Muttenz
Eltern trauen Kindern keinen langen Schulweg zu

Im Dorf herrscht Aufregung, weil ganze Primarschulklassen in weiter entfernte Schulen wechseln müssen: Eltern fragen – die bz antwortet

Boris Burkhardt
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Wie viel Schulweg ist zumutbar? (Symbolbild)

Wie viel Schulweg ist zumutbar? (Symbolbild)

Keystone

Unter den Muttenzer Eltern herrscht Empörung: Wegen der Sanierung der Primarschule Gründen müssen einige Kinder auf andere, weiter entfernte Schulstandorte ausweichen und entsprechend längere Schulwege gehen. Das Problem ist, dass die Gemeinde die Primarschüler Gründen für die Bauzeit nicht mehr im Sekundarschulhaus Gründen unterbringen kann, wie ursprünglich geplant, weil der Kanton den Platz für die Sekundarschüler doch noch selbst braucht.

Seit die bz die Geschichte kurz vor Weihnachten aufgegriffen hat, haben viele Eltern auf dem Blog von Gemeinderat Thomi Jourdan ihre Sorgen über die Situation geäussert. Für den 28. Januar ist eine Infoveranstaltung der Gemeinde geplant. Vorerst hat die bz aber die wichtigsten Fragen der Muttenzer Eltern übernommen und Antworten in Gemeinde und Kanton gesucht.

1. Wir wohnen in Muttenz wegen der guten Schulen, und dann so was? Für was zahlen wir Steuern?

«Wir sind selbst auch unglücklich», beteuert die zuständige Gemeinderätin Franziska Stadelmann, selbst Mutter von drei Kindern: «Wir haben aber keine Alternativen». Die Präsidentin des Muttenzer Schulrates Edith Lüdin sieht in der Situation auch «keine optimale Lösung: Aber alles, was besser wäre, kostet Geld.»

2. War es nicht der Plan, dass alle Sekundarschüler das Hinterzweien besuchen? Weshalb sollen nun Sekundarschüler vom Margelacker ins Gründen zügeln?

Ursprünglich wollte der Kanton seine Sekundarschulen am Standort Hinterzweien zusammenfassen und kaufte der Gemeinde das Gebäude zu diesem Zweck ab. Den nötigen Erweiterungsbau habe der Regierungsrat aber aus finanziellen Gründen auf 2025 verschoben, bestätigt der Stellvertretende Kantonsarchitekt Marco Frigerio. Ursprünglich sollte der Bau bis 2019 fertig sein. Deshalb müsse ein Teil der Sekundarschüler entgegen der Planung nun länger im Gründen bleiben. Laut Frigerio können sie nicht ins Schulhaus Margelacker, weil dort im Gegensatz zum Gründen Spezialräume für den Unterricht fehlten. Der Kanton habe der Gemeinde erfolglos sechs Klassenzimmer im Sekundarschulhaus Gründen angeboten. Gemeinderat Jourdan erklärt gegenüber der bz jedoch, dass mit sechs Zimmern nur gerade drei Klassen aus der Primarschule Platz hätten, weil die Schule neben den Klassenzimmern auch Platz für Spezial- und Förderunterricht brauche. Eine Umverteilung von Klassen wäre also auch trotz Einmietung beim Kanton «in grossem Umfang nötig». Hinzu komme der Umverteilungsbedarf aufgrund der grösseren Anzahl Schulklassen mit der Umstellung auf sechs Primarschuljahre.

3. In welcher Form sollen die Kinder denn umplatziert werden? Werden ganze Klassen als Solches verschoben oder, je nach Situation, die Kinder auch einzeln in neue Schulhäuser eingeteilt?

Die Kinder sollen klassenweise zügeln, bestätigt Schulratspräsidentin Edith Lüdin. Individuelle Ausnahmen sollen aber möglich sein. Die Möglichkeit, die Klassen nach den Wohnorten der Schüler komplett neu zusammenzustellen, hätten Gemeinde und Schulleitung schnell verworfen, sagt Gemeinderätin Franziska Stadelmann: «Das wäre fast unmöglich durchzusetzen.»

4. Wie sollen die Mittagstische weiterhin funktionieren, wenn plötzlich Schüler vom Breiteschulhaus näher beim Mittagstisch West platziert werden und Schüler vom Gründen im Breiteschulhaus?

Hier macht Gemeinderätin Stadelmann ein klares Versprechen: Der Gemeinderat wird in beiden Mittagstischen notfalls Plätze aufstocken. Im Mittagstisch West habe es derzeit aber noch genug freie Plätze.

5. Fragt sich, ob dies trotz der geplanten Verkehrsschulung die Mama-Taxis nicht noch mehr fördern wird und somit der Schulweg noch gefährlicher wird.

Das Problem «Mamataxi» ist nicht neu. Stadelmann kann hier nur an die Vernunft der Eltern etablieren: «Es fördert die Selbstständigkeit und stärkt das Selbstwertgefühl des Kindes, den Schulweg selbst zu gehen.» Schliesslich würden nur ältere Kinder ab der vierten Klasse verlegt.

6. Stellt Container auf!

Diese Möglichkeit ist laut Stadelmann «sehr teuer» und scheitere am Platz. Die dortige Wiese gehöre dem Kanton, mit dem noch keine Gespräche darüber geführt worden seien.

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