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Fernunterricht im Baselbiet: Prüfungen sind grösstes Problem

Der Fernunterricht der Baselbieter Primar- und Sekschüler funktioniert. Doch wie kann man ihn benoten?

Michael Nittnaus
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Die Schülerinnen und Schüler mussten teils einzeln nochmals in die Schule, um ihr Material für zu Hause abzuholen. (Symbolbild)

Die Schülerinnen und Schüler mussten teils einzeln nochmals in die Schule, um ihr Material für zu Hause abzuholen. (Symbolbild)

Eine Woche. Solange sind auch im Kanton Baselland bereits die Schulen geschlossen. Zeit für ein erstes Zwischenfazit, dachte sich die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind und lud gestern zur telefonischen Pressekonferenz. Dabei hielt sie vor allem etwas fest: «Wir haben keine schulfreie Zeit.» Die bz hat die wichtigsten Fakten und Aussagen rund um den Fernunterricht in der Volksschule zusammengetragen.

1. Wie lief der Fernunterricht der Baselbieter Primar- und Sekundarschulen an?

Obwohl Schulleitungen, Lehrer und die Bildungsdirektion nur ein Wochenende Zeit hatten, die Schülerinnen und Schüler, Eltern, aber auch sich selbst auf die Zeit nach der vom Bund verordneten Schulschliessung vorzubereiten, zieht Gschwind ein positives Zwischenfazit: Die Situation sei für alle Beteiligten anspruchsvoll und eine grosse Herausforderung. Doch grundsätzlich verlaufe alles in geordneten Bahnen. Ihre Hauptbotschaft: «2020 wird ein spezielles, aber kein verlorenes Schuljahr.»

2. Wie wird das Betreuungsangebot auf Primarstufe und in Kitas genutzt?

Die Kindergärten, Primarschulen und Kindertagesstätten müssen die Betreuung von Kindern, deren Eltern in Gesundheitsberufen arbeiten oder die sonst keine andere Betreuung organisieren können, sicherstellen. «Dieses Betreuungsangebot wurde viel weniger genutzt, als wir gedacht hatten», so Gschwind. Über alle 86 Gemeinden gesehen seien vormittags im Schnitt 250 Kinder an den Schulen betreut, nachmittags bloss deren 90. Dennoch bleibt das Angebot in gleichem Ausmass bestehen, denn der Bedarf könne sich sehr schnell ändern. Auch in den Kitas gibt es keinen grossen Ansturm. Bei fast allen Einrichtungen liege die Belegung unter 50 Prozent der maximalen Kapazität, oft noch deutlich tiefer.

3. Was sagt der Kanton zu den grossen Unterschieden beim Fernunterricht?

Die vergangene Woche zeigte: Gewisse Primarschulen verteilen Aufgabenpakete in Einkaufstüten, andere setzen schon ab der dritten Klasse auf den Computer. Auch der Arbeitsaufwand pro Tag variiert stark. «Die Lehrer geben alle ihr Bestes, um die besondere Situation zu lösen», sagt Gschwind. Wegen der Gemeindeautonomie sei die IT-Infrastruktur nicht überall dieselbe. Das Wichtigste ist laut Gschwind: «Der Lernfortschritt ist durch die Unterschiede nicht gefährdet. Der Lehrplan wird überall eingehalten.» Auf der Sekundarstufe sei Baselland in Sachen Digitalisierung gar schon weiter als einige andere Kantone.

4. Was ist mit Prüfungen, Benotungen und Übertritten?

Die Übertritte von der Primar- auf die Sekundarstufe standen schon vor den Schulschliessungen fest. Unklar ist jedoch, wie im Fernunterricht Prüfungen und Promotionen sowie Remotionen gehandhabt werden. Hier berät der Baselbieter Regierungsrat heute Dienstag, wie er die kantonale Laufbahnverordnung mit Spezialbestimmungen erweitern kann. «Der Lernfortschritt muss dokumentiert werden», sagt Gschwind. Direktionssprecherin Fabienne Romanens ergänzt, dass «regelmässige Lernkontrollen nötig sind, aber noch unklar ist, wie wir diese benoten und wie sie in Zeugnisse einfliessen können».Und Beat Lüthy, Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen, betont: «Schriftliche Prüfungen an den Schulen sind – auch unter Wahrung des Sitzabstands – derzeit nicht erlaubt. Tests auch zu Hause am Computer möglich zu machen, ist nun die Herausforderung, denn dort ist die Kontrolle sehr schwierig.» Daher bereiten Lüthy derzeit die Abschlussklassen die grössten Sorgen.

5. Wann können Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule?

Die vom Bundesrat gesetzte Frist der Schulschliessungen bis zum 19. April hält Gschwind nicht für realistisch. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass es länger dauern wird – und dass die Situation durch erkrankte Lehrpersonen verschärft werden könnte.» Lüthy glaubt eher an Ende Mai, hofft aber, dass der Schulbetrieb spätestens nach den Sommerferien wieder aufgenommen werden kann. Eine Herausforderung bleibt auch dann, so Lüthy: «Die Schüler werden nicht mehr alle am selben Ort stehen, wenn sie vom Kinder- wieder ins Klassenzimmer wechseln.»

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