Bucherscheinung
Dinodisco, Fundgrube, Lachsfeind – Geschichten rund um die Birs

Die Birs entspringt im bernischen Jura und fliesst durch den Jura nach Basel. Während all der Jahre ist sie Schauplatz zahlreicher Ereignisse gewesen. Dinosaurier, erste Menschen und Römer haben sie geprägt. Ein neues Buch von Niklaus Starck geht dem Fluss auf die Spur.

Jolanda Sauta
Drucken
Teilen
Früher gab es einige stürmische Stellen in der Birs.
5 Bilder
Heute sind sie durch den Menschen begradigt oder andersweitig an seine Bedürfnisse angepasst worden.
Das Wuhr bei Münchenstein ist ein zu grosses Hindernis für Wanderfische.
1958 wurde der letzte Lachsfang im Rhein dokumentiert.
Die Birs zieht sich durch eine pittoreske Landschaft, bis sie schliesslich bei Basel in den Rhein mündet.

Früher gab es einige stürmische Stellen in der Birs.

Peter Birmann

Wo die Birs in den Rhein mündet, ist sicher vielen aus der Schulzeit bekannt. Doch wie viel wissen wir wirklich über die Täler rund um diesen Fluss, dessen Quelle im bernischen Jura liegt und insgesamt 28 Gemeinden in fünf Kantonen durchquert?

Von diesen Geschichten handelt das Buch «Die Birs» des Basler Autors Niklaus Starck. Zum einen geht es historischen Aspekten in und um die Birs auf den Grund. Zum anderen bietet es Einblick in die Natur des Flusses, den viele Baselbieter als ihren Heimatbach bezeichnen.

Bereits die Dinosaurier lebten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz

Die Dinosaurier hinterliessen ihre Spuren unter anderem in einer der Birsklusen, in den «Gorges de Moutier». Dort seien so viele Saurierspuren gefunden worden, dass Paläontologen gar von einer «Dinodisco» sprachen, schreibt Starck.

Weiter stromabwärts wurden mit dem Fund des Faustkeils von Pratteln erste Beweise der Anwesenheit von Menschen sichtbar. Der Silex wurde keine fünf Kilometer vom Lauf der Birs entfernt entdeckt. Im Einzugsgebiet von Augusta Raurica wurden zahlreiche Hinweise auf die Präsenz römischer Gutshöfe, Villen und Wasserleitungen gefunden. So auch in den Gemeinden Liesberg, Laufen, Muttenz, Pratteln und Liestal, die alle untereinander mit einer Art «Wegnetz» verbunden sind.

Die Birs

Niklaus Starck, 222 Seiten

Porzio Verlag, 2020, 45 Franken.

Genau so vernetzt sind auch die Informationen und Illustrationen im Buch. Die Geschichte beginnt am Ursprung der Birs, sowohl zeitlich als auch geografisch. Beinahe jede Seite ist mit Zusatzinformationen angereichert: So erfahren die Leserinnen und Leser etwa, weshalb ein einfacher Brief Laufen-Paris den Durchgangsstempel von Pruntrut trägt, was es mit der Fürstbischofs-Pastete auf sich hat oder wie die Bezeichnungen «Kuhschweizer» und «Sauschwob» entstanden sind.

Wenn keine Textbox den Buchrand ziert, ist es ein Zitat rund ums Thema Wasser oder Flüsse von Leonardo da Vinci, Friedrich Nietzsche oder Häuptling Seattle: «Erst, wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.»

Früher Fischparadies, heute Zugang verwehrt

Die Birs nimmt vor ihrer Einmündung in den Rhein insgesamt 27 kleinere Gewässer auf. Sie soll einst wegen ihres allzeit kühlen Wassers ein Paradies für wandernde Fische wie Lachse, Bachforellen, Äschen und Grundeln gewesen sein, berichtet Starck.

Mit dem Bau eines Wuhrs, einer Art Hochwasser-Schutzdamm, bei Münchenstein im Jahr 1625 griffen die Menschen in den natürlichen Lauf der Birs ein. Denn so wurde den Wanderfischen der Zugang zu den birsaufwärts liegenden Laichplätzen verwehrt.

1958 wurde der letzte Lachsfang im Rhein dokumentiert

Im Buch ist etwa nicht die Rede von einem sich aus dem Rhein zurückgezogenen Lachs, sondern von einem systematisch ausgesperrten Lachs. Am Seitenrand rundet ein Gedicht von Christian Morgenstern das Thema ab: «Drei Wochen stand der Salm am Fuss der Wasser-Alm. Und kehrte schliesslich stumm nach Deutsch- und Holland um.»

«Die Birs» enthält sowohl unterhaltsame Themen als auch tiefgründige Geschehnisse. Zudem bringen die Fotos von Stephanie Meier die unterschiedlichen Seiten des über 74 Kilometer langen Gewässers hervor. Zurecht stellt sich hier die Frage: Welche Farbe hat die Birs?

Aktuelle Nachrichten