Energiewende
In den Baselbieter Dorfkernen soll der Bau von Solaranlagen erleichtert werden

In Kern- und Ortsbildschutzzonen sollen Solaranlagen ausdrücklich zugelassen, anstatt nur restriktiv bewilligt werden. Eine Motion von FDP-Präsidentin Saskia Schenker hat der Landrat mit grossem Mehr überwiesen. Jahrelang sei hier zu wenig gelaufen, kritisierten Parlamentarier von bürgerlich bis grün.

Hans-Martin Jermann
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In anderen Kantonen sind die Regeln für Solaranlagen in Kernzonen oder an geschützten Bauten lockerer: In Amriswil TG wurde gar eine Anlage auf dem Annexbau der katholischen Kirche erstellt.

In anderen Kantonen sind die Regeln für Solaranlagen in Kernzonen oder an geschützten Bauten lockerer: In Amriswil TG wurde gar eine Anlage auf dem Annexbau der katholischen Kirche erstellt.

CH-Media-Archiv

Die Bewilligung von Solaranlagen in Ortskernen soll gelockert werden: Der Landrat hat eine Motion von FDP-Präsidentin Saskia Schenker mit 61 zu 24 Stimmen bei 3 Enthaltungen an die Regierung überwiesen. In der Debatte wurde von verschiedener Seite Ärger und Frust abgelassen. Frust darüber, dass die Bewilligungspraxis der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) für Solaranlagen in Kern- und Ortsbildschutzzonen zu restriktiv sei. Wo doch der Landrat bereits 2007 einen Vorstoss des heutigen BUD-Vorstehers Isaac Reber (Grüne) für eine Liberalisierung überwiesen habe.

Landrat entschied – doch die Verwaltung tat etwas anderes

«Wir diskutieren seit über zehn Jahren über dasselbe», sagte Schenker. Klaus Kirchmayr (Grüne) sah es als Armutszeugnis, dass überhaupt ein Vorstoss nötig sei. Das Parlament habe genau artikuliert, was es wolle; in der Praxis sei etwas anderes herausgekommen. Susanne Strub (SVP) forderte die Denkmalpflege auf, mit der Zeit zu gehen und über die Kantonsgrenze zu schauen. Dort sei es möglich, an geschützten Gebäuden und sogar an Kirchendächern Solaranlagen anzubringen.

Anders sah es Markus Dudler (CVP/GLP). Zwar könne er den Frust Schenkers verstehen, dass zu wenig laufe. Man würde die Forderung als abgeschwächtes Postulat unterstützen. Nicht aber als Motion. «Der Schutz der Ortsbilder ist auch wichtig», sagte Dudler – und fand ausgerechnet in Regierungsrat Reber einen Gesinnungsgenossen: Ein neues Gesetz sei nicht nötig, um den Anliegen Schenkers Rechnung zu tragen. Zudem gebe es andere Wege, als auf jedem Einfamilienhaus eine Fotovoltaikanlage zu errichten: «Mit grossen Anlagen auf Gewerbebauten kann man pro eingesetzten Franken viel mehr Strom produzieren», sagte Reber.

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