Baumsterben
Eschen erliegen japanischem Pilz

In den Wäldern beider Basel besteht ein dringender Handlungsbedarf gegen den Pilzbefall. Ein japanischer Pilz lässt Bäume in rasantem Tempo absterben.

Yannette Meshesha
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Philipp Schoch, Präsident des Verbands Wald beider Basel
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Dieser Eschenstamm ist vom japanischen Pilz bereits stark befallen.
Pilzbefall führt zu Eschensterben

Philipp Schoch, Präsident des Verbands Wald beider Basel

Yannette Meshesha

Es ist ein trauriger Anlass, der Medienschaffende und Verantwortliche des Waldes am Donnerstagmorgen bei Regenwetter in den Liestaler Wald treibt: In der ganzen Region fallen immer mehr Eschen einem eingeschleppten japanischen Pilz zum Opfer, der die Bäume in rasantem Tempo absterben lässt. Die toten, dürren Bäume werden besonders an Wegrändern zu einem Sicherheitsrisiko für Spaziergänger, Jogger und Velofahrer. Die Liestaler Bürgergemeinde, als Eigentümerin für die Sicherheit im Wald verantwortlich, sieht dringenden Handlungsbedarf.

Teures Sicherheitsrisiko

Raphael Häner, Geschäftsführer des Waldeigentümerverbands Wald beider Basel, erklärt das Ausmass des Eschensterbens: «Bei der Esche handelt es sich nach Buche und Ahorn um die dritthäufigste Laubbaumart in der Region Basel. In den Wäldern beider Basel gibt es rund 570 000 Exemplare.» 10 Prozent der Bäume bilden Resistenzen aus, die übrigen erliegen dem Pilz und sterben innerhalb von ein bis zwei Jahren ab.

Das sei ein erschreckendes Tempo. Für die Sicherheit der Waldbesucher massgeblich sind vor allem Bäume, die am Rand von Waldstrassen stehen. «Das sind etwa 15 Prozent des Bestands», sagt Häner. Die Kosten, um die Sicherheit der Waldstrassen zu gewährleisten, belaufen sich schätzungsweise auf sieben Millionen Franken. «Kleine Pfade und Joggingwege nicht eingerechnet.»

Philipp Schoch, Präsident des Verbands Wald beider Basel, sagt: «Eschen stehen in unseren Wäldern eher vereinzelt , nicht in Gruppen, was es schwierig macht, die exakten Bestände festzustellen.» Das Monitoring sei extrem aufwendig, denn man müsse alle Wege abfahren und jeden Baum einzeln registrieren. Das mache es sehr teuer.

Man sei der Ansicht, dass bald ein Kostenträger bestimmt werden müsse, bevor weitere Massnahmen umgesetzt werden. «Sind die kranken Bäume entfernt und das erste Sicherheitsrisiko behoben, wird es ungemein schwieriger einen Kostenträger zu finden», sagt Schoch. Der erste Schritt sei jetzt die laufende Bestandesaufnahme entlang der Waldwege.

Drei Strategien zur Auswahl

Hanspeter Stoll, Bürgerrat und Waldchef von Liestal, erklärt: «Es gibt verschiedene Strategien, die man verfolgen kann. Man könnte ganz brutal alle Eschen sofort fällen und damit wenigstens den Holzertrag retten.» So ein massives Eingreifen in das Ökosystem könne aber ungeahnte Folgen haben. Alternativ könnte man auch die rund 3500 Eschen an Wegrändern fällen, die ein Sicherheitsrisiko bedeuten.

Das Fällen kranker, dürrer Bäume sei aber extrem aufwendig und schwierig, da morsche Teile des Baums hinunterstürzen und die Arbeiter gefährden können. «Die dritte Möglichkeit ist abzuwarten, gut zu beobachten und nur bei akutem Sicherheitsrisiko einzuschreiten.» Der Vorteil dieser dritten Strategie sei, dass die Bevölkerung die Chance bekomme, das Problem selber zu bemerken und zu erkennen.

«Das würde den Handlungsbedarf deutlich machen. Heute wissen die meisten Leute noch nicht, dass 90 Prozent der Eschen voraussichtlich sterben werden», sagt Stoll. Die Liestaler Bürgergemeinde hat das Thema für ihre nächste Sitzung anfangs September traktandiert und wird sich dort auf ein Vorgehen einigen.

Eschenpilz aus Japan eingewandert

Der eingeschleppte Pilz aus Japan wird «Falsches weisses Stengelbecherchen» genannt und befiel 2008 in Polen erstmals europäische Eschen. Von dort breitete er sich über Europa und von Nordwesten her über die Schweiz aus. Der Pilz befällt die Blätter der Esche und bewirkt somit ein Absterben der Zweige und Triebe. Nach einiger Zeit rückt der Pilz in den Stamm vor und lässt den ganzen Baum verdursten.

Manche Bäume kämpfen mit neuen Trieben weiter unten am Stamm gegen das Absterben an, doch auch diese erliegen später dem Pilz. Die dürren Äste können bei Stürmen leicht abbrechen und Menschen gefährden. Das ausgetrocknete, pilzbefallene Holz verliert an Stabilität und Brennwert, was es für die Holzwirtschaft völlig entwertet.

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