Windstrom
Die EBM beteiligt sich am spanischen Windkraftboom

Täglich erreichen die EBM in Münchenstein Mails aus Spanien – Mails über den Wind in Santiz. Der Grund: Die Swiss Leading Renewables AG, an der die EBM zu zwei Dritteln beteiligt ist, betreibt in Spanien den grössten Windpark in Schweizer Besitz.

Daniel Haller, Santiz
Merken
Drucken
Teilen

Stolz erklärt Dario García García die technischen Anlagen in 78 Meter Höhe: die Nabe des 20 Tonnen wiegenden Rotors mit 90 Metern Durchmesser, Getriebe, Generator, Steuer-, Überwachungs- und Messeinrichtungen. «Eine solche Hightech-Windmühle ist, wenn man das Fundament hat, in einem Tag montiert, in drei Tagen verkabelt und nach einem Tag Test betriebsbereit», berichtet der Galizier. Er arbeitet seit 11 Jahren in der Windkraftbranche, zuerst in der Montage, dann in Galizien im Unterhalt von 600 Windkraftanlagen und nun im Betrieb der beiden Windparks Bandelera und Rodera Alta in Santiz, 40 Kilometer von Salamanca.

Täglich mailt er von der Hochebene in 800 Metern über Meer Produktionsdaten und die Prognose für den nächsten Tag an den spanischen Netzbetreiber: Dieser muss sich auf den zu erwartenden Wind einstellen, denn der produziert rund ein Sechstel des spanischen Stroms: Ende 2011 waren in Spanien Windturbinen mit einer Kapazität von 21.640 Megawatt in Betrieb, das 21-Fache des AKW Gösgen. Damit ist Spanien nach Deutschland der grösste Windstromproduzent Europas.

Strom für 52 000 Haushalte

Dario García García mailt die Daten auch nach Münchenstein in die Zentrale der Leading Swiss Renewables AG (LSR). Diese Gesellschaft, an der die EBM zu zwei und Energie Wasser Bern (ewb) zu rund einem Drittel beteiligt sind, wurde vor einem Jahr gegründet und hat das Projekt der beiden Windparks Bandelera und Rodera Alta im Juni von Aravis übernommen. Aravis ist als Investitionsvehikel (Private Equitiy Investor) zu einem kleinen Teil an LSR beteiligt. «In einem Markt, in dem die Preise für Kraftwerksprojekte rapide steigen, sind Geschwindigkeit und Flexibilität gefragt», erklärt Aravis-Manager Oliver Thalmann. Diese Rolle, rentable Projekte in erneuerbarer Energie aufzustöbern, erfüllt Aravis für die EBM seit fünf Jahren. Mit der Gründung von LSR wurde diese Partnerschaft institutionalisiert.

Spanien erlebt einen Windkraftboom
11 Bilder
Die Windparks Bandelera und Rodera Alta in Santiz
In den Windparks Bandelera und Rodera Alta in Santiz gibt es 40 Kilometer Schotterstrassen
Insgesamt 35 Windturbinen produzieren hier Strom
Im Jahr sind das rund 179 000 000 Kilowattstunden
In einem Umspannwerk wird der Strom auf 220 000 Volt Hochspannung transformiert
Dann wird er direkt ins Hochspannungsnetz eingespeist
Vom Dach der Gondel einer Windturbine fällt der Blick auf die anderen Windmühlen der Windparks
Dario Garcia Garcia erklärt die technischen Einrichtungen in der Gondel auf 78 Metern Höhe
Getreibe, Generator, Transformatoren für die Stromversorgung der verschiedenen vollautomatischen Mess- und Reguliergeräte
Dario Garcia Garcia auf dem Dach der Gondel einer der 35 Windturbinen

Spanien erlebt einen Windkraftboom

Daniel Haller

Die Windparks bei Salamanca sind mit 165 Millionen Franken Investitionssumme bisher das grösste Projekt: Kapazität (70 Megawatt) und Produktion (179 Millionen Kilowattstunden pro Jahr) übertreffen die Gesamtheit der in der Schweiz installierten Windanlagen. «Es war die grösste je von einer Schweizer Gesellschaft durchgeführte Windkraft-Transaktion», berichtet Thalmann.

Die lange Projektphase seit 2001 war gespickt mit Studien und Abklärungen und dem Warten auf Bewilligungen. «Man musste schliesslich bauen, was ursprünglich beantragt wurde», meint EBM-Direktor Conrad Ammann. Bei Baubeginn 2011 war die Technologie nämlich weit fortgeschrittener und man hätte mit höheren Türmen und grösseren Rotoren mehr Leistung herausholen können.

Zu den Studien gehört auch der Vogelschlag, denn bei Starkwind und Volllast sind die Flügelspitzen mit 300 km/h unterwegs. Jährlich sechs tote Vögel wurden bisher in den Parks mit insgesamt 35 Turbinen gezählt. Dario García García beobachtet aber auch, dass bei langsam laufender Turbine die Milane mit den Flügeln spielen: «Sie setzen sich auf die Spitzen und lassen sich hochtragen, bis die Rotoren zu steil stehen.» Sein Fazit: «Die Vögel haben sich extrem schnell an die Windturbinen gewöhnt.»