Landrat
Die Zeiten auf Knopfdruck sind für Urs Hess vorbei

Urs Hess blickt zurück auf seine Zeit als Landratspräsident. Der Scheidende reflektiert mit humorvoller Sicht den Umgang mit Knöpfen, Glocken und ethischen Fragen.

Boris Burkhardt
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Urs Hess (mit Ehefrau Irene) kanns nicht lassen: Fast könnte man meinen, er läutete auch gestern auf dem SVP-Fraktionsausflug in Wenslingen noch eine imaginäre Glocke. Boris Burkhardt

Urs Hess (mit Ehefrau Irene) kanns nicht lassen: Fast könnte man meinen, er läutete auch gestern auf dem SVP-Fraktionsausflug in Wenslingen noch eine imaginäre Glocke. Boris Burkhardt

Herr Hess, jetzt haben Sie den Präsidentenstuhl geräumt. Werden Sie nach der Sommerpause wieder als knallharter Oppositionspolitiker agieren?

Urs Hess: Ich werde natürlich weiterhin in der Fraktion mitarbeiten. Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt nicht mehr neutral sein muss. Ich darf jetzt wieder meine Meinung verbal ausdrücken, statt nur den Knopf zu drücken. Ich bin aber kein Profilneurotiker wie gewisse Kollegen.

Fällt Ihnen heute eine Last von den Schultern?

Ich habe mein Präsidentenamt nie als Last empfunden. Die Arbeit war sehr intensiv; und jetzt freue ich mich auf mehr Freizeit. Aber bei einer so befristeten Amtszeit kann man sich ja darauf einstellen. Es war eine tolle Zeit im Landrat; und offensichtlich haben es mir meine Kollegen nie übel genommen, dass ich immer etwas vorwärtsgemacht habe (lacht).

Nicht übel genommen? Von manchen Kollegen wurden Sie als sehr streng bezeichnet, von anderen als albern.

Das gehört beides zusammen. Man braucht eine klare Linie, darf aber auch kein sturer Bock sein. Offenheit und Humor gehören für mich zum Leben.

Und welches Verhältnis hatten Sie zu Ihrer Glocke?

(Lacht.) Kein spezielles. Für mich ist es eine Frage des Anstandes, dass man ruhig bleibt, wenn andere reden. Mit der Glocke verschaffte ich den Leuten Gehör. Man muss solche Unarten im Keim ersticken. Es braucht Zeit, ein Geschäft ausführlich zu diskutieren; da möchte ich von meinen Kollegen kurze, knackige Voten haben.

Vorhin haben Sie erwähnt, dass Sie nur Knöpfe drücken durften. Knöpfedrücken war ja auch so ein Thema in Ihrem Amtsjahr. Fanden Sie das lustig oder peinlich?

Das war schon undiszipliniert. So etwas darf nicht einreissen. Das schwächt das Parlament und ist dessen nicht würdig. Es wäre eigentlich besser gewesen, wenn alle das Ergebnis bereits nach der ersten Abstimmung akzeptiert hätte. Das ist für mich auch ein bisschen eine ethische Frage.

Haben Sie noch gute Tipps, die Sie Ihrem Nachfolger in seine Amtszeit mitgeben wollen?

Jürg Degen braucht keine Tipps von mir. Ich bin überzeugt, dass er seine Sache gut machen wird. Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen über den Betrieb im Landrat und vor allem über Anstand.

Lesen Sie das ganze Interview in der heutigen bz.

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