Niederdorf
Die Zeit des Schlüssels ist im Seniorenzentrum Gritt vorbei

Das Gritt Seniorenzentrum Waldenburgertal in Niederdorf, eröffnet vor zwei Jahren, gilt als eine der modernsten Pflegeeinrichtungen der Schweiz.

Lukas Huber (Text und Foto)
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Der Badge öffnet jeden Raum zu dem der Träger auch Zutritt haben soll oder muss.

Der Badge öffnet jeden Raum zu dem der Träger auch Zutritt haben soll oder muss.

Ob es derzeit gar jenes auf dem technisch höchsten Ausbaustand ist? «Mir ist jedenfalls keines bekannt, das so früh schon so weit war», sagt Markus Leser, Leiter Fachbereich «Menschen im Alter» bei Curaviva Schweiz.

Es ist also kein Zufall, dass der Dachverband der Heime und Pflegeinstitution das Oberbaselbieter Altenheim zur Präsentation seines neuen Technik-Portals auserkoren hat. Das heisst CuraSolutions, ist seit gestern online und soll den Mitgliedern künftig mit allerlei Wissenswertem zu technischen Einrichtungen und Produkten dienen. Auch der Werbe-Clip, der sich auf der Website www.curasolutions.ch findet, wurde in Niederdorf produziert.

Während aus Japan Nachrichten von Pflegerobotern in Altersheimen von sich reden machen, ist der Ansatz der Integration von Technik in Pflegeeinrichtungen hierzulande ein anderer. Leser bringt es mit einem schlichten Satz auf den Punkt: «Wir fragen nicht, was technisch möglich ist, sondern was der Mensch braucht.»

Mit dieser Fragestellung wurde auch die technische Ausrüstung des Seniorenzentrums Gritt angegangen. Dabei lag der Fokus etwa auf der Sicherheit. So verfügt jeder Zugang über ein elektronisches Alarmierungssystem, Kameras und Weglaufschutz. In den Holzböden der Bewohnerzimmer befinden sich Drucksensoren; wer einer freiheitsbeschränkenden Massnahme unterliegt, wird bei Berührung registriert, die Pflegekräfte, ausgerüstet mit Telefonen, werden alarmiert.

Jeder nach eigenem Bedürfnis

«So schaffen wir es, das Schutzbedürfnis jedes einzelnen Bewohners individuell abzustimmen», erklärte Ernst Dill, ehemaliger Zentrumsleiter und als solcher massgeblich mit dem technischen Ausbau betraut. Das gilt auch für die Zugänge zu den einzelnen Stockwerken und Abteilungen. Da sämtliche Mitarbeiter und Bewohner mit einem eigenen Badge ausgerüstet ist, hat jeder seine eigene Freigabestufe. Auch der Zugang zu ihren Zimmern erfolgt für die Bewohner per Badge.

«Die Akzeptanz ist gross», erklärte Stephan Hall, der aktuelle Zentrumsleiter, und für manchen sei der Badge sogar zum Statussymbol geworden. Dieser dient auch zum bargeldlosen Zahlen im hauseigenen Restaurant. Auch die Fernseher gehören zum Service und sind im Mietpreis inbegriffen, über die Hauskanäle werden Anlässe wie etwa der Herbstmarkt am 25. September live in die Zimmer übertragen, die Tresore der Bewohner öffnen per Fingerabdruckscan, die Kaffeemaschinen sind vernetzt und geheizt, belüftet und belichtet wird von der Kommandozentrale aus. Dass die Drucker ihre Tonerkartuschen automatisch bestellen und das ganze Gebäude mit WLAN ausgestattet ist, bedarf da eigentlich keiner Erwähnung mehr; ja, das Gritt ist auch ein «Smart Home».

Eigentlich nur Nebeneffekt

Denn zwar liesse sich diese Liste fast endlos fortsetzen. Für Zentrumsleiter Hall ist die wertvollste Technik-Installation aber die Vernetzung von drahtloser Pflegedokumentation, Personalverwaltung, Finanz- und Lohnbuchhaltung, Pflegeeinstufung, Dienstplanung und Heimverwaltung. Das schaffe Transparenz, Sicherheit, stets aktuelle Daten und eine Vereinfachung der Abläufe, so Hall. «Unser Aufwand hat sich dadurch massiv reduziert. Die Qualität der IT etwa hat sich als derart hoch erwiesen, dass wir dafür keine Mitarbeiter brauchen.» Trotz dieser doch enormen Investitionen gehört das Gritt zu den günstigsten Alterseinrichtungen im Kanton.

«Technik ersetzt Pflege nicht», sagte Markus Leser abschliessend: «Sie entlastet sie.» Darum ist es gut, dass die Wäsche heute codiert ist. Das ermöglicht das Waschen in house und spart Kosten ein. Darum ist es auch gut, dass die Mitarbeitergarderoben mit einem Zutrittsleser versehen sind. Seither gab es nämlich keine Diebstähle mehr.

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