Streit in Binningen
Wer will schon Flaschen entsorgen neben den Gräbern?

Binningen streitet über den künftigen Standort des Werkhofs. Eine Variante birgt besonders Zunder, was den Einwohnerrat schier an den Rand der Verzweiflung treibt.

Patrick Rudin
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Ob sich Binningen jemals die Freiheit nehmen wird, an der Margarethenstrasse den neuen Werkhof zu bauen?

Ob sich Binningen jemals die Freiheit nehmen wird, an der Margarethenstrasse den neuen Werkhof zu bauen?

Symbolbild/bz-Archiv

Die vergangenen Wahlen hinterlassen ihre Spuren: Der nun aus dreimal FDP, dreimal SP und einer Grünen zusammengesetzte Binninger Gemeinderat musste sich am Montag im Einwohnerrat von Marc Schinzel (FDP) den Vorwurf anhören, er gehe als rot-grünes Gremium «dreist und verantwortungslos» vor. Kernpunkt von Schinzels Kritik: der Antrag über 13,6 Millionen Franken für einen neuen Werkhof. «Ihr schlagt einen vergoldeten Werkhof vor», schimpfte der Freisinnige.

Auch der geplante Standort am südlichen Friedhofsende an der Margarethenstrasse sorgte für Kopfschütteln.

«Wie andächtig kann wohl eine Abdankung sein, wenn nebenan Glasscherben entsorgt werden»,

fragte Einwohnerrätin Barbara Fankhauser (SVP) rhetorisch. Die SVP forderte ein Kostendach von 8 Millionen Franken, die FDP hielt mit immerhin 11 Millionen mit, beide drohten mit Rückweisung.

Doch soweit kam der Rat am Montag erst gar nicht. Während Ralph Büchelin (SP) betonte, an jedem Standort seien Anwohner betroffen, merkte Christoph Maier (FDP) an, man könne dem Stimmvolk keinen Werkhof beim Friedhof verkaufen. Offenbar befürchten viele Anwohner den Mehrverkehr, den damit verbundenen Lärm sowie die Störung der Totenruhe.

Partnerprojekt mit Bottmingen ist kein Thema mehr

Die Anspielung war klar: Vor genau zehn Jahren stand die Idee eines gemeinsamen Werkhofes mit Bottmingen im Raum. Das Projekt am Birkenweg wurde zuerst genehmigt. Wegen mangelhafter Abstimmungsinformationen musste der Urnengang dann aber wiederholt werden. Beim zweiten Mal wurde das Vorhaben abgelehnt, seither war diese Variante kein Thema mehr. Ironie des Schicksals: Die Bottminger hatten damals dem gemeinsamen Werkhof zugestimmt.

Gemeinderätin Caroline Rietschi sagte am Montag dazu, Bottmingen habe derzeit andere Probleme mit höherer Priorität. Falls der Einwohnerrat aber darauf bestehe, werde man selbstverständlich beim Nachbarn nachfragen und dann dessen Absage «hochoffiziell» dem Gemeindeparlament mitteilen.

Es brauchte zwei Time-outs, in denen sich die Fraktionen beraten konnten. Erst nach über zwei Stunden beschloss der Binninger Einwohnerrat am Montag dann einstimmig, das Geschäft vorerst zu sistieren und die Abklärungen des Gemeinderates abzuwarten.

Das letzte Wort liegt eh beim Stimmvolk

Beim alten Projekt am Birkenweg an der Grenze zu Bottmingen würde der Verkehr hauptsächlich über die Bottminger Wuhrmattstrasse geführt. Allerdings wäre ein Bau wegen bestehender Schulprovisorien hier frühestens ab dem Jahr 2025 möglich. Der Gemeinderat möchte aber den bestehenden Werkhof an der Parkstrasse früher ablösen und dort mitten im Wohngebiet die lukrative Arealentwicklung «Spiesshöfli» voran treiben.

Um geeignete Standorte wird daher in Binningen wohl auch weiterhin gefeilscht werden, ebenso um die Kosten. Selbst wenn sich im Einwohnerrat eine Mehrheit für einen neuen Werkhof-Standort finden sollte, muss am Ende das Binninger Stimmvolk die Vorlage genehmigen.

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