Margarethenstich
Ein Geschenk aus der Stadt? Nein danke, sagen die Tramkritiker

Nach dem Nein des Baselbieter Stimmvolks könnte die Stadt die Tramlinie zwischen Binningen und Basel ohne Geld aus dem Land bauen. Doch eine Ampel, die zu Staus führen würde, gäbe es trotzdem.

Michel Ecklin
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Margarethenstich im Herbst.

Margarethenstich im Herbst.

Jonas Hoskyn / BLZ

«Eine Schweinerei!» – Roger Moll findet nur harte Worte dafür, dass die beiden Basel am Dienstag erklärt haben, den Margarethenstich wieder gemeinsam in Betracht zu ziehen. Der ehemalige FDP-Landrat aus Binningen hatte gegen die 300 Meter lange Tramstrecke entlang der Grenze zwischen Binningen und Basel das Referendum ergriffen, fast im Alleingang. Im Herbst 2017 sagten dann 57 Prozent der Baselbieter Nein zum Grossprojekt.

Ich kann nicht verstehen, warum man das Projekt ums Verrecken durchstieren will»,

sagt er jetzt. Und der ehemalige Therwiler SVP-Landrat Hans Jürgen Ringgenberg sieht «eine Missachtung des Volkswillens». Für beide ist klar: Sie werden gegebenenfalls wieder das Referendum ergreifen.

Nur über Basler Boden?

Doch womöglich werden sie als Baselbieter gar nicht die Gelegenheit dazu erhalten. Denn Basel-Stadt könnte die 300 Meter alleine bauen, ohne Geld aus Liestal. Das schlägt der Blogger Manfred Messmer vor, der 2017 die Kampagne der Befürworter verantwortet hatte. «Für Basel-Stadt und den Bund war das Ergebnis der Volksabstimmung das, was es war: kein Nein zum Projekt, sondern lediglich ein Nein zum Baselbieter Beitrag», schreibt er. Seiner Meinung nach würde der Margarethenstich nur über Basler Boden führen, weshalb es weder Geld noch Einverständnis von Baselbieter Seite bräuchte.

Allerdings ist fraglich, ob das räumlich wirklich machbar wäre. Sowohl die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion als auch das Basler Bau- und Verkehrsdepartement lassen auf Anfrage offen, ob ein Margarethenstich nur auf Basler Boden eine Option ist - mit dem Hinweis auf noch anstehende Diskussionen zwischen den Kantonen. Sie betonen, dass insbesondere die Kostenfrage noch offen sei.

«Unnötiges Luxusprojekt» stand auf den Plakaten

Nur: Die Gegner von 2017 würden den Margarethenstich auch nicht geschenkt nehmen. Auf ihren Plakaten hatten sie zur Abschreckung zwar noch eine goldene Tramlinie abgebildet, mit dem Slogan:

Unnötiges Luxusprojekt: 14 Mio. verschleudern!?

Doch eigentlich stören sie sich weniger an den Kosten als vielmehr daran, dass der Margarethenstich den motorisierten Individualverkehr aus dem Leimental bremsen würde.

Es wäre nämlich eine Ampel nötig, die zu Staus führen werde, so die Befürchtung. «Die Autos und den öffentlichen Verkehr gegeneinander ausspielen, das geht nicht», sagt Ringgenberg. Für Moll war die vorgesehene Ampel sogar der Hauptgrund, warum eine Mehrheit im Leimental 2017 gegen das Projekt war.

Grosser Rat entschied vor dem Baselbieter Nein

Und auch an der Basler Margarethenstrasse hätte das Projekt negative Folgen, sagt er. «Ich habe deshalb schon Kontakt aufgenommen mit kritischen Bewohnern im Gundeli.» Denn es gebe auch in Basel Margarethenstich-Gegner. Im Grossen Rat waren 2015 vor allem SVPler, aber auch einige Grüne gegen die Basler Beteiligung am Projekt. Das war noch vor der Abstimmung im Baselbiet.

Deshalb meint SVP-Grossrat Patrick Hafner, eine Neuauflage werde womöglich schon im Parlament scheitern:

Die Stadt sagte ursprünglich, man baue den Margarethenstich für die Baselbieter. Doch diese haben klar gesagt, dass sie nichts davon wissen wollen. Jetzt müssen wir in Basel sagen: Umso besser, verzichten wir drauf.

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