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Falkner im Baselbiet: Ihre Greifvögel verjagen nervige Krähen und Tauben

Die Falkner Benjamin Gregor und Simone Cilluffo vergrämen mit ihren Greifvögeln Krähen, Tauben und Konsorten. Zudem gibt’s Shows.

Andreas Hirsbrunner
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Falkner von Benjamin Gregor-Smith mit Sakerfalke Artemis.
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Auch Flugübungen gehören dazu.
Falkner Benjamin Gregor-Smith mit einem Uhu.
Benjamin Gregor (links) und Simone Cilluffo mit Uhu.
Simone Cilluffo lässt den Sakerfalke fliegen.
Zum Schluss gibt es für den Uhu noch eine Belohnung.

Falkner von Benjamin Gregor-Smith mit Sakerfalke Artemis.

Roland Schmid

Es schneit leicht an diesem Morgen, die Temperatur liegt um den Gefrierpunkt – alles andere als ideale Bedingungen für das hoch spezialisierte Team der Binninger Firma Swiss Falconry. Trotzdem lassen einige ihr Können aufblitzen: Janis, der Wüstenbussard, stürzt sich innerhalb von Sekunden auf eine Krähenattrappe, die über den Boden huscht.

Artemis, der Würgfalke, holt eine Krähenattrappe mit eingebautem Motor nach taktisch geschicktem Flug erfolgreich vom Himmel. Nur Ella wirkt etwas schläfrig und lässt sich erst auf wiederholte Lockrufe animieren, im eleganten Tiefflug ein Hühnerbein aus der Hand zu schnappen. Dabei ist es ihr Wetter, denn Ella ist ein sibirischer Uhu und mit ihrer imposanten Erscheinung das Aushängeschild der Swiss Falconry. Aber es ist nicht ihre Tageszeit, sie liebt die Dämmerung.

Simone Cilluffo lässt den Sakerfalke fliegen.

Simone Cilluffo lässt den Sakerfalke fliegen.

Roland Schmid

Janis, Artemis und Ella gehören zum neunköpfigen gefiederten Teil des Firmenteams, Benjamin Gregor und Simone Cilluffo bilden den ungefiederten Teil. Der Brite und der Italiener sind ausgebildete Falkner und haben sich vor kurzem zur Swiss Falconry GmbH zusammengeschlossen. Ihr Geschäftsmodell besteht aus zwei Pfeilern – Show und Ökoeinsätze.

Wenn ein Wüstenbussard den Ehering bringt

Den Showteil betreiben sie seit letztem Sommer und er ist sehr variabel. Eine einfachere Variante ist ein Spaziergang mit einer Gruppe durch den Wald, wobei die Vögel immer wieder Einsätze fliegen. Oder ein Besuch in einer Schule, bei dem die Kinder die Vögel auf die Hand nehmen dürfen – natürlich nur mit Schutzhandschuhen wegen der messerscharfen Krallen.

Exklusiver ist die Hochzeitsvariante: Vorzugsweise zwei Wüstenbussarde – «das sind die Einfachsten, die machen alles mit», so Gregor – bringen Braut und Bräutigam die Ringe aus der Luft. Die Luxusvariante besteht aus einer Showvorführung mit Livemusik. Dabei hat Gregor eine Doppelrolle inne: Er trägt auch seinen Teil zur musikalischen Untermalung bei; sein zweites Berufsstandbein ist stellvertretender Solocellist beim Sinfonieorchester Basel.

Zum Schluss gibt es für den Uhu noch eine Belohnung.

Zum Schluss gibt es für den Uhu noch eine Belohnung.

Roland Schmid

Der Ökoteil namens Ecovergrämung ist sozusagen das Alltagsgeschäft der Swiss Falconry, bei dem sich die Vögel in der Natur bewähren müssen. Zwei Beispiele: Ein Bauer hat im Frühling grossflächig Mais angesät und will die Saat vor den Krähen schützen.

Anstelle von Vogelscheuchen mit begrenztem Nutzen – die Krähen sind klug und durchschauen das Spiel schnell – bucht er die Falkner. Dazu Gregor: «Das sind ganz spezielle Einsätze, bei denen ich mit meinen Vögeln mehrere Wochen zehn Stunden pro Tag vor Ort lebe.» Hierbei kommen Wanderfalke, Wüstenbussard oder Habicht zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist, die Krähen fernzuhalten. Ab und zu erwischen sie ein älteres oder krankes Exemplar, das subito verspeist wird.

Ich bin wie ein Gärtner und muss regelmässig kommen.

(Quelle: Benjamin Gregor)

Oder ein Altersheim soll von einer Taubenplage befreit werden. Hier kommen Gregor oder Cilluffo anfänglich mit ihren Vögeln in hoher Kadenz vorbei, später noch sporadisch. Gregor: «Ich bin wie ein Gärtner. Kommt er nicht mehr, nimmt das Unkraut Überhand. Komme ich nicht mehr, kehren die vertriebenen Vögel zurück.»

Die Ecovergrämung betreibt Gregor schon seit ein paar Jahren, im Baselbiet übrigens als Einziger. Er benötigt dafür vom Kanton eine Bewilligung für Haltung und Einsatz der Greifvögel. Gabriel Sutter, Mitarbeiter bei der Jagdverwaltung, sagt: «Wir haben mit Herrn Gregor nur positive Erfahrungen gemacht. Die Akzeptanz seiner Vergrämung ist bei der Bevölkerung besser, weil er dabei keine Schusswaffe braucht.»

Doch wofür ist eigentlich Ella, der Uhu, gut? «Schon allein ihr Aussehen versetzt alle Schädlingsvögel in Panik und sie hüten sich, dort zu nächtigen, wo vorher Ella aufgetaucht ist», so Gregor.

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