Fasnacht 2021
Entscheidungsprozess in der heissen Phase: Liestaler Fasnacht steht auf der Kippe

Cliquen können noch bis am Freitag Ideen für eine dezentrale Fasnacht 2021 einbringen ‑ der «Chienbäse» ist gestorben.

Andreas Hirsbrunner
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Die Liestaler Fasnacht 2021 muss (noch) nicht zu Grabe getragen werden.

Die Liestaler Fasnacht 2021 muss (noch) nicht zu Grabe getragen werden.

Kenneth Nars

Derzeit befindet sich der Entscheidungsprozess, wie die Liestaler Fasnacht von kommendem Februar coronabedingt aussehen könnte, in der heissen Phase. Letzten Donnerstag fand die sogenannte Gruppensitzung Fasnacht mit Fasnachtskomitee und allen Cliquen statt, an der erste Beschlüsse gefasst wurden.

Martin Klaus, neu im Fasnachtskomitee und voraussichtlicher Nachfolger des im nächsten Jahr zurücktretenden Präsidenten Ruedi Schafroth, sagt zum jetzigen Stand: «Wir dürfen mit Unterstützung des Stadtrats nach dem Vorbild von Basel für die nächstjährige Fasnacht ein OK Fasnacht 2021 bilden, in dem auch die Stadt Liestal vertreten ist.» Start und Konstituierung dieses OKs finden am Mittwochabend statt.

Zum konkreten Ablauf der Fasnacht 2021 lasse sich derzeit nur so viel sagen: «Die Umzüge finden eher nicht im bisherigen Rahmen statt.» Damit meint Klaus den traditionellen sonntäglichen Nachmittagsumzug, der am 21. Februar über die Bühne gegangen wäre, den Chienbäse-Umzug am gleichen Abend und den Kinderumzug am darauffolgenden Mittwoch. Konkreter will Klaus nicht werden. Das auch, um allfällige Ideen der Cliquen, die diese bis nächsten Freitag einreichen können, nicht vorzeitig abzuwürgen. Diese Ideen sollen dann vom OK auf ihre Realisierbarkeit geprüft werden.

Rotstab-Clique will nicht auf Fasnacht verzichten

Klartext spricht Stefan Juchli, Präsident der Rotstab-Clique und damit der bedeutendsten Liestaler Fasnachtsclique. Er hält fest: «Die Umzüge sind für die nächste Fasnacht gestorben und das Gässeln mit den vielen Kontakten in den teils engen Beizen ist in meinen Augen eher illusorisch.» Damit bestätigt er bezüglich Chienbäse-Umzug, was noch Fasnachtskomitee-Präsident Ruedi Schafroth im Juli gegenüber der bz bereits antönte: «Einen coronaverträglichen Chienbäse-Umzug gibt es nicht.» Entweder finde er im gewohnten Rahmen oder gar nicht statt.

Adrian Baumgartner, Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion, will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äussern, ob eine Bewilligung für das Aushängeschild der Liestaler Fasnacht mit jeweils 30'000 bis 50'000 Zuschauern überhaupt denkbar ist. Solange kein Gesuch vorliege, werde man nichts dazu sagen.
Zurück zur Rotstab-Clique: Diese will nicht ganz auf die Liestaler Fasnacht verzichten und reicht beim OK einen Vorschlag ein. Juchli holt aus: «Wir befinden uns mit unserem traditionellen Rotstab-Cabaret im Vorfeld der Fasnacht in einer speziellen Situation. Dieses findet nächstes Jahr wegen Corona nicht statt. Dafür haben wir einen Alternativvorschlag, der auf der Linie des Komitees mit dezentralen Aktivitäten liegt.»

Durchzogene Stimmung unter Fasnächtlern

Die Idee: Die Rotstab-Clique kann sich vorstellen, am Fasnachtssonntag und -mittwoch im KV-Saal jeweils dreimalig Kurzveranstaltungen mit Schnitzelbänken, Auftritten von reduzierten Guggen sowie den jungen Rotstäblern durchzuführen. Das vor einem Publikum von etwa 100 Personen, was einem Bruchteil des normalen Aufmarsches an Rotstab-Cabarets entspricht. Juchli betont aber: «Das ist erst eine Idee, es ist noch nichts fix.»

Zur Stimmung an der Fasnachtssitzung von letztem Donnerstag sagt Juchli: «Die war durchzogen. Es gab einen optimistischen Teil, der den Fasnachtsfunken am Brennen halten will. Und es gab pessimistische Stimmen, die fanden, der Aufwand lohne sich nicht.»

Die Rheinfelder Fasnacht fällt aus

In anderen Fricktaler Gemeinden tüfteln die Organisatoren an einem Plan B.

16 Monate, drei Wochen und vier Tage. So lange müssen sich die Rheinfelder Fasnächtlerinnen und Fasnächtler gedulden, bis sie das nächste Mal kostümiert durch die Strassen der Altstadt ziehen dürfen. Das wird erst Ende Februar 2022 sein. Denn: Die Fasnacht 2021 fällt aus. Das hat die Fasnachtsgesellschaft Rheinfelden gestern Montag bekannt gegeben.

«Es ist ein Vernunftsentscheid», sagt Präsident Roger Wendelspiess. Während den vier Fasnachtstagen seien jeweils Tausende Fasnächtler und Besucher in den Gassen und Beizen unterwegs. «Das Risiko einer Massenansteckung wäre bei einer Durchführung – selbst mit Schutzkonzept – zu hoch», sagt Wendelspiess. Eine Durchführung mit strenger Maskenpflicht und Abstandsregeln wäre in der Theorie zwar denkbar.

Offen ist, ob der «Füürball» stattfinden wird

Aber: «Wie soll das in den Beizen, am Schnitzelbankabend oder an den Umzügen möglich sein? Wer kontrolliert das Maskentragen in den dichten Menschenansammlungen?», fragt Wendelspiess. Der Entscheid sei sehr schwer gefallen, aber die Gesundheit sei wichtiger als «die immer sehr tollen Fasnachtstage».

Betroffen sind sämtliche Anlässe der Rheinfelder Fasnacht, mit einer Ausnahme: Offen ist, ob der «Füürball» am 30. Januar stattfinden wird. Das Organisationskomitee trifft sich in den nächsten Tagen, um einen Entscheid zu fällen. Dabei soll eine allfällige Durchführung mit Schutzkonzept geprüft werden. Nach Möhlin verkündet mit Rheinfelden bereits die zweite Fricktaler Fasnachtshochburg eine Absage. In Laufenburg, Kaisten und Kaiseraugst ist ein Entscheid noch nicht gefallen.

Kaiseraugst prüft Konzept für «Fasnacht light»

In Laufenburg treffen sich die Oberhäupter der Zünfte noch in dieser Woche mit den Stadtbehörden auf deutscher und Schweizer Seite. Ob bereits ein Entscheid falle, sei offen, sagt Martin Schmid vom Organisationskomitee der Städtlefasnacht. Spätestens im Oktober soll aber klar sein, wie die Fasnacht 2021 aussehen wird.

Klar ist auch hier: Wie gewohnt wird diese kaum stattfinden. Eine Durchführung samt grenzüberschreitendem Umzug und Guggen-Open-Air hält Schmid «angesichts der jetzigen Lage für unrealistisch». Aber: Einzelne Anlässe könnten mit einem Schutzkonzept vielleicht trotz Corona durchgeführt werden.

«Die Vorfreude auf die Fasnacht 2022 ist aber jetzt schon gross»

In Kaiseraugst haben die Organisatoren gar ein Konzept für eine «Fasnacht light» ausgearbeitet. Derzeit liegt es zur Genehmigung bei der Gemeinde. «Wir hoffen, wenigstens einige Anlässe durchführen zu können», sagt Mathias Hassler, Obmann des Fasnachtskomitees. 16 Monate, drei Wochen und vier Tage – so lange müssen sich die Rheinfelder Fasnächtler nun gedulden.

«Die Vorfreude auf die Fasnacht 2022 ist aber jetzt schon gross», sagt Roger Wendelspiess. «Ich bin überzeugt, dass sie dann noch stimmungsvoller und farbenfroher wird.»

Nadine Böni

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