Strafgericht
«Es war kein richtiger Schlag»: Ehestreit endet im Würgegriff

Ein aus Eritrea stammender Mann hat seine Frau lebensgefährlich gewürgt und wird dafür zu 24 Monaten bedingt verurteilt.

Patrick Rudin
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Worüber sich das aus Eritrea stammende Paar gestritten hatte, blieb vor Gericht unklar. (Symbolbild)

Worüber sich das aus Eritrea stammende Paar gestritten hatte, blieb vor Gericht unklar. (Symbolbild)

Keystone

«Es war kein richtiger Schlag. Ich bin selbst erschrocken, als sie auf den Boden fiel. Ich wollte, dass sie aufhört zu schreien», sagte der 34-jährige, aus Eritrea stammende Mann aus Tecknau am Mittwoch vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Die Beweislage war ziemlich unklar. Alarm geschlagen hatte im November 2018 die Tochter der Ehefrau nach einem kurzen Telefongespräch mit ihrer Mutter. «Meine Tochter hat angerufen, dann ist auch die Polizei gekommen. Aber ich wollte nicht, dass die Sache eskaliert», erklärte die 33-jährige Ehefrau am Mittwoch vor Gericht.

Einen Strafantrag habe sie damals gestellt, weil sei das Formular falsch verstanden habe, und sie zog diesen am Mittwoch auch zurück. Dies betraf allerdings nur die Tätlichkeiten, bei den anderen Vorwürfen handelte es sich eh um Offizialdelikte. «Ich möchte meine Kinder gross ziehen und nicht mehr in diese Sache involviert sein. Ich möchte auch in Zukunft nicht mehr vor Gericht vorgeladen werden», liess sie via Dolmetscher übersetzen.

Mehr war aus ihr nicht rauszukriegen, und so blieben dem Gericht nur noch die Aussagen des Ehemannes. Allerdings sprach ein Gutachten des Institutes für Rechtsmedizin von Stauungsblutungen in der Kopfregion, was klar auf ein Würgen hindeutet. Staatsanwältin Erika Kremniczky sprach von einem Angriff gegen den Hals des Opfers, er habe die Frau bewusstlos auf dem Boden zurückgelassen und dann das Haus verlassen. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren sowie einen anschliessenden Landesverweis von 15 Jahren.

Warum sollte ich meine Frau töten wollen? Sie ist die Mutter meiner Kinder.

(Quelle: 34-jähriger Angeklagter)

«Das macht mich sehr traurig. Warum sollte ich meine Frau töten wollen? Sie ist die Mutter meiner Kinder», sagte der Angeklagte dazu. Worüber sich das aus Eritrea stammende Paar gestritten hatte, blieb vor Gericht unklar. Offenbar wollte der Mann seine Frau dazu ermahnen, sich mehr um die gemeinsame Tochter zu kümmern.

Der Mann lebte zuvor sieben Jahre problemlos in der Schweiz, reiste dann aber zur Unterstützung der Opposition zurück ins äthiopisch-eritreische Grenzgebiet, dort wurde er nach eigenen Angaben von eritreischen Soldaten aufgegriffen und verprügelt. Danach verbrachte er zwei Jahre in einem äthiopischen Gefängnis und wurde massiv gefoltert. Drei Monate vor dem Streit mit der Ehefrau war er nach Tecknau zurückgekehrt.

Kein Landesverweis

Verteidigerin Stephanie Trüeb verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten wegen versuchter Körperverletzung. Da ihrem Mandanten in Eritrea Folter drohe sei auf eine Landesverweisung zu verzichten.

Die fünf Richter verurteilten den Mann wegen Gefährdung des Lebens zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, sie sahen mindestens ein lebensgefährliches Würgen als nachgewiesen. Damit konnte der Mann am Mittwoch den Gerichtssaal nach 16 Wochen Sicherheitshaft als freier Mann verlassen. Beim Landesverweis folgte das Gericht der Verteidigerin und wandte die Härtefallregelung an: Wegen der konkret drohenden Gefahr von Folter in Eritrea sahen die Richter von einem Landesverweis ab. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.

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