Filmemacher
Ein Filmtalent aus Diegten: John Paul Hofer gewinnt Kurzfilm-Preis

Der 21-jährige gewann mit seinem gesellschaftskritischen Kurzfilm «Gift» den Publikumspreis der Helvetas Clip Awards. Der junge Filmemacher liess 57 Mitbewerber hinter sich. Die nächsten Projekte sind bereits in Planung.

Michael Nittnaus
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Ein junger Mann läuft quer über den Meret-Oppenheim-Platz beim Hinterausgang des Bahnhof SBB. Immer wieder wechselt er die Position, äugt zwischen den beiden grossen Betonkugeln hindurch. Ein Auge geschlossen, blickt er durch ein Rechteck, das er mit seinen Daumen und Zeigefingern formt. «Dann wollen wir mal», sagt John Paul Hofer und zieht seine purpurne Samtjacke aus. Der 21-Jährige dreht an diesem Freitagnachmittag ein Musikvideo des zwei Jahre jüngeren Dornacher Rappers «Spin».

Weiterer Preis an Baselbieter

Beim Helvetas Clip Award 2012 stand das Thema fairer Handel im Zentrum. Unter dem Motto «No fair - No deal!» galt es, einen einminütigen Kurzfilm zu produzieren. Von 57 eingeschickten Beiträgen erhielten drei einen Jurypreis. Den Publikumspreis, den John Paul Hofer aus Diegten gewann, verdankt er den meisten Klicks auf Youtube. Den Valiant Jugendfilmpreis für Filmemacher unter 20 Jahren staubten ebenfalls Baselbieter ab: Der 15-jährige David Meury und seine jüngere Schwester Lena aus Reinach überzeugten mit dem Kurzfilm «Handgemachtes ist wertvoll». (mn)
www.clipaward.ch

«Ich will jungen Menschen wie ihm helfen, da ich selbst weiss, wie wichtig eine solche Starthilfe sein kann», sagts und klingt wie ein alter Hase. Und tatsächlich hat Hofer schon viel erlebt. Der gebürtige Diegter durfte vergangenen Donnerstag in Bern den Publikumspreis der Helvetas Clip Awards entgegennehmen.

Seinen einminütigen Kurzfilm «Gift» schauten sich bis heute 25 000 Menschen auf Youtube an: So oft wie keinen anderen der 57 eingereichten Beiträge. Im Film enttarnt Hofer das ignorante Unwissen der Konsumgesellschaft, welche (Kinder-)Hände ihre Luxusprodukte herstellen lässt. Der mit 1000 Franken dotierte Preis hat für Hofer dabei eine Bedeutung, die weit über den reinen Geldwert hinausgeht: «Bevor ich das Projekt in Angriff nahm, steckte ich in einer echten Sinnkrise.»

Geplatzter Dreh liess Hofer zweifeln

Im Mai dieses Jahres sei er mit einem Drehbuch im Gepäck nach Asien geflogen, um sein Traumprojekt zu verwirklichen. Vor Ort erlebte der halbe Philippino dann, wie Vorstellung und Realität zusehends auseinanderdrifteten. «Ich habe die schlechte Arbeitsmoral der einheimischen Filmcrew unterschätzt», erinnert er sich. Die Qualität rechtfertigte nicht die Mittel, die Hofer in das Projekt investieren wollte. Er zog die Notbremse. «Danach fiel ich in ein Loch, hatte keine Inspiration mehr.» Hofers Blick ist ernst, als er davon erzählt. Es ist offensichtlich, dass er noch immer daran zu nagen hat.

Sein Umfeld habe ihn gefragt, warum er es sich nicht einfacher mache und zurückkehre in den Detailhandel. «Das erfüllt mich nicht. Ich will mit Leidenschaft meinen Traum verfolgen und vom Filmemachen leben können.» Davon ist Hofer zwar noch ein gutes Stück entfernt, denn noch wohnt er in Diegten bei seinen Eltern. Diese stehen voll hinter den Plänen ihres Sohnes. Mittlerweile ist er einer der zwei Köpfe der Basler Climaxfilm GmbH, die Unternehmen anbietet, als Teamevent Kurzfilme zu drehen.

Konkret wurde der Traumberuf Filmemacher vor rund drei Jahren. Doch schon im Alter von zwölf habe ihn der Filmvirus befallen. «Ich war ein Aussenseiter, habe mich zurückgezogen und unzählige Filme geschaut. Die Kunst, die ich dort sah, imponierte mir so stark, dass ich selbst begann, einfache Filmchen mit dem Handy zu drehen.» Diese seien bei Freunden gut angekommen. Diese Bestätigung genoss Hofer und wurde selbstsicherer.

London ist das bessere Pflaster

Sein heutiges elegantes Auftreten mit purpurner Samtjacke, beiger Stoffhose und edlen hellbraunen Lederschuhen erklärt Hofer dann auch mit einem leichten Hang zum Narzissmus. «Das gehört in der Filmbranche dazu, denn ich muss nicht nur mein Produkt, sondern auch mich als Person gut verkaufen können.»

Dass die Schweiz dafür ein hartes Pflaster ist, sei ihm schnell bewusst geworden. Deswegen ging er früh ins Ausland und belegte Kurse an der New York Film Academy und der London Met Film School. «Das war extrem faszinierend und die Lehrer motivierten mich, weiterzumachen.» Hofer hat bereits klare Pläne: Nächsten Herbst beginnt er in London ein Bachelor-Studium. Auch wenn Hofer als einen seiner Lieblingsregisseure Quentin Tarantino nennt, will er ihm einst nicht nach Hollywood folgen: «Da ist man nur ein kleines Rädchen in einer riesigen Maschinerie. Ich will selbst über meine Filme entscheiden können.»

Urs Wüthrich hilft Hofer

Aber auch in Baselland steht 2013 ein grosses Projekt an - bei dem sogar Kulturdirektor Urs Wüthrich seine Finger im Spiel hat: Der Regierungsrat stellt Hofer das Landgut Castelen bei Augusta Raurica als Location zur Verfügung, erzählt Hofer voller Begeisterung. Junge Modedesigner aus der Region gestalten einen Kurzfilm im Setting der 1920er Jahre. Beim Budget von 30 000 Franken hoffen sie noch auf Gelder aus dem Lotteriefonds.

Die Gegenwart heisst allerdings Musikvideodreh mit Rapper «Spin»: Auch wenn es ein Ein-Mann-Job ist, nimmt ihn Hofer ernst. Er gibt dem sichtlich nervösen Teenager Instruktionen, testet verschiedene Einstellungen und ignoriert die Schaulustigen um ihn herum. Nach mehreren Durchgängen atmet Spin auf. Doch Hofer lacht nur und meint: «Das war gut - aber bitte alles nochmals von vorn.»