Wahlen
Fuchs, du hast das Huhn getötet: «Wenn ich ihn erschiesse, dann kriege ich Probleme»

In den letzten Wochen wütete ein Fuchs in der Laufentaler Ortschaft. Im Baselbiet geht der Bestand des Raubtiers jedoch zurück.

Dimitri Hofer
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In Wahlen hat ein Fuchs gewütet: Der Laufentaler Gerold Schmidlin musste gestern in seinem Gehege erneut ein totes Huhn feststellen. (Fotomontage)

In Wahlen hat ein Fuchs gewütet: Der Laufentaler Gerold Schmidlin musste gestern in seinem Gehege erneut ein totes Huhn feststellen. (Fotomontage)

Kenneth Nars

In der Gemeinde Wahlen lebt es sich als Huhn momentan gefährlich. Seit einiger Zeit kommt es im Laufentaler Dorf immer wieder zu Attacken durch den Fuchs. Der pelzige Räuber schreckt auch nicht davor zurück, mehrmals am selben Ort zuzuschlagen.

Der Wahlner Kleinzüchter Gerold Schmidlin hat in den letzten Wochen acht seiner 30 Hühner verloren. Das bisher letzte Opfer, ein schwarzes Tier, kam gestern, wenige Stunden bevor unser Fotograf die Anlage ablichtete, ums Leben. «Ich bin verzweifelt», sagt der 73-jährige Schmidlin, der aus Familientradition Hühner hält. Er wisse nicht, was er tun soll. «Wenn ich den Fuchs erschiesse, dann kriege ich Probleme.» Er kenne jemanden, der einen Dachs erschossen habe und dafür eine hohe Busse bezahlen musste.

Sämtliche Hühner umgebracht

Als seine Hühner vom Fuchs getötet wurden, befanden sie sich jeweils auf einer eingezäunten Hühnerweide. «Ich habe sogar noch Drähte gespannt. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, reinzukommen», sagt Schmidlin. «Ich bin dem Fuchs völlig ausgeliefert», findet der Halter. Eine Anfrage beim zuständigen Jagdverantwortlichen habe bisher noch nicht gefruchtet. Er könne derzeit nur hoffen, dass der Fuchs nicht mehr komme.

Nur 100 Meter vom Haus von Pensionär Gerold Schmidlin entfernt hat sich vor drei Wochen ein noch grösseres Drama abgespielt. In einer Nacht hat ein Fuchs alle 17 Hühner und den Hahn von Andrea Stegmüller geholt. «Er hat sämtliche Tiere mitgenommen und nur einige Federn hier gelassen», erinnert sie sich. Auch wenn sie im ersten Moment schockiert war, nimmt sie dem Fuchs den Angriff nicht übel. «Er muss seine Jungen durchbringen. Ein Fuchs hat auch Hunger.» Sie habe sich in der Zwischenzeit wieder neue Hühner angeschafft, erklärt Stegmüller, die in Wahlen eine Pferderanch führt.

Dort leben neben Hühnern auch Gänse, Enten, Katzen und Geissen. Vergangenen Dezember wurden bereits eine Gans und zwei Enten Opfer eines Fuchses. Ob es sich um dasselbe Tier handelt, das ein paar Monate später zugeschlagen hat, kann sie nicht sagen. «Er hat keine Visitenkarte hinterlegt», meint sie scherzhaft. Sie nimmt den Tod ihrer Hühner mit Humor. Das liege auch daran, dass zuvor während elf Jahren nichts passiert sei.

Fuchsbestand geht zurück

In der verhängnisvollen Nacht grub sich der Fuchs unter dem Zaun, der um das Hühneranlage gespannt ist, durch. «Ich war erstaunt, dass ihm dies gelungen ist», sagt Andrea Stegmüller. Trotz des Vorfalls habe sie keine besonderen Massnahmen getroffen, um ihre Tiere künftig besser zu schützen.

Betrachtet man die Situation in Wahlen, könnte man meinen, dass mehr Füchse umherstreifen als auch schon. Diesen Eindruck kann Holger Stockhaus jedoch nicht bestätigen. «Aufgrund der Räude hat der Fuchsbestand im Kantonsgebiet in den letzten Jahren abgenommen», erklärt der Baselbieter Jagdverwalter. Dementsprechend seien auch die Abschüsse zurückgegangen. Diese richten sich nach dem Bestand der Tiere.

Eine Sonderbewilligung für den Abschuss eines schädlichen Einzeltieres, um das es sich beim Übeltäter in Wahlen mutmasslich handelt, könne gemäss Bundesjagdgesetz, eingeholt werden. «Dafür müssen sich die Betroffenen bei der zuständigen Jagdgesellschaft melden. Der vom Fuchs verursachte Schaden müsse erheblich sein.

Momentan herrscht Schonzeit

Dass im Baselbiet eine solche Sonderbewilligung erteilt werde, sei eher selten. Derzeit gelte die Schonzeit für Füchse, die von März bis Mitte Juni dauere. In dieser Phase dürfen keine Füchse geschossen werden. Stockhaus rät Hühnerzüchtern, ihre Tiere bei Problemen möglichst gut zu schützen. Er schlägt vor, einen geeigneten Zaun um das Gehege zu spannen, oder die Hühner für gewisse Zeit im Stall zu halten.