Senioren für Senioren
«Freiwilligenarbeit muss wieder selbstverständlich werden»

René Fasnacht, Leiter des Seniorendienstes Allschwil/Schönenbuch, zu den verschiedenen Tätigkeiten der freiwilligen Helfer. Für die Zukunft sieht Fasnacht grosse Herausforderungen, welche nur mit Freiwilligenarbeit bewältigt werden könne.

Silvana Schreier
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René Fasnacht: «Das Engagement der Freiwilligen ist gross.»

René Fasnacht: «Das Engagement der Freiwilligen ist gross.»

bz

1. Oktober: Tag des Alters

Seit 1991 wird nach einem Beschluss der Vereinten Nationen jährlich am 1. Oktober der Tag des Alters gefeiert. In Deutschland wird er als Weltseniorentag bezeichnet. Schon im Jahr 1968 hat die deutsche Kasseler Lebensabendbewegung (LAB) den Tag der älteren Generationen ins Leben gerufen.
Mit diesem Tag möchte man regelmässig auf die Möglichkeiten und Herausforderungen der älter werdenden Generation und die Situation der Senioren in Entwicklungsländern aufmerksam machen. Auch sollen die Leistungen der Älteren und ihren Gewinn für das gesellschaftliche Zusammenleben gewürdigt werden.
Der Seniorendienst Allschwil/ Schönenbuch präsentiert im Rahmen des Weltseniorentags seine Dienstleistungen in einer Ausstellung im Gemeindezentrum Allschwil. Bis zum 11. Oktober kann sie während der Öffnungszeiten des Gemeindezentrums besucht werden.

Der Seniorendienst Allschwil/Schönenbuch besteht aus rund 120 Freiwilligen. Erklären Sie uns Ihre Dienstleistung?

René Fasnacht: Es ist ein Dienst von Senioren für Senioren. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur ein Geben der Freiwilligen ist, denn sie bekommen ebenso viel zurück. Für Pensionierte ist es sehr wichtig, eine Aufgabe zu haben, so fühlen sie sich nicht nutzlos.

Sie haben ein breites Dienstleistungsangebot. Gibt es Ideen für Ergänzungen?

Ideen haben wir viele. Zum Beispiel könnten wir Älteren den Jüngsten unter uns die alten, traditionellen Volkslieder beibringen. Wir müssen aber aufpassen, dass wir uns auf die drei für alte Menschen lebenswichtigen Schwerpunkte konzentrieren: Essen, Mobilität und soziale Kontakte.

Dienstleistungen kosten Geld: Wie finanziert sich der Verein?

Mit der Subvention, die wir von Allschwil und Schönenbuch erhalten, können wir für unsere Auskunftsstelle aufkommen. Alle anderen Dienstleistungen finanzieren sich selber. Da wir mit Freiwilligen arbeiten, entstehen somit nur die direkten Kosten für die Materialien, Nahrungsmittel und Fahrspesen.

Was unterscheidet den Seniorendienst von der professionellen Spitex?

Die Spitex bietet Pflege- und Hauswirtschaftsdienste an. Ihre Angestellten haben eine dementsprechende Ausbildung. Unsere Dienstleistungen werden ausschliesslich von Freiwilligen angeboten. Die Dienste der Spitex werden mehrmals wöchentlich benötigt, dafür hätten wir zu wenig Arbeitskräfte. Aber wir können beispielsweise einen sporadischen Fahrdienst für Therapie- oder Arzttermine anbieten.

Steht der Seniorendienst in Konkurrenz zur Spitex?

Auf keinen Fall. Wir bieten nicht die gleichen Leistungen an. Zudem sind wir Bestandteil des Alterskonzepts der Gemeinde Allschwil. Wir sind also sowohl mit der Spitex als auch mit den Pflegeheimen gut vernetzt und können uns gegenseitig mit Vermittlungen unterstützen. Beispielsweise kocht das Alterszentrum Bachgraben Mittagessen, und unsere Freiwilligen liefern es dann an die Senioren aus.

Ein Blick in die Zukunft: Wie sieht die Situation in 20 Jahren aus?

Dass die Zahl der Hochbetagten zunimmt, kann als gesichert gelten. Meine Grundannahme ist, dass das ausgebildete Pflegepersonal knapp und nur begrenzt bezahlbar sein wird. Jemand muss diese Lücke schliessen, und das können nur Freiwillige. Wir müssen ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen. Freiwilligenarbeit muss wieder selbstverständlich werden. Früher hiess es «ehrenamtliche Arbeit», denn es ist ja eine Ehre, solche Arbeit zu leisten. Ich denke, dass der Seniorendienst künftig in unserer Gesellschaft eher noch wichtiger werden wird.

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