Wintersport
Der Skiclub Reigoldswil feiert Jubiläum, doch Schnee hat es woanders

Wie der 75-jährige Skiclub Reigoldswil mit den milden Wintern zurechtkommt und heuer sein Jubiläum feiert.

Simon Tschopp
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Teilnehmende eines Wasserfallen-Derbys ums Jahr 2000.

Teilnehmende eines Wasserfallen-Derbys ums Jahr 2000.

bz

Das waren noch Zeiten. Als es auf der Wasserfallen genügend Schnee hatte zum Skifahren und gleich zwei Lifte in Betrieb waren. Als dort Leute aus der ganzen Region dem Alpinsport frönten. Primär Mitglieder des Skiclubs (SC) Reigoldswil konnten vor der eigenen Haustür auf den Pisten herumkurven und Tempo bolzen.

Heute müssen sie weitere Wege auf sich nehmen: Sörenberg, Andermatt, Berner Oberland oder Le Markstein im Elsass. «Sörenberg ist wichtig für uns, weil es in eineinhalb Stunden erreichbar ist», erklärt Fabi- enne Ballmer, die den SC Reigoldswil seit 2017 präsidiert. In der Entlebucher Ortschaft wird morgen Samstag die 52. Auflage des Wasserfallen-Derbys ausgetragen, tags darauf mit dem Clubrennen der Saisonhöhepunkt des Vereins.

Einstiger Weltmeister fuhr am Wasserfallen-Derby mit

Zum 14. Mal finden die beiden Wettbewerbe kombiniert statt. Mitte der 1970er-Jahre verlegten die Verantwortlichen das Derby nach Sörenberg, weil auf dem Reigoldswiler Hausberg regelmässig zu wenig Schnee lag. Prominentester Teilnehmer war bis jetzt Jacques Villeneuve, der frühere Formel-1-Weltmeister. Das Wasserfallen-Derby ist ein Rennen für Lizenzierte. Über 100 starten jeweils, davon etwa fünf des Organisatoren-Clubs.

«Freude und Leidenschaft am Skifahren sind entscheidend», betont die Vereinspräsidentin. «Wir organisieren uns und bringen unsere Mitglieder mit Kleinbussen in die Skigebiete.» Dies sei der Punkt, der sie zusammenhalte und vor allem für die Jungen auch seinen Reiz habe, ist Ballmer überzeugt. Bei der begeisterten Skifahrerin kommt Wehmut auf, wenn sie sich an die Skitage auf der Wasserfallen erinnert. Sie wechselte als Zwölfjährige vom SC Oberdorf nach Reigoldswil und gehörte ein paar Jahre der dortigen Renngruppe an.

Tendenz bei Mitgliederzahl steigt

Vor etwa einem Vierteljahrhundert wurde der Skilift zum Chellenchöpfli abgebaut, nachdem zuvor schon der Vogelberg-Lift aufgehoben worden war. Spätestens dann war endgültig Schluss mit Skifahren auf der «Wassi». Damals wie schon in den 1960er-Jahren machte der SC Reigoldswil eine Krise durch – diesmal mit tiefen Mitgliederzahlen und vakantem Präsidium –, erholte sich aber wieder. Heute zählt er 220 Mitglieder, Tendenz steigend; gegen 350 waren es vor gut drei Jahrzehnten.

Von den derzeit 60 Aktiven gehören 15 der Renngruppe an, dem Aushängeschild des Vereins. Diese ist während der Wintermonate fast jedes Wochenende unterwegs. Vor zwei Jahren hat der Vorstand in Klausur über die Zukunft diskutiert. Was wollen wir noch? Ist eine Renngruppe noch sinnvoll? «Für sie betreiben wir einen riesigen Aufwand, aber ohne wären wir am Ende», macht die 39-jährige Fabienne Ballmer klar. Mit der Renngruppe werden bereits die jungen Mitglieder an den Verein gebunden. Die Hälfte von ihnen bleibe und mache weiter.

Stephan Singer, der einst als Vorfahrer an der legendären Lauberhorn-Abfahrt teilnahm, und der verstorbene Michael Vogt als Langläufer waren die erfolgreichsten SC-Mitglieder. Vogt war unermüdlicher Promoter der Loipen auf der Waldweide, die im Winter 2018/19 während zweier Monate geöffnet waren. Der nordische Skisport ist für den SC Reigoldswil bedeutend, weil man ihn noch immer in der Region betreiben kann.

Lastwagen bringen Schnee für Rennen nach Reigoldswil

Für den 14. November plant der Skiclub aus dem Föiflibertal zu seinem 75-jährigen Bestehen einen besonderen Event. Er will am Hang oberhalb des Tennisplatzes in Reigoldswil ein Parallel-Skirennen austragen. Als Unterlage dient Schnee vom Eisabrieb der Kunsteisbahnen in Laufen und Sissach. Er wird durch Lastwagen herantransportiert. Dafür sind 30 bis 40 Fahrten nötig.

Dazu meint die Vereinspräsidentin: «Dies ist ökologisch sinnvoller, als wenn alle mit Autos ins Skigebiet fahren würden.» Sie seien mit der Organisation Myclimate in Kontakt und diskutierten, wie ihr Vorhaben mit Sponsorengeldern kompensiert werden könnte. Möglicherweise findet an jenem Tag auch ein Parlamentarier-Rennen statt.

Die Skiriege Reigoldswil wurde 1945 gegründet, 1990 löste sie sich vom Turnverein und wurde zum eigenständigen Skiclub. Zum Jubiläum produzierte ein Vereinsmitglied einen Film über die Clubgeschichte – mit Sequenzen von unvergesslichen Skitagen auf der Wasserfallen.

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