Rettung Basel-Stadt
Der Ober-Retter muss nun sich und seine Abteilung retten

Dominik Walliser ist als Kommandant der Basler Rettung Chef von 250 Mitarbeitern. Der Feuerwehrmann steht seit Wochen in der Kritik. Gerettet wurde der Retter nun von seinem Chef Baschi Dürr.

Moritz Kaufmann
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Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (links) stärkt seinem Kommandanten Dominik Walliser den Rücken.

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (links) stärkt seinem Kommandanten Dominik Walliser den Rücken.

Über Dominik Walliser hört man in Basel viel in diesen Tagen. Vor allem hört man viel Unterschiedliches. Der Titterter sei ein kompetenter und angenehmer Mensch, ein «Gmögiger», sagen die einen. Die anderen können mit dem Kommandanten der Basler Feuerwehr, der Sanität und des Zivilschutzes überhaupt nichts anfangen. Unfähig und asozial sei er, sagen Leute, von denen viele ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen.

Von Hanspeter Gass rekrutiert

2007 heuerte Walliser als Chef Rettung beim Kanton an. Der damals 37-Jährige wurde von Regierungsrat Hanspeter Gass rekrutiert, dem Vorgänger des heutigen Sicherheitsdirektors Baschi Dürr. Wie Gass scheint auch Baschi Dürr viel von seinem Kadermann und Kommandanten zu halten. In der aktuellen Krise sagt Dürr vor versammelter Medienschar: «Dominik Walliser ist ein Teil der Lösung.» Dies, nachdem die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rats den studierten Elektroingenieur zwar nicht namentlich, aber doch unmissverständlich als Teil des Problems bei der Basler Sanität bewertet hatte. Gemeinsam mit Hans Peter Altermatt, Sanitätsleiter und Vizechef der Basler Rettung, solle Walliser den Hut nehmen, forderte die GPK. Altermatt musste schliesslich gehen, während Walliser seinen Posten behalten darf. An der Pressekonferenz am Dienstag, an der Baschi Dürr seine Entscheidung bekannt gab, dankte Walliser seinem Weggefährten Altermatt ausdrücklich für sein Engagement.

«Altermatt ist ein Bauernopfer. Walliser ist das Problem», sagte Matthias Scheurer von der Gewerkschaft VPOD vor drei Wochen zur bz, als der GPK-Bericht veröffentlicht wurde. Scheurer, der mit seiner Gewerkschaft die Staatsangestellten vertritt, ficht verschiedene Kämpfe mit Walliser aus. So müssen die Richter nun entscheiden, ob ein von Dominik Walliser ausgearbeitetes Arbeitszeitreglement für die Basler Feuerwehr zulässig ist. In der Sanität und in der Feuerwehr scheint Walliser Feinde zu haben. Die GPK kam zum Schluss, dass die Mannschaft kein Vertrauen in die Führung der Rettung habe. Gleichzeitig sagt Baschi Dürr: «Nach dem GPK-Bericht habe ich Dutzende Mails von Rettungs-Angestellten aller Hierarchien bekommen, die anderer Meinung sind.»

Hochkomplexes Konstrukt

Als Kommandant der Rettung ist Walliser Vorsteher von 250 Mitarbeitern in einem hochkomplexen Konstrukt. Feuerwehr und Sanität müssen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche bereit sein, Leben zu retten. Von aussen ist es schwer, hinter die Mechanismen dieser Maschinerie zu sehen. Doch gerade bei der Sanität fühlen sich viele in dieser Organisation unwohl. Die Sanitäter sehen sich selbst nicht als klassische Blaulichtorganisation, sie würden lieber wieder wie früher dem Gesundheitsdepartement angehören. Walliser aber ist im Militär Oberstleutnant und hat einen Feuerwehrhintergrund.

Dass die Feuerwehr, die Sanität und der Zivilschutz unter einem Dach vereint sind, ist nichts Ungewöhnliches. Die Abteilung «Schutz & Rettung» des Zürcher Polizeidepartements ist ähnlich organisiert wie die Basler Rettung. Dominik Walliser als oberstem Basler Retter kommt nun die Aufgabe zu, die Unruhe wieder zu besänftigen. Eine Unruhe allerdings, die schon seit Jahren besteht und für die viele Walliser mitverantwortlich machen. Eine schwierige Rolle, doch Walliser kann nun beweisen, dass er tatsächlich ein echter Retter ist.

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