Reinach
Die Idee des Ortsbusses ist wieder aufgetaucht – diesmal mit Unterstützung des Kantons

Vor neun Jahren hielt das Volk einen Bus in Reinach West für zu teuer. Jetzt taucht die Idee unter etwas anderen Vorzeichen wieder auf.

Merken
Drucken
Teilen
In der abgelehnten Vorlage von 2011 hatte der Gemeinderat sehr tiefe Benutzerzahlen prognostiziert. (Symbolbild)

In der abgelehnten Vorlage von 2011 hatte der Gemeinderat sehr tiefe Benutzerzahlen prognostiziert. (Symbolbild)

Kenneth Nars

Das Verdikt der Reinacher Stimmbürger war deutlich: Mit einem Nein-Anteil von fast zwei Dritteln lehnten sie 2011 einen Ortsbus ab. Dieser hätte die Westflanke der Gemeinde entlang des Bruderholzes bedienen sollen. Fast alle politischen Kräfte in Reinach hatten sich für den Probebetrieb ausgesprochen. Nur die SVP kämpfte erfolgreich dagegen.

Und jetzt ist die Idee eines Ortsbusses wieder aufgetaucht, nämlich an einer Dialogveranstaltung mit Rebbergbewohnern. Der Gemeinderat schrieb als ein Fazit des Anlasses: «Der Betrieb eines Ortsbusses soll geprüft werden.» Dazu solle ähnlich wie vor zehn Jahren dem Einwohnerrat eine Vorlage unterbreitet werden. «Es wäre falsch zu behaupten, es hätte sich in den betroffenen Quartieren in den vergangenen Jahren etwas grundsätzlich geändert», räumt Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP) ein. Allenfalls wirke sich die demografische Entwicklung im Quartier aus, «der Altersdurchschnitt ist wohl nicht tiefer geworden». Zudem gebe es den generellen Trend, dass man mobil sein wolle, ohne individuell motorisiert zu sein.

Was sich in den vergangenen zehn Jahren sicher geändert hat: Die Gemeinden im Birstal haben sich zur Birsstadt zusammengeschlossen. Gerade Mobilitätsfragen will man vermehrt über die eigenen Gemeindegrenzen hinweg angehen. Neulich war laut Buchs der Ortsbus in der Regionalplanungsgruppe der Birsstadt ein Thema. «Die Idee hat Potenzial», ist er überzeugt, «vor allem, wenn wir den Bus bis zum Bahnhof Münchenstein weiterziehen.» Damit wäre Reinach an die S-Bahn angeschlossen. Buchs verbindet damit aber auch eine weitere Hoffnung: Dass Münchenstein den Bus mitfinanziert.

Dort lässt Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP) aber wenig Zahlungsbereitschaft erkennen. Auf eine Diskussion über eine Verlängerung werde man sich zwar einlassen, sagt er. Aber zum Bahnhof fahre neben dem (kantonal finanzierten) Bus 63 auch der Ortsbus 58, «und den zahlen wir auch selber». 2011 hatte Münchenstein kein Interesse an einer Verlängerung bis zum Bahnhof gezeigt.

Das Thema Ortsbus kommt in Reinach alle paar Jahre wieder auf.

(Quelle: Adrian Billerbeck, Einwohnerrat SVP)

Buchs hegt aber auch die Hoffnung, dass der Kanton bei der Erschliessung von Reinach West der Gemeinde unter die Arme greift. Das könnte allenfalls geschehen, indem die Route der Linie 64 nach Reinach West gezogen wird. Oder der Kanton sieht in einem Bus, der Reinachs Westen mit der S-Bahn in Münchenstein verbindet, einen regionalen Nutzen, so Buchs Überlegung.

Benutzerzahlen werden vermutlich tief sein

Darauf angesprochen, erinnert die Medienstelle der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion an die Bedingungen, damit der Kanton ein Angebot des öffentlichen Verkehrs übernimmt: «Können nach Ablauf eines Probebetriebs 30 Prozent der Kosten durch Ticketeinnahmen gedeckt werden, wird das Angebot auf Antrag der Gemeinde in den nächsten Generellen Leistungsauftrag des Kantons überführt.» Das wäre mit einem Ortsbus kaum zu erreichen. In der abgelehnten Vorlage von 2011 hatte der Gemeinderat sehr tiefe Benutzerzahlen prognostiziert.

Und in Reinach dürfte eine Neuauflage des Ortsbusses auf ähnlichen Widerstand stossen wie damals. «Das Thema kommt alle paar Jahre wieder auf», sagt SVP-Einwohnerrat Adrian Billerbeck. Schon 2011 warb er für ein Nein, und er sieht immer noch die hohen Kosten eines Ortsbusses als ein Hauptargument dagegen. Damals war die Rede von 350000 Franken jährlich. Jetzt meint Billerbeck: «Die Finanzsituation Reinachs spricht noch weniger als 2011 dafür, neue wiederkehrende Ausgaben zu schaffen.»