Schulstart
Eltern sollen Einschultermin selber wählen können

Viele Kindergärtler sind mit dem frühen Schulstart überfordert. Nun zieht auch der Kanton Baselland die Notbremse.

Hans-Martin Jermann
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Im Baselland sollen künftig die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind ein Jahr später einschulen lassen möchten. (Symbolbild)

Im Baselland sollen künftig die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind ein Jahr später einschulen lassen möchten. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Baselbieter Eltern sollen künftig selbst über den Termin der Einschulung ihres Kindes entscheiden können. Nach dem Ja des Landrats zu einer entsprechenden Motion ist die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) derzeit daran, die Verordnung zu überarbeiten. Gestern hat eine Anhörung der BKSD mit Vertretern der Gemeinden und der Lehrerschaft stattgefunden.

Derzeit müssen die Erziehungsberechtigten ihr Kind ärztlich oder schulpsychologisch abklären lassen, wenn sie dieses später als vorgesehen ins erste Kindergartenjahr schicken wollen. Künftig ist dies nicht mehr nötig: Gemäss dem Entwurf ist die einzige Voraussetzung ein vorgängiges Gespräch mit der Schulleitung, wie Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) auf Anfrage erklärt. Selbstverständlich dürfen Eltern weiterhin und kostenlos den Schulpsychologischen Dienst in Anspruch nehmen, um den Entwicklungsstand ihres Kindes zu beurteilen – sofern gewünscht. Wann die neue Regel in Kraft tritt, ist laut BKSD offen.

Kinder sind im Schnitt jünger – Grund ist Verlegung des Stichtags

Mit der Änderung reagiert Baselland auf die Vorverlegung des Stichtags des Schuleintritts vom 30. April auf den 31. Juli im Rahmen von Harmos. Dies hat dazu geführt, dass beim Eintritt ins erste Kindergartenjahr die Jüngsten knapp vierjährig sind; das Durchschnittsalter ist gesunken. Viele Kinder seien mit dem frühen Start überfordert, begründete im Mai die damalige CVP-Landrätin Claudia Brodbeck ihren Vorstoss. Die Eltern seien für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich, daher sollen sie das Recht erhalten, die Einschulung um maximal ein Jahr hinauszuschieben. Der Landrat überwies die Motion mit 54 zu 21 Stimmen. Es gab aber auch Kritik. SP-Fraktionschefin Miriam Locher warnte davor, sämtliche Hürden zu beseitigen. Könnten die Eltern machen, was ihnen beliebe, würden die Ziele der Frühförderung unterlaufen.

Beim Verband Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) als Träger der Primarschulen begrüsst man die Änderung: «Die Gemeinden streben Bürgernähe an», sagt VBLG-Geschäftsführer Matthias Gysin. «Es ist eine unbürokratische und kostengünstige Lösung, die Entscheidkompetenz zur Einschulung den Eltern zu übertragen.» In den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern liegt diese bereits heute bei den Eltern.

Das Thema ist brisant: In Basel hat der Grosse Rat erst vergangene Woche eine ähnlich lautende Motion von Oswald Inglin (CVP) nur knapp überwiesen – beim Patt nach ideologischer Debatte musste Ratspräsident Heiner Vischer den Stichentscheid fällen. Keine Chance hatte ein zweiter Vorstoss Inglins, der auch Flexibilität beim Eintritt in die Primarschule gefordert hatte.

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