Trockenheit
Diese Gemeinde macht Ernst: Hier ist Rasen sprengen verboten

Als erste Gemeinde verbietet Reigoldswil das Verschwenden von Wasser. Doch Bussen gibt es nicht, stattdessen setzt man auf die Einsicht der Bürger.

Michel Ecklin
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Trockenheit in Reigoldswil
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...wegen der Trockenheit soll kein Wasser verschwendet werden.

Trockenheit in Reigoldswil

Martin Toengi

Es will und will einfach nicht regnen, und im Oberbaselbiet fliesst immer weniger Wasser aus den Quellen. Langsam wird das Trinkwasser knapp, weshalb zahlreiche Gemeinden ihren Bewohnern nahe legen, sorgfältig mit dem wertvollen Nass umzugehen. Bisher handelt es sich immer nur um Empfehlungen – ausser in Reigoldswil. Dort ist es seit zwei Wochen verboten, unnötig Wasser zu verwenden.

So weit ist in der Region bisher keine Gemeinde gegangen. Ausdrücklich untersagt sind zuhinterst im «Föiflibertal» das Bewässern von Rasen, das Waschen von Fahrzeugen, das Befüllen von Schwimmbädern, die Entnahme von Wasser aus Bächen und Reinigungsarbeiten unter fliessendem Wasser. «Wenn man wirklich Wasser sparen will, muss man ein Verbot aussprechen», so begründet Gemeindepräsident Urs Casagrande den rabiaten Entscheid. «Nur so ist es klar, was erwünscht ist.»

Mit den Verboten hat Reigoldswil bereits in den Hitzesommern 2003 und 2011 gute Erfahrungen gemacht. Polizeilich umgesetzt werden sie aber nicht. Dafür müsste der Gemeinderat den privaten Sicherheitsdienst aufbieten, der für Sicherheit und Ordnung zuständig ist. «Das können wir uns nicht leisten», sagt Casagrande. Und einen Patrouillendienst gebe es nicht.

Mit dem Velo Bussen verteilen

Stattdessen setzt der Gemeinderat auf soziale Kontrolle. «Wer spazieren geht und sieht, dass zum Beispiel jemand den Rasen sprengt, kann mit der betroffenen Person reden», erklärt er. Das erfahre meist auch der Gemeinderat. «Dann reden auch wir mit der Person, die Wasser verschwendet», sagt der Gemeindepräsident. Er ist sich bewusst, dass im kleinen Reigoldswil die soziale Kontrolle funktioniert. «Bei uns geht so etwas, in einer grösseren Gemeinde vermutlich nicht.»

Auch in Ormalingen hat man sich ein Verbot für gewissen Wasserkonsum überlegt. «Aber wer hätte es umsetzen sollen?», fragt sich Gemeindepräsidentin Verena Schürmann. Auch hier ist das Wasser knapp, und Gemeindemitarbeiter können die Einwohner auf Verschwendung aufmerksam machen, wenn sie zum Beispiel ihr Auto waschen. Aber der Flyer, den der Gemeinderat letzte Woche herausgegeben hat, ruft nur zum freiwilligen Sparen auf.
Als Gemeindepräsidentin könnte Schürmann selber ein Verbot durchsetzen. «Aber ich möchte nicht mit dem Velo in der Gemeinde herumfahren und Bussen verteilen.»

Stattdessen appelliere man an den gesunden Menschenverstand. «Am 1. August hat es auch geklappt, die Leute haben von sich aus auf Feuerwerke verzichtet», stellt sie fest. «Und das Wasser Sparen ist im Bewusstsein der Ormalinger.»

Konsum ist gesunken

Letztlich läuft es in Reigoldswil nicht viel anders. Seit Jahren mache man an den Gemeindeversammlungen auf die schwierige Wasserversorgung aufmerksam, sagt Casagrande. «Die Bevölkerung weiss, dass jetzt das Wasser knapp ist.» Jedenfalls ist ihm nicht bekannt, dass jemand diesen Sommer gedankenlos Wasser verbraucht hätte. In den vorherigen Trockenheitsperioden habe es «vielleicht mal jemanden gegeben».

Bussen verteilt hat der Reigoldswiler Gemeinderat aber noch nie – obwohl das Wasserreglement das ausdrücklich erlauben würde. Auch so ist der Wasserkonsum seit Einführung des Verbots vor einigen Wochen bereits gesunken, stellt Casagrande fest. «Ob wegen der vielen Ferienabwesenheiten im Dorf oder wegen unseres Verbots, kann ich natürlich nicht sagen.»

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