«Mister Gay-Wahl»
Dieser Ständerat macht sich stark für Mister Gay

Der SP-Ständerat Claude Janiak unterstützt Yannick Müllers Kandidatur zum schönsten Homosexuellen der Schweiz. Janiak entsetzt, mit welchen Repressalien Homosexuelle nach ihrem Outing heute noch rechnen müssen.

Alessandra Paone
Drucken
Teilen
Einsatz für Mister Gay: Claude Janiak. (Archiv)

Einsatz für Mister Gay: Claude Janiak. (Archiv)

Keystone

Heute Abend ist es so weit. Der Liestaler Yannick Müller könnte im Théâtre La Fourmi in Luzern zum schönsten Schwulen der Schweiz gekürt werden («Der Sonntag» berichtete). Der 21-Jährige geniesst breite Unterstützung durch seine Freunde, Berufskollegen – und seitens der Politik. Für den Endspurt seiner Mister-Gay-Kandidatur konnte Müller den Binninger SP-Ständerat Claude Janiak gewinnen.

Die Organisatoren der Mister-Gay-Wahl haben den Kandidaten die Möglichkeit gegeben, eine prominente Person aus ihrer Region um Unterstützung anzufragen. «Ich habe mir lange überlegt, ob und wie ich Herrn Janiak anfragen soll», erzählt Müller. Als er dann die E-Mail nach mehreren Anläufen endlich passend formuliert und abgeschickt hatte, ging alles ziemlich schnell. Noch am selben Tag erhielt er eine Antwort von Janiak, und kurz darauf haben sich die beiden getroffen. Müller: «Das hat mich sehr beeindruckt.»

«Ein offener Mensch»

Für Claude Janiak entschieden hat sich Müller, weil ihm seine Art zu politisieren gefällt, und auch die «normale Art», wie er mit seiner Homosexualität umgehe. Er habe den Parlamentarier zwar nur aus den Medien gekannt, seine Meinung von ihm habe sich aber bestätigt. «Er ist ein offener und herzlicher Mensch», betont der Liestaler. Infrage gekommen wären auch der Gelterkinder Sänger Baschi, der Basler Rapper Black Tiger und die Basler Band Lovebugs. Doch mit dem Politiker kann sich der Baselbieter Kandidat, der sich im Kantonsspital Liestal zum Fachmann Gesundheitsteam ausbilden lässt, am besten identifizieren. Seine politischen Kenntnisse stuft Müller nicht als fundiert, aber als genügend ein: «Ich interessiere mich für die aktuellen politischen Themen, kenne aber nicht alle Details.»

Claude Janiak hält zwar nicht viel von «all diesen Miss- und Mister-Wahlen oder von der Suche nach angeblichen Talenten». Aber im Fall von Yannick Müller sieht er die Übung als Gelegenheit, zur Entkrampfung des Themas beizutragen und Jugendlichen, die in der gleichen Situation sind wie er, Mut zu machen. Erschüttert haben den Ständerat im Gespräch mit Müller dessen Berichte über verbale und körperliche Angriffe, welche die Bewerber «sich auch heute noch, sechs Jahre nach der Abstimmung über das Partnerschaftsgesetz», gefallen lassen müssen. Auch der Hass, der den Kandidaten vorab von Jugendlichen mit südosteuropäischem Migrationshintergrund entgegenschlägt, findet der 63-Jährige schlimm.

Janiak, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, findet aber nicht, dass das Thema Homosexualität speziell in den Medien aufgegriffen werden soll. «Es soll dann zum Thema werden, wenn Personen diskriminiert und Angriffen ausgesetzt werden. Das kommt leider wieder vermehrt vor.» Der SP-Politiker wird heute Abend den Auftritt seines Schützlings in Luzern allerdings nicht mitverfolgen können.

Aktuelle Nachrichten