhältnisse, die auf dem Mars nicht vorhanden sind, das Entstehen des Lebens beeinflusst haben. Es gibt zum Beispiel die Theorie, wonach der Mond ein entscheidender Faktor sein könnte. Durch unseren Satelliten entstehen Ebbe und Flut, was etwas bewirkt haben könnte.

Gibt es womöglich auch Spuren von komplexeren Lebensformen?

Ich bin kein Evolutionsforscher, aber ich glaube nicht. Denn die Evolutionsgeschichte zeigt, dass es viel mehr Zeit braucht, bis sich Mikro-Organismen zu ausgereifteren Lebewesen entwickeln.

Was bedeutet es für Ihr Team, an einem solchen Projekt zu arbeiten?

Einerseits ist es eine fantastische Möglichkeit. Andererseits ist auch viel Alltägliches dabei: Wir arbeiten im Labor wie bei anderen nachgestellten Naturverhältnissen. Ausserdem müssen wir, wie bei jedem Projekt, stets nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

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