St.JakobPark
Finden künftig keine Länderspiele im Joggeli mehr statt?

Heute spielt die Schweizer Nationalmannschaft in Basel. Wann wird dies das nächste Mal der Fall sein? Ab nächstem Jahr stehen für Länderspiele mit Basel, Genf und neu auch Bern drei Austragungsorte zu Verfügung.

Sebastian Wendel
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Im leeren St. Jakob Park bereitet sich die Schweizer Nationalmannschaft auf das heutige Spiel gegen Montenegro vor. Georgios Kefalas/KEYSTONE

Im leeren St. Jakob Park bereitet sich die Schweizer Nationalmannschaft auf das heutige Spiel gegen Montenegro vor. Georgios Kefalas/KEYSTONE

Drei Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage. So liest sich die positive Bilanz der letzten fünf Pflichtspiele der Fussballnationalmannschaft in der Schweiz. Eines haben die fünf Partien gemeinsam: Sie fanden alle in Basel statt. Heute Abend folgt gegen Montenegro Spiel Nummer 6 in der «Basler Serie». In Zukunft wird der St. Jakob Park seinen Nimbus als einziger Austragungsort für wichtige Heimspiele wohl verlieren. «Mit Bern haben wir eine weitere Option», sagt der Nationalmannschaftsdelegierte Peter Stadelmann. Im Stade de Suisse ersetzt ab nächstem Jahr ein Natur- den bisherigen Kunstrasen. Somit stehen dem Schweizerischen Fussballverband SFV mit Basel, Bern und Genf drei Austragungsorte zur Auswahl, an denen die Stadionkapazität mehr als 30 000 Plätze beträgt.

«Basel hat zwar das grösste Fassungsvermögen aller Schweizer Fussballstadien, Bern ist dafür besser gelegen», sagt Stadelmann. Gerade für das Publikum aus der Romandie, welches «einen Grossteil der Nati-Fans ausmacht».

Rote Zahlen nach Länderspielen

Zu den Zuschauerzahlen der letzten Spiele in Basel mag man sich beim SFV nicht klar ausdrücken. «Wir sind nicht unzufrieden», sagt Stadelmann. Was wohl heisst, dass es ein paar Tausend mehr hätten sein dürfen. Denn nicht ausverkaufte Länderspiele wie jenes am 6. September in Basel gegen Bulgarien (16880 Zuschauer; d. Red.) sind für den SFV immer ein Verlustgeschäft. «Dass wir nach solchen Spielen rote Zahlen schreiben, ist uns bewusst. Uns interessiert jeweils nur, wie rot sie sind», sagt Marco von Ah, Medienverantwortlicher beim SFV.

Warum finden alle Heimspiele der EM-Qualifikation in Basel statt, wenn man doch weiss, dass das Stadion nicht immer voll ist? «Wir haben ein stärkeres Interesse von der Bevölkerung erwartet, nachdem die Nationalmannschaft an den letzten vier WM- und EM-Endrunden vertreten war», sagt von Ah. «In der nächsten Kampagne, die im September 2012 startet, werden wir wohl nur noch gegen den stärksten Gruppengegner Norwegen in Basel spielen.»

Mieteinnahmen entfallen

Für die Betreiberin des «Joggeli», die Basel United AG, entfallen dadurch Mieteinnahmen. Von ihrer Seite war wegen Vorbereitungen für das Montenegro-Spiel niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Fussballverband hingegen äussert sich: «Wir haben die Pflicht, alle länderspieltauglichen Stadien der Schweiz zu berücksichtigen. Seit der Eröffnung des neuen Stadions hat auch Luzern seine Ansprüche angemeldet», sagt von Ah. Jedes Spiel werde zwischen Verband und der zuständigen Betreibergesellschaft neu ausgehandelt. Für Letztere sind Länderspiele attraktiv: Bei schwachem Zuschaueraufkommen kassiert sie trotzdem die volle Miete, Verlust macht nur der Verband.

Auf die Fussball-Leckerbissen gegen die ganz Grossen der Welt darf sich das Basler Publikum aber weiterhin freuen. «Wenn die Nationalmannschaft gegen Deutschland oder Brasilien antritt, wird das weiterhin im St. Jakob Park der Fall sein», sagt Marco von Ah, «aus dem simplen Grund, dass dort am meisten Zuschauer reinpassen.»