Expansionskurs
Er mischt Liestals Beizenszene neu auf

Erdal Koyuncuer betreibt die «Farnsburg», bald auch das «Amtshaus» und vielleicht noch mehr.

Andreas Hirsbrunner
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Wirt Erdal Koyuncuer serviert, kocht, putzt und bügelt – und das bald nicht nur in der «Farnsburg».

Wirt Erdal Koyuncuer serviert, kocht, putzt und bügelt – und das bald nicht nur in der «Farnsburg».

Nicole Nars-Zimmer niz

Das macht ihm keiner so schnell nach: Erdal Koyuncuer (35) hat letzten Sommer gastronomisch erstmals einen Fuss auf Liestaler Boden gesetzt, jetzt ist er bereits kräftig auf Expansionskurs. Dabei geht es nicht um irgendwelche Spelunken, sondern um arrivierte Gaststätten. Den Anfang machte im Juni 2016 die «Farnsburg», und das war ein Start mit Risiko. Denn die «Farnsburg» war zuvor ein Jahr lang geschlossen, weil Besitzer Nicolas Manzi die Freude an seinem Lokal etwas verloren hatte, wie er damals der bz erklärte. Als Grund machte er geltend, dass längst nicht nur die Geniesser gekommen seien, die er habe ansprechen wollen.

Doch der gebürtige Kurde Koyuncuer, der mit 16 Jahren in die Schweiz kam und hier eine Ausbildung als Servicefachmann machte, wertete die Chance höher als das Risiko und ging mit Manzi einen fünfjährigen Pachtvertrag für die «Farnsburg» ein. Und er lag mit seiner Einschätzung richtig. «Das hat eingeschlagen wie eine Bombe und es läuft sehr gut, und zwar mittags und abends», sagt er zum Betrieb seines Restaurants. Die Preise in Liestals atmosphärisch wohl schönster Gaststätte – Manzi hat beim Umbau vor fünf Jahren ganze Arbeit geleistet – sind vor allem abends günstiger geworden, zudem hat Koyuncuer das Angebot aus italienischer und bürgerlicher Küche mit einer grossen Palette an Pizzas ergänzt.

«Amtshaus» bleibt «Amtshaus»

Und jetzt folgt der nächste Schritt einen Steinwurf aufwärts in Richtung Stedtli: Ab dem 1. Mai übernimmt Koyuncuer auch das Restaurant Amtshaus in Pacht. Die jetzige Wirtin hört nach der Fasnacht auf, danach wird umgebaut. Doch der Charakter samt Ausrichtung der Küche – gut bürgerlich – dieses «traditionellen Lokals» soll erhalten bleiben, versichert Koyuncuer. Am nächsten Samstag führt er zudem mit dem Personal Gespräche über eine mögliche Weiterbeschäftigung.

Der neue Pächter startet im «Amtshaus» unter erschwerten äussern und damit einhergehend erleichterten finanziellen Bedingungen: Zwischen «Amtshaus» und Regierungsgebäude beginnt die Erneuerung der Rathausstrasse, was für Koyuncuer heisst, dass er nur reduziert draussen servieren kann. Dafür könne er nach Beendigung der Erneuerungsarbeiten mit der ebenerdigen Fläche ohne Trottoir vor der Haustüre mehr Gäste draussen bedienen, freut er sich.

An «Stadtmühle» interessiert

Damit aber nicht genug: Auch mit den Besitzern des «Wassertürmli» und der «Stadtmühle» hat Koyuncuer erste Übernahmegespräche geführt. Wobei er vor allem an der «Stadtmühle» interessiert ist, die infolge Pensionierung auf Anfang 2018 frei wird. Koyuncuer: «Das würde mich sehr reizen. Die ‹Stadtmühle› ist eine Nummer grösser als die ‹Farnsburg› und das ‹Amtshaus›.» Doch wieso diese Expansionspläne, wenn Koyuncuer schon heute in der «Farnsburg» von morgens um halb neun Uhr bis Mitternacht auf der Matte steht, und zwar als Allrounder von Küche über Service und Putzdienst bis hin zum Bügeln? Der zweifache Familienvater, der wegen dieser Belastung nun im Frühling von Basel nach Liestal umzieht, sagt: «Ich will in Liestal etwas bewegen und mit dafür sorgen, dass die Liestaler hier vor Ort gut essen können. Zudem ergibt das Ganze Synergien.»

Um Letzteres zu verstehen, muss man den Liestaler Fächer öffnen: Koyuncuers Cousin betreibt in Muttenz vier Restaurants; eines davon gehört übrigens Manzi und erklärt, wie die Bande zur «Farnsburg» entstanden sind. Die beiden Cousins haben nun zusammengespannt: Sie kaufen gemeinsam ein und helfen sich gegenseitig bei Engpässen mit Personal aus. Zusammen beschäftigen sie an die 50 Personen. Zudem betont Erdal Koyuncuer: «Ich habe keine Angst, dass das Ganze zu viel wird für mich. Denn ich habe eine grosse Familie und die steht hinter mir. Das gibt Sicherheit.»

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