Gemeindeversammlung
Bestattungen in Münchenstein sind nicht mehr gratis

Wegen finanzieller Lage: Die Gemeindeversammlung von Münchenstein verabschiedet sich von den bisher möglichen Gratis-Bestattungen. Das Traktandum war umstritten.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Die Gemeinde Münchenstein muss sparen. Bestattungen sind künftig nicht mehr gratis.

Die Gemeinde Münchenstein muss sparen. Bestattungen sind künftig nicht mehr gratis.



Nars-Zimmer/bz-Archiv

Hätte an der Münchensteiner Gemeindeversammlung vom Mittwochabend ein «Wort des Tages» gekürt werden müssen, hätte das «strukturelle Defizit» der Gemeinde bestimmt das Rennen gemacht. Dieses beträgt rund 4,5 Millionen Franken und dominierte die Debatte um einen hochsensiblen Punkt: Rund drei Jahre nachdem der Souverän die Abschaffung der Bestattungsgebühren mit einem grossen Mehr angenommen hatte, stellte der Gemeinderat gestern den Antrag, ebendiese wieder einzuführen. Damit sollen jährlich rund 135'000 Franken eingespart werden.

Was vom Vizepräsidenten der Rechnungsprüfungskommission Sven Mathis als behördliche Flexibilität gelobt wurde, kritisierte Clive Spichty als makabere Kehrtwende. Er warf dem Gemeinderat vor, dieser würde Geldgier über die Moral stellen. «Ich würde mich schämen», ereiferte sich das Mitglied der Gemeindekommission und legte den Anwesenden die Würde der Verstorbenen ans Herz. Diese könnten je nach finanzieller Lage nicht mehr in ihrem Sinne bestattet werden, betonte Spichty.

Härtefälle werden von der Gemeinde getragen

Anwohnerin Susanne Wermuth sagte zu der geplanten Änderung: «Wo ist das tolle Pflaster, das Münchenstein sein soll?». Sie sehe nur einen Geldsack, so Wermuth. «Der Gemeinderat möchte weder auf dem Buckel der Verstorbenen sparen, noch mit dem Tod Geld machen», konterte Gemeinderat René Nusch und betonte, dass Härtefälle von der Gemeinde getragen werden.

Lediglich wenn ein Nachlass vorhanden sei, müssten die Bestattungsgebühren, die sich je nach Art auf zwischen 2800 und 600 Franken belaufen, aus diesem beglichen werden.

«Im schlimmsten Fall erben Hinterbliebene also einfach weniger»,

fasste Tony Bischofsberger der Grünen zusammen. Und auch Veronica Münger (SP) befand den Sparversuch, obwohl man «nicht pietätlos» erscheinen wolle, als vertretbar, um dem strukturellen Defizit entgegenzuwirken. Mit den generierten Kosten – 2020 seien Leistungen in der Höhe von 135'000 für Begräbnisse ausgegeben worden – könne in Zukunft etwas bewegt werden, betonte Münger.

Bewegt hatte Spichtys an der Gemeindeversammlung hervorgebrachter Antrag, das unentgeltliche Bestattungswesen beizubehalten und lediglich auf den Freibetrag von 300 Franken zu verzichten, wenig. Dem Antrag des Gemeinderats wurde mit 88 zu 48 Stimmen zugestimmt. Die Gemeinde Münchenstein steht damit innerhalb ihrer benachbarten Gemeinden alleine da.

Eine halbe Million Franken an einem Abend eingespart

Das Geschäft war nicht das Einzige das der finanziellen Misere der Gemeinde zum Opfer fiel. Der Antrag von rund 604 Münchensteinern auf einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 4,64 Millionen Franken für den Schulraumausbau am Standort Dillacker wurde mit einem grossen Mehr abgelehnt.

Die zahlreich anwesenden Eltern hatten dennoch Grund zum Jubeln. Schliesslich hatten sie erreicht, dass dem Gegenvorschlag des Gemeinderats, den Schulpavillon Dillacker für rund 1,231 Millionen Franken zu sanieren, 100'000 zusätzliche Franken zugesprochen wurden.

Mit diesen soll ein Container errichtet werden, der es Schülern bereits im Schuljahr 2022 ermöglichen soll, statt dem langen Schulweg ins Lange Heid, im Quartier unterrichtet zu werden.

«Wir haben mit der Verlagerung des Steuerwesens nach Liestal eine halbe Million eingespart», freute sich FDPler Mathis. «Immer geht es nur ums Geld», bedauerte Spichty. Die Münchensteiner dürfte der Spagat zwischen Sparen und Investieren noch länger beschäftigen.

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