Dreharbeiten
Eine mexikanische Telenova mit Plüschtieren – und das im Oberbaselbiet

Der in der Region beheimatete Regisseur Garrick J. Lauterbach inszeniert einen Kurzfilm über ein Mädchen aus Mexiko. Das Drehbuch des Streifens ist im vergangenen Jahr in Winterthur ausgezeichnet worden.

Dimitri Hofer
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Martin Töngi

Das Kinderzimmer im ländlichen Oberbaselbiet könnte so ähnlich auch in einem mexikanischen Problemviertel anzutreffen sein. Da hängt ein kleines Kreuz an der Wand, es gibt einige dreckige Plüschtiere und einen Fernseher aus den Achtzigerjahren. Die Umgebung, in der das 10-jährige Mädchen, das hier spielt, aufwachsen muss, ist trostlos.

Lange haben der Regisseur Garrick J. Lauterbach und sein Team nach einem passenden Drehort für ihren neuen Kurzfilm gesucht. In Wenslingen stiessen sie auf ein seit längerer Zeit leerstehendes Haus aus den Sechzigerjahren, das einst als Fabrikgebäude gebaut wurde. Später nutzte man das riesige Anwesen um und machte daraus ein Wohnhaus. Die verwahrloste Liegenschaft ist an der Fassade mit Efeu behangen. Im Innern sieht es so aus, als ob die ehemaligen Bewohner erst kürzlich ausgezogen wären. Die sieben Zimmer sind noch immer eingerichtet, auch wenn die Möbel mittlerweile Staub angesetzt haben.

Crew besteht aus 17 Personen

Hier drehte eine 17-köpfige Filmcrew in den vergangenen drei Tagen einige Szenen für den spanischsprachigen Streifen «Soy tu Papá». Der Kurzfilm behandelt die Geschichte eines in Mexiko lebenden Mädchens, das sich in die Welt der in Lateinamerika beliebten Telenovelas flüchtet. Mit Teddybären spielt es die kitschigen Seifenopern nach. Beim Kind verschwimmen mit der Zeit die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Allmählich beginnt es, die Kontrolle über die eigene Fantasie zu verlieren.

Das Drehbuch zum Film erhielt im vergangenen Jahr an den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur den mit 12 000 Franken dotierten Shortrun-Preis. Zu dieser Summe gesellten sich Unterstützungsbeiträge des Fachausschuss Film und Medienkunst BS/BL, des Bundesamts für Kultur sowie der Burgergemeinde Bern. Das Buch stammt aus der Feder von Katja Morand, einer Worberin mit mexikanischen Wurzeln. «Als ich früher meine Grossmutter in Mexiko besuchte, schauten wir uns häufig gemeinsam Telenovelas im Fernsehen an», erinnert sie sich. Die Idee zur Geschichte kam ihr, als sie in Lissabon ein Kind beim Spielen beobachtete.

Zusammen mit ihr in der portugiesischen Hauptstadt war der Regisseur des Kurzfilms. Der in Reinach aufgewachsene und seit einiger Zeit in Basel lebende Garrick J. Lauterbach verwirklicht mit dem Streifen sein bisher ambitioniertestes Kurzfilmprojekt. In der Vergangenheit drehte er bereits einige Musikvideos, andere Kurzfilme und Werbespots. Einige davon wurden an renommierten Internationalen Festivals gezeigt. Der 28-Jährige studierte zwar Filmwissenschaft, brachte sich das Filmemachen aber autodidaktisch bei.

Arbeit von mittags bis spätabends

Um die Mittagszeit hat mit ein wenig Verzögerung der dritte und letzte Drehtag im Oberbaselbiet begonnen. Jedes Mitglied der grossen Crew weiss genau, was es nun zu tun hat. Einer hält die Kamera, eine andere schaut sich das Geschehen auf dem grossen Bildschirm an. Die Visagistin steht bereit, um der jungen Schauspielerin nach jeder Szene die Haare zu richten. Mittendrin ist Lauterbach und gibt auf seinem Regiestuhl – in Wenslingen handelt es sich dabei um ein in die Jahre gekommenes Sofa – lautstark Anweisungen.

Nach vier Versuchen ist eine Szene, in der das Mädchen ihre Plüschtiere in ein Puppenhaus legt, im Kasten. «Ist gekauft», ruft der Regisseur und ist zufrieden mit seiner Hauptdarstellerin, der Zürcherin Juliana. Kaum hat er die Worte ausgesprochen, beginnen bereits die Umbauarbeiten für eine andere Einstellung. In diesem Rhythmus geht es den ganzen Tag weiter, bis spätabends die letzte Szene abgedreht ist. In einem Studio im Stellwerk in Basel entstehen in den nächsten Wochen dann noch einige animierte Sequenzen.

Film soll an Festivals laufen

Fertig sein soll der aufwendige Kurzfilm, der rund 18 Minuten dauern wird, Ende Jahr. «Wir haben vor, den Streifen bei mehreren Festivals einzureichen. Dazu gehören auch die Solothurner Filmtage», sagt Garrick J. Lauterbach. Der Regisseur hat es geschafft, mittlerweile vom Filmemachen leben zu können. Gerne würde er sich nach dem vielen Kurzfutter bald auch an einem längeren Werk versuchen. «Natürlich wäre es mein Ziel, einen abendfüllenden Film zu drehen», sagt er, und kehrt auf seinem improvisierten Regiestuhl zurück.

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