«Fair Battles»
Ein Fairplay-Projekt für eine bessere Welt

Fairplay-Projekt Sekundarschulen messen sich im Liestaler Rotacker-Schulhaus im Tischfussball und kämpfen für eine bessere Welt.

Simon Tschopp
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Tischfussball auf die unfaire Art – die einen Figuren sind handicapiert, andere im Vorteil.

Tischfussball auf die unfaire Art – die einen Figuren sind handicapiert, andere im Vorteil.

Nicole Nars-Zimmer

Laut, stimmungsvoll, begeisternd – wie in einem Fussballstadion. Auch die grosse Anzeigetafel ist unübersehbar. So ist die Ambiance am «Töggeliturnier» in der Aula des Liestaler Rotacker-Schulhauses, wo sich die dortige Sek und die Sekundarschule Reigoldswil im fairen Wettstreit messen. Schon auf den ersten Blick entdeckt man, dass die «Töggelikasten» unkonventionell daherkommen. Die Männchen an den Stangen sind umgestaltet, an den Innenwänden sind Kleber angebracht, die für eine gerechtere Welt werben.

«Fair Battles» nennt sich das vom Verein Fairplay initiierte Projekt. Thematisch werden der reiche Norden und der arme Süden gegenübergestellt: da wir in der reichen Schweiz, dort die in Ländern mit grosser Armut. «Wie sorgen wir für mehr Gerechtigkeit auf der Welt? Und wie können wir das praktisch darstellen und erleben?», fragte sich Bryan Haab, Projektleiter von «Fair Battles», im vergangenen Jahr. Seine Idee: spielerisch Kinder und Jugendliche dafür sensibilisieren. Mit Begriffen wie «arm» und «reich», «fair» und «unfair». Entstanden ist «Fair Battles» (deutsch: gerechter Kampf), das auch im Sinn der Lehrpläne ist. «Geiz ist geil» mache die Welt schlecht, besser sei «Geiz ist nicht geil», ist Haab überzeugt.

Anhand dieser Vorgaben haben die Schülerinnen und Schüler mit Fachlehrern Tischfussballspiele und deren Männchen in Rot – gewinnt fast immer – und Blau umgebaut. Hinter jeder Figur steckt ein Charakter. Ein Beispiel von «arm»: Nilakshan aus Bangladesch, Stürmer. Sie hat ein Fabrikfeuer überlebt, ist trotz allem glücklich und zufrieden und hat einen starken Willen. Sie hat als Kind beide Eltern beim Fabrikbrand verloren, ist handicapiert mit Verbrennungen im Gesicht, hat schlechte Arbeitsbedingungen und einen Hungerlohn. Die Figuren werden von einer Jury bewertet (siehe Box). «Es war sehr inspirierend. Die Kinder konnten den Inhalt erfassen», sagt Fredi Jaberg über die Arbeit mit seinen Schützlingen. Weiter meint der Lehrer für Technisches Gestalten und Bildnerisches Gestalten an der Sek Reigoldswil: Die Kinder, so klein sie seien, übernähmen in ihren Möglichkeiten Verantwortung, ein Beitrag zu sein in einer Wirtschaftskette, sodass es nicht unfair sei. «Das finde ich spitze!»

Projekt soll ausgedehnt werden

Miguy Tueba findet das Turnier «toll». Sie besucht im Rotacker die 1. Klasse, hat ihre Wurzeln in der Demokratischen Republik Kongo, ist aber in Liestal geboren. «Ich finde diese Art gut, zwischen fair und unfair zu unterscheiden.» Und Alex Burkhalter, Drittklässler aus Reigoldswil, setzt einen drauf und lobt das Turnier mit «geil». Es sei lustig gewesen, diese «Töggelikasten» zu bauen. Ob diese Fairplay-Aktion ihn beim Einkaufen oder bei Tätigkeiten künftig beeinflusse, wisse er nicht.

Das Engagement des Vereins Fairplay beschränkt sich momentan aufs Baselbiet. Für nächstes Jahr sucht die Sek Frenkendorf einen Herausforderer. Dieser könnte aus Basel sein, damit Fairplay seinen Aktionsradius ausdehnen kann. Laut Bryan Haab soll sich «Fair Battles» bis in ein paar Jahren schweizweit etablieren.

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