Tanzen
Ein Tanzmarathon mit einem Förderpreis

«Dance Lab 3»: Junge Komponisten und Tänzer des Basler Balletts zeigen gemeinsame Arbeiten für einen Wettbewerb.

Alfred Ziltener
Drucken
Teilen
Dance Lab 3 am Theater Basel
10 Bilder
Dance Lab 3/ Grimja
Dance Lab 3 / Gene-Synapse
Dance Lab 3 / True Innocence
Dance Lab 3 / I am ?
Dance Lab 3 / Allein zu zweit
Dance Lab 3 / Fratres
Dance Lab 3 / A fleur de peau
Dance Lab 3 / Prisma
Dance Lab 3 / Elixir

Dance Lab 3 am Theater Basel

Die Jury sass in der ersten Reihe: George Gruntz, Stephan Schmidt, Rektor der Basler Hochschule für Musik (HSM), und Gianni Malfer, der Geschäftsführer des Berufsverbands Danse Suisse, verfolgten aufmerksam die Premiere von «Dance Lab 3» auf der Kleinen Bühne des Theaters Basel. Die Reihe «Dance Lab» gibt den Tänzern von Richard Wherlocks Basler Compagnie Gelegenheit, eigene Stücke zu erarbeiten. In diesem Jahr ist sie erstmals mit einem Wettbewerb verbunden.

Das Sperber-Kollegium, das alljährlich in Zusammenarbeit mit Basler Bildungsinstituten einen Jugend-Förderpreis vergibt, hat sich mit dem Ballett Basel und der Musikhochschule zusammengetan und einen Wettbewerb für Tänzer-Komponisten-Teams ausgeschrieben. Sechs Tänzer und sechs (teils ehemalige) Studenten der HSM-Kompositionsklasse haben sich beteiligt und präsentieren nun in der ersten Hälfte von «Dance Lab 3» die zu zweit erarbeiteten Stücke.

Grosses Engagement und Können

Nach der Pause waren vier weitere Choreografien hors concours zu sehen. Damit war der rund dreistündige, von der Compagnie mit grossem Engagement und Können getragene Abend allerdings überfrachtet. Dafür hätte man – beispielsweise in kurzen Gesprächen zwischen den Stücken oder in einer Diskussionsrunde am Schluss – gern mehr erfahren über die Art der Zusammenarbeit von Komponisten und Choreografen und die jeweiligen Erfahrungen und Erkenntnisse.

In diesem Artikel kann aus Platzgründen nur von den Wettbewerbsbeiträgen die Rede sein. Der Abend begann mit «Prisma» von Sara Wikström und Benedikt Wolfgang Schiefer. Dessen Partitur entwickelt aus einem repetierten Klavierton ein faszinierendes, farbenreiches Netz von Rhythmen, die sich ablösen, sich überlagern und in einem grossen Crescendo münden. Die erfahrene Choreografin geht frei mit ihnen um, setzt sie immer wieder in Spannung zu eigenen Rhythmen oder gar zur Bewegungslosigkeit auf der Bühne. Geschickt setzt sie zudem Farben und Licht ein.

In «Grimja» zeigt Sol Bilbao Lucuix zwei Frauen in identischem blauem Shirt – zwei Facetten einer Frau? oder doch Schwestern? – in einem Pas de deux, verstrickt zwischen Abstossung und Anziehung, Zweikämpfen und Zärtlichkeiten. Abril Padilla hat die Stimmen der Tänzerinnen und die Klänge, die beim Tanzen entstehen, als Kompositions-Material verwendet. Sie bindet das Lachen und Sprechen der Frauen ein in ein beunruhigendes Klanguniversum mit raschelnden Geräuschen und bedrohlichem Donnergrollen.

Eine Tonspur, auf der gleissende, grell gläserne Klänge mit dumpfem Krachen kontrastieren, hat Teresa Carrasco für «Match(ing) sounds» geschrieben. Doch sie geht noch einen Schritt weiter als ihre Kollegen und lässt die Tänzer in die Musik eingreifen: Mit einem Wii-Controller können sie Klänge erzeugen oder verändern. Die erste Choreografie von Jorge Garcia Pérez ist tempo- und bewegungsreich – ganz nach dem Vorbild Wherlocks. Einen besonderen Akzent setzen die kräftigen Farben von Mar Zaragozas Kostümen.

Mit einem Cello-Solo

Gemeinsam war fast allen Wettbewerbs-Partituren der Einsatz elektronischer Mittel. Einzig Matthias Renaud entschied sich in «A fleur de peau» für Live-Musik, ein Cello-Solo, das viele Klang- und Spielmöglichkeiten des Instruments einsetzt. Seth Woods setzte sie virtuos um. Cédric-Anselme Mathieu zeigt in seiner ersten Choreografie die wechselnden hetero- und homosexuellen Anziehungskräfte zwischen zwei Frauen und vier Männern. Der Schluss ist offen: Das Karussell wird sich weiter drehen. Das ist mit viel Leidenschaft choreografiert, in den Ausdrucksmitteln allerdings konventionell.

Konventionell blieb auch Debora Maiques Marins intensiver Pas de deux «Allein zu zweit» rund um zwei Stühle zu Klavier- und Schlagzeugklängen von Thomas Weber. Aufwändiger war «Gene-Synapse»: Roderick George lieferte eine Show, die alle Bühnenregister zog, mit kraftvollen Tänzen, futuristischen Schwarz-Weiss-Kostümen, Beleuchtungseffekten und Videos, die Keitaro Takahashis feingliedrige Computerklänge in flüchtige Lichtgespinste verwandelten.

Die Preisträger werden bei der letzten Vorstellung von «Dance Lab 3» am 26. Juni bekannt gegeben.

Aktuelle Nachrichten