Milchwirtschaft
Gemeinsam gehts für drei Arisdörfer Bauern besser

Wenn man den Stall teilt und sich beim Melken abwechselt, bleibt mehr Zeit für anderes. So organisieren sich auch Peter Haumüller, Andreas Weber und Beat Kaufmann in Arisdorf.

Daniel Haller
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Bauernhof in Arisdorf
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Melken wie am Fliessband: So mag ein einzelner Bauer zweimal am Tag rund hundert Kühe um ihre Milch erleichtern. Fotos: Kenneth Nars
Peter Haumüller hängt die Melkbecher an die vorher gereinigten Zitzen.
Die Milch, welche die Vertragsmenge übersteigt, bekommen die Kälber.

Bauernhof in Arisdorf

Kenneth Nars

Eine Kuh nach der anderen tritt auf das Karussell und stellt sich auf einen der 16 Plätze. Der Transponder – eine Datenbox – an ihrem Halsband überträgt drahtlos ihren Namen, Nummer, wann gekalbt, Besamung, Milchleistung und Gesundheitszustand auf das Display.

Peter Haumüller reinigt das Euter und hängt die Melkbecher an die Zitzen, die Maschine pumpt pulsierend die Milch ab. Seelenruhig wiederkäuend machen die Kühe die Rundreise auf dem Karussell, bevor sie ausgemolken in den Stall entlassen werden und den Platz für die nächste Artgenossin freigeben, die vom Laufhof her in den Melkstand drängen.

Währenddessen tränkt Andreas Weber die Kälber und bereitet das Futter. Beat Kaufmann, der Dritte im Bunde, hat diese Woche frei. «Früher stand jeder von uns rund ums Jahr zweimal täglich im Stall. Aushilfen sind schwer zu finden. Und wenn man jemanden hatte, kalbte gerade eine Kuh und man musste die Verabredung wieder absagen.»

Dies bewog die drei Arisdörfer, als sowieso wegen des Tierschutzgesetzes Investitionen anstanden, einen gemeinsamen Stall zu bauen. Jeweils zwei versehen eine Woche lang den Dienst, der Dritte hat frei. «Nun kann ich planen und werde nicht mehr von den Kühen geplant», beschreibt Kaufmann den Vorteil dieser Betriebszweig-Gemeinschaft. «Nun hat man Luft für zu Hause», denn daneben führt jeder den eigenen Familienbetrieb weiter.

Nicht einseitige Hochleistung

«Auch bei uns kann man den einen oder andere ‹Schirmständer› entdecken», meint Haumüller. Dies sind Kühe, die mit zunehmendem Alter von der ständigen Belastung durch Trächtigkeit und gleichzeitigem Milchgeben so weit abgemagert sind, dass man an den herausstehenden Hüftknochen «den Schirm aufhängen könnte».

Ziel der Zucht im Gemeinschaftsstall für 115 Kühe ist zwar eine gute Milchleistung, aber nicht ausschliesslich: «Wir wollen gesunde Tiere, die ihre Leistung bringen, die man aber noch normal füttern kann und die wenig Veterinärkosten verursachen», erklärt Kaufmann. Züchte man zu einseitig auf Milchleistung, würden auch die Mastkälber kein Fleisch ansetzen.

Denn im Arisdörfer Stall Langjurten mästen die drei Bauern die Munikälber selbst bis zur Schlachtreife. Überschüssige Milch landet so in der Kälbertränke. Dies ermöglicht, den Abnahmevertrag von jährlich 936'000 Kilo Milch mit der Miba exakt einzuhalten und so Strafabzüge beim Milchpreis zu vermeiden: Dieser liegt derzeit bei 64 Rappen je Kilo, davon gehen rund 4 Rappen für Transport und Qualitätskontrolle weg. Und liefert man zu viel, gibts nochmals 5 Rappen weniger.

Skepsis gegen Freihandel

«Da löschts mir ab», meint Haumüller auf die Frage, was er von Soja aus Brasilien hält, die in der Schweiz via Kuhmagen zu Milch und anschliessend Milchpulver verarbeitet und dann nach China verkauft wird. «Ware um jeden Preis herumzuschieben» löst bei jedem an die Scholle gebundenen Bauern Skepsis aus. «Freihandelsabkommen dienen dem Absatz der Maschinenindustrie, nicht den Bauern», meint Haumüller.

Trotzdem erhalten die Kühe auch im Langjurtenstall Kraftfutter, dessen Eiweisse aus dem Ausland stammen. Die Kühe bekommen die Rationen je nach ihrer Milchleistung, die im Transponder am Halsband registriert ist, vom Computer individuell zugeteilt. Hauptsächlich fressen sie aber Gras – im Sommer vormittags auf der Weide –, Heu, Gras- und Mais-Silage, Zuckerrübenschnitzel und Malz aus der Feldschlösschen-Brauerei.

Kontakt zu den Tieren behalten

«Man kann nicht mehr im Pyjama nachschauen gehen, ob die Kuh nun kalbt», berichtet Kaufmann. Dass er nun zum Stall zur Arbeit fahren muss, erfordere ein Umgewöhnen. «Ich nehme auch ab und zu die Kinder mit, damit sie den Bezug zur Arbeit und den Tieren auch behalten, wenn wir nicht mehr auf dem Hof melken.»

Ganz weg sind die Tiere aber nicht: Die Aufzuchtkälber kommen zu Haumüller in den Stall, wo sie bis zur Geschlechtsreife aufwachsen. Dann übernimmt sie Kaufmann, bevor sie drei Wochen vor dem ersten Kalben wieder in den Stall Langjurten oben auf dem Berg kommen. Dort integrieren sie sich in die Herde und lernen, mit den anderen im Laufhof anzustehen, bis sie an der Reihe sind, das Melkkarussell zu betreten. Nach dem Kalben wissen sie dann schon, wie es läuft: Auch Kühe sind Gewohnheitstiere.